weniger schreien - mehr verstehen

Gewaltfrei Kommunizieren: Die besten Tipps um weniger zu Schreien

Kurz vor neun. Ich steh im Hausflur. Und schreie. Ich sag mir selbst, dass ich rufe, aber zwischen rufen und schreien gibt es schon noch so einen kleinen feinen Unterschied. Also nennen wir es beim Namen, ich schreie: „Könnt ihr jetzt vielleicht endlich mal runterkommen. Ich hab es jetzt hundertmal gesagt. Irgendwann fängt es wirklich an, mich zu nerven. Diese Trödelei. Himmel nochmal. Ignoriert Ihr mich einfach? Hallo! Bitte kommt jetzt! Der Kindergarten fängt an. Ich muss zur Arbeit“ Und dann stapf ich nach oben. Und frag meine Tochter, warum sie nicht kommt, wenn ich rufen. Und die Antwort? „Ich hab Dich nicht gehört“. Immer.

Kann das sein? Nicht gehört?

Zwei geschlossene Türen und ein Treppenhaus. Sie hätte es deutlicher gehört, wenn ich gleich hoch gegangen wäre. Das steht mal fest. Trotzdem: Gehört hat sie es sicherlich. Zumindest akustisch verstanden. Denn wie gesagt, ich hab schon irgendwie geschrien. Aber vermutlich hat sie in ihrem Zimmer gesessen und hat nur gedacht, „oh, da schreit jemand. Und wo geschrien wird, da will ich nicht sein.“ Oder so ähnlich. Ich versteh sie. Komisch eigentlich, ich weiß dass es nichts nützt zu schreien und trotzdem muss es manchmal raus. Angestaute Energie. Keine Ahnung. Vielleicht kennst Du das ja.

Geht´s also um den Inhalt oder geht´s um das Schreien?

Mir das bewusst zu machen ist doch ein Schlüssel. Denn tatsächlich nützt Schreien ja überhaupt nichts. Ich weiß nicht, ob es schadet, denn die Kinder blenden es ja eh aus. Ich schrei sie nicht an oder so. Vielmehr ist es so, dass ich versuche sie zu mir zu schreien – und dass das nichts nützt ist ja eigentlich logisch. Eigentlich kann ich es also auch sein lassen. Immer wieder ist das einzige das nützt: Hingehen, sich runtersetzen, in die Augen schauen und sagen, dass wir jetzt gehen. Ruhig und leise, Verständnis für sie haben, sich einfühlen, erklären, auch ihre Argumente zählen lassen. Die Kinder ernst nehmen. Natürlich nützt das nur was, wenn ich rechtzeitig vorher angekündigt habe, dass wir gehen und manchmal muss ich es auch mehrmals sagen. Aber noch nie hat sich eines meiner Kinder schneller bewegt, wenn ich geschrien habe. Spannende Erkenntnis.

Vom hundertmal sagen

Dass ich manchmal das Gefühl habe, ich muss etwas hundertmal sagen, liegt vor allem an mir selbst. Ich hab das in den letzten Wochen mal beobachtet. Ich sag also: „Kommt wir gehen dann langsam mal los“. Räum dabei aber noch die Spühlmaschine ein. Dann steh ich im Flur und wundere mich, dass meine Tochter nicht angezogen ist, obwohl ich weiß, dass sie derzeit eben jeden Tag alles anprobieren muss, was sie hat, ehe sie das Richtige findet. Ich such derweil eine ihrer fünf Haarbürsten. Und dann packt der Kleine in der Zeit seine Brotzeitbox aus und futtert drauflos. Ist jetzt eigentlich auch nicht überraschend, schließlich dauert ihm das alles einfach viel zu lang. So oder ähnlich ist das bei uns am Morgen. Oder war. Denn ich hab wirklich an mir gearbeitet.

So chaotisch ich auch bin, je mehr Struktur ich dem Morgen gebe, desto reibungsloser läuft er. Ich muss klar sagen, wie es weitergeht. Dann gibt es deutlich weniger Reibereien. Meine Tipps für weniger Schreierei in dieser und ähnlichen Situationen findest Du ganz unten und meine Tipps für weniger genervt sein in der Erziehung kannst Du hier nachlesen.

Aufregung und Mama als Attraktion

Dass meine Gefühle manchmal mit mir durchgehen, das ist für meine Kinder ja eine kleine Attraktion. Mich kann eigentlich wenig aus der Fassung bringen. Trödeln nervt mich, aber ansonsten bin ich die Ruhe selbst. Aber manchmal, da kann ich mich eben schon aufregen. Da bin ich richtig motzig. Manchmal bin ich schlecht gelaunt, weil ich es eben bin; an Tagen, an denen mir einfach nichts gelingen will, an Tagen, an denen ich mich nur drauf freue, wenn die Kinder im Bett sind. Ja, solche Tage gibt es. Neulich war so ein Tag. Die Kinder haben das natürlich gemerkt. Sie versuchen dann gar nicht, es mir recht zu machen. Ganz im Gegenteil. Sie machen noch langsamer und ärgern mich anderweitig.

Sie machen Unfug

Erst hab ich gedacht ich bild mir das ein, dass sie das extra machen: Meine frisch einsortierte Wäsche aus dem Schrank ziehen und im Zimmer verteilen, während ich unten rufe, zum Beispiel. Oder sich hintenrum rausschleichen und mit dem Gartenschlauch an die Fenster spritzen, während ich sie noch oben wähne. Und dann ist mir aufgegangen, dass ich mir das nicht einbilde. Dass sie es wirklich extra machen an Tagen an denen ich etwas – wie soll ich sagen – empfindlich bin. Um eine Reaktion von mir zu bekommen.

Und warum ist das so?

„Mama, es ist einfach lustig, wie Du Dich aufregst. Wie eine wild gewordene Henne!“ hat meine Tochter neulich zu mir gesagt. Und dann hat sie gegackert. Erst war ich ein bisschen beleidigt.  Und dann musste ich lachen, denn irgendwie stimmt es: Ich gackere rum wie ein aufgeregtes Huhn. Und seitdem mach ich die Henne extra, immer wenn ich schlecht gelaunt bin und die Kinder mich ärgern. Wir lachen dann zusammen – meistens jedenfalls. Denn im Endeffekt wollen doch alle nur das eine: Dass es allen in der Familie gut geht. Und das geht am Besten, wenn man sich gegenseitig hochzieht und nicht, wenn man sich Vorwürfe macht. Miteinander lachen, statt übereinander. Und miteinander reden, statt schreien. Hört sich einfach an. Klappt natürlich nicht immer. Aber jede verhinderte Motzerei ist gut, find ich jedenfalls.

Hier also meine sechs Tipps für weniger Schreien in der Erziehung:

  1. Gründe rausfinden: Warum verhält sich mein Kind so, wie es das gerade tut. Was will es erreichen? Wer einander versteht, kann viel ruhiger miteinander reden.
  2.  Sich bewusst machen: Geflüstertes finden wir viel interessanter. Wer schreit, dem hören auch Kinder weniger gern zu.
  3. Sachen nicht dutzende Male in den Wind gesprochen wiederholen, sondern klare Absprachen treffen, die auch Kinder einhalten können. Und immer wieder hinterfragen: Habe ich mich wirklich klar genug ausgedrückt?
  4. Wer schreit, obwohl man ihn auch mit normaler Stimme verstehen könnte, erniedrigt sein Kind. Und das tut weh wie eine Ohrfeige. Einfach seinlassen.
  5. Schreien sagt mehr über den Sender als über den Empfänger aus und ist oft Zeichen angestauter Genervtheit. Die sollten Eltern beim Sport rauslassen oder vor dem Spiegel, aber nicht am Kind.
  6. Atmen und zu sich selbst finden. Bevor man etwas tut oder sagt, für das man sich später entschuldigen muss, ist es besser, die Situation kurz zu verlassen und sich zu sammeln und danach überlegt zu reagieren. Mit der Zeit können sogar Erwachsene lernen ihre Impulse zu kontrollieren.  😉

 

Musst Du auch manchmal losschreien? Hast Du vielleicht noch einen Tipp?

 

3 Gedanken zu “Gewaltfrei Kommunizieren: Die besten Tipps um weniger zu Schreien

  1. Hallo Katharina!

    Ich glaube, alle Eltern kennen den Zeitpunkt, dass die Nerven nicht mehr halten und man immer lauter wird. Doch bewirken tut es schlussendlich tatsächlich nichts. Außer, dass man selber heiser wird und das Kind einen verwirrt anschaut.

    Besonders spannend finde ich dann, dass wir als Eltern ja gerne zu unseren Kindern sagen „Hört auf so herumzuschreien!“ Denn meistens sagen wir das nicht, sondern schreien es, weil wir glauben, sonst nicht gehört zu werden.

    Vielen Dank für deinen Beitrag, der uns als Eltern wieder vor Augen führt, welche Art des Miteinanders wir unseren Kindern eigentlich beibringen möchten und sollten.

    Liebe Grüße
    Veronika

  2. Vielen Dank Katharina,
    das passt genau in unsere/meine derzeitige Situation. Ich bin völlig genervt davon, wie viel in unserer Familie rumgeschrien wird, ärgere mich regelmäßig über das übertriebene Schreien meiner Kinder, bemerke aber oft zu spät, dass ich selbst viel zu oft laut bin und damit – wie du es bereits passend geschrieben hast – überhaupt nichts erreiche.
    Dein Beitrag hat mir geholfen, wieder achtsamer mit meiner Kommunikation zu meinen Kinder umzugehen.

    Danke!

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