Einschlafbegleitung vom richtigen Maß und den Bedürfnissen

Vom richtigen Maß bei der Einschlafbegleitung

Kinder müssen spüren, dass ihre Gefühle und Bedürfnisse wichtig sind. Vom ersten Tag an. Ich bin mir sicher, dass ich das nicht mehr betonen muss, da sind sich heute ja alle einig. Zum Glück. Aber vor lauter Orientiertheit auf die Bedürfnisse der Kinder vergessen viele Eltern offenbar ihre eigenen Bedürfnisse. Zumindest nach außen hin. Kann das die Lösung sein? Ich finde nicht. Ich oute mich also heute: Wenn die Kinder dem Babyalter entwachsen sind, will ich sie nicht mehr jede Nacht bei mir im Bett haben und ich will sie auch nicht stundenlang einschlafbegleiten. So. Und ich glaube nicht, dass ich allein damit bin.

Merkwürdige Auswüchse bei der Einschlafbegleitung

Ich finde es wunderbar, dass Kinder (zumindest nach dem Willen guter Erziehungsratgeber) heute nicht mehr gezwungen werden, alleine einzuschlafen. Ich finde es furchtbar und schrecklich, wenn ein Kind sich in den Schlaf weinen muss. Aber….. Ja, es gibt ein „aber“. Ich finde es genauso schrecklich, wenn sich eine Mutter jeden (!) Abend stundenlang neben das Bett des Sprösslings setzt, obwohl sie keine Lust darauf hat. Wenn sie die Zeit selbst genießt, soll sie es machen. Aber nicht selten lese ich in Foren, dass Mütter alles andere als fröhlich und entspannt ausharren bis die Kinder endlich schlafen. Und das über Jahre. Keiner kann mir erzählen, dass das keine Genervtheitsspirale in Gang setzt.

Wenn Kinder dem Babyalter entwachsen sind, sollten sie auch merken dürfen, dass auch Eltern Bedürfnisse haben. Zum Beispiel das Bedürfnis, abends einfach mal ein bisschen Erwachsenenzeit zu haben, einen Film anzuschauen, ein Buch (kein Kinderbuch) zu lesen oder ein bisschen Sport zu machen. Vielleicht auch sich einfach hinzulümmeln und gar nichts zu machen. Ja, ich finde das muss drin sein.

Wie man das dem Kind beibringt?

Als Baby gar nicht, das ist klar. Mein Sohn hat über ein Jahr eng umschlungen mit mir geschlafen. Aber nach und nach fand er auch sein eigenes Bett schön. Ich hab es ihm immer wieder schmackhaft gemacht. Im Bett ist seine toniebox und ich habe mich lange mit ihm in sein Bett gekuschelt, um ihm zu zeigen, wie schön und bequem es ist.

Als meine Kinder dann alt genug waren, um zu verstehen, was ich ihnen sage und als sie sich in ihren Betten richtig wohlgefühlt haben, habe ich deutlich gemacht: Ich bin in der Nähe, ich muss nur kurz zur Toilette, ins Bad, die Spülmaschine ausräumen, ein Telefonat führen, etwas trinken, nach deiner Schwester schauen oder was auch immer. Etwas, das das Kind versteht und bei dem es eine ungefähre Vorstellung davon hat, dass es in der Nähe stattfindet. Ich mache außerdem eine CD oder die toniebox an. Meine Kinder lieben die Geschichten und hören sie eigentlich nur zum Einschlafen. Sie freuen sich immer schon drauf. Sobald eines der Kinder nach mir ruft, gehe ich wieder hin. Und ich bleibe auch zu einer ausführlichen Kuschelrunde. Alles wie es das Kind braucht. Aber dann ist es gut. Dann ist Erwachsenenzeit. Dann wird geschlafen. Und das klappt gut.

Alle Bedürfnisse sind wichtig

Ist das egoistisch wie ich das mache? Keine Ahnung, ein bisschen vielleicht. Aber den Kindern gefällt es. Keiner hat Angst, keiner ist verzweifelt oder einsam. Keiner muss länger weinen, als mein Weg zum Kinderzimmer dauert. Sie hören ihre Geschichten und ruhen sich in ihren Betten aus. Ich bin ein zu unruhiger Geist um mich eine Stunde reglos neben meinen Sohn zu legen. Und ehrlich gesagt bin ich meistens allein um die Kinder ins Bett zu bringen und ich kann mich nicht zerteilen. Wenn es jemandem Spaß macht und es ihm gefällt ist das toll, dann soll er Einschlafbegleitung machen bis die Kinder ausziehen. Meine Kinder brauchen das glücklicherweise nicht. Ich bin deshalb keine herzlosere Mutter. Und Du auch nicht.

Sich verlassen können

Das ist für mich das Wichtigste: Dass meine Kinder sich auf mich verlassen können. Es gibt Abende, da liegt den Kindern etwas auf dem Herzen und sie brauchen mehr Zuwendung. Manchmal will meine Tochter noch reden oder Geschichten hören. Oder mein Sohn möchte gehalten und in den Schlaf gewiegt werden. Das mach ich auch. Ausnahmsweise. Oder sie träumen schlecht und krabbeln nachts mit in mein Bett. Oder ich soll mit in Ihres krabbeln. Jederzeit. Gar kein Problem. Aber grundsätzlich finden sie alleine die meiste Ruhe.

Keiner von beiden wurde aus meinem Bett verbannt, ich habe sie einfach davon überzeugt, dass es für alle am bequemsten so ist. Ohne Zwang und ohne Druck. Ich liebe das Familienbett – Sonntag morgen. Zum Schlafen ist es für uns nichts. Beide Kinder sind auf den Geschmack gekommen. Wenn ich abends bei meinem Sohn im Bett kuschle, bedeutet er mir nach einige Minuten, dass ich jetzt bitte rausgehen soll. Er will sich ausruhen – allein. Und schläft dabei ein. Das ist erholsam für uns beide. Für uns fühlt sich das gut an.

Ich weiß, ich bin nicht allein

Ich lese in vielen Foren, dass Mütter eigentlich genervt sind vom stundenlangen neben den Kindern liegen und warten bis sie eingeschlafen sind. Und in meinem Freundeskreis zumindest weiß ich, dass es die wenigsten machen. Aber irgendwie haben die meisten ein schlechtes Gewissen dabei, nicht einschlafzubegleiten. Ich finde das unnötig. Ich will, dass es allen in der Familie möglichst gut geht. Allen. Mir auch. Das bringt Ruhe in den Alltag und sorgt für entspannte Verhältnisse. Wie siehst Du das mit der Einschlafbegleitung?

 

3 Gedanken zu “Vom richtigen Maß bei der Einschlafbegleitung

  1. Vielen Dank für deinen Text. Er ist sehr schön geschrieben und erzählt ungefähr, wie es bei uns zuging und gewissermaßen immer noch zugeht. Mein Großer ist jetzt 14 und ich bin ihm Abends immer noch wichtig. Bis zu einem gewissen Punkt.
    Mich stört vor allem diese Ausschließlichkeit, mit denen in den entsprechenden Foren pro Familienbett und pro Einschlafbegleitung argumentiert wird. Ich weigere mich, mich als schlechte Mama abstempeln zu lassen, nur weil ich eigene Wege gewählt habe. Mir war es immer am wichtigsten, dass es der Familie gut geht. Jedem von uns.

    • Danke für die positive Rückmeldung. Das hast Du schön gesagt. Es soll allen gut gehen. Es ist eben nicht so, dass jeder, der sein Kind stundenlang einschlafbegleitet dabei geduldig und zugewandt ist. Man sollte tun was sich für einen selbst gut anfühlt und was sich auch dann noch gut anfühlt, wenn man sich ehrlich ins Kind hineinversetzt. Das ist für mich sowieso der Schlüssel zu sehr vielem.

  2. Ich bin da ganz deiner Meinung. Meine Kleine ist 9 Monate alt. Sie schläft seit Anfang an in Ihrem Bettchen neben mir. Natürlich habe ich sie gewiegt und gehalten, mache ich noch immer. Aber ich habe gemerkt, dass sie auch gerne alleine einschläft. Wir haben unser fixes Ritual und das ist auch gut so. Aber wie du schon geschrieben hast, irgendwann muss Ruhe sein. Tagsüber schläft meine Kleine kaum bis teilweise gar nicht. Da bin ich froh, wenn ich nach 13 Stunden auch mal durchschnaufen, Dinge im Haushalt erledigen und manchmal auch mal nichts machen kann. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass mein Kind leidet. Ich füttere sie, kuschel mit ihr und wenn sie da noch nicht eingeschlafen ist, dann schläft sie von alleine ein. Ohne Geschrei oder herzzerreißend Weinen. Einfach ganz ruhig. Natürlich sind Kinder unterschiedlich. Doch das mit Muss sitzen und in den Schlaf begleiten finde ich nicht richtig. Überhaupt, wenn die Mutter es täglich mit einer großen Überwindung tut. Doch jeder soll das machen, was er/sie für richtig hält. Wohl fühlen sollte man sich nur dabei.
    Alles Liebe Sonja

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