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Zuckerfrei! Zuckerentwöhnung: mit Kindern ohne Zucker

Da gibt es etwas, das mich schon seit Monaten nervt: Wir essen zu viel Süßes. Das ist ein deutschlandweiter Trend – die WHO empfiehlt maximal 25 Gramm Zucker pro Tag zu essen, in der Realität ist es fast das vier-fache! Für meine Familie habe ich den Zuckerkonsum nicht ausgerechnet, aber wenn ich mir überlege, wie unser Tag mit Toastbrot und Marmelade oder auch mal mit Schokoflocken beginnt und mit Vanillepudding am Abend endet, glaube ich, dass wir die 25 Gramm überschreiten. Das stört mich bei mir selbst, aber vor allem bei den Kindern. Sie sind nicht dick oder krank, das ist es nicht, was mich daran stört. Sondern es ist die Abhängigkeit, die mich verrückt macht. Und dass sie einfach viel zu genäschig geworden sind. Richtige Selektiv-Esser – ich glaube, dass das auch mit der Konditionierung auf Süßes zusammenhängt. Die Große will immer nur Nudeln, was anderes will sie kaum anrühren. Vielleicht noch Waffeln und Joghurt. Aber eben alles aus diesem süß-Spektrum. Gemüse? Ach Du meine Güte! Bloß nicht!

Früher war das anders. Als sie klein war hat sie alles gegessen. Und es hat ihr auch eigentlich alles geschmeckt. Da hatten wir noch keine süßen Frühstücksflocken oder Schokoladenpudding oder sonst was im Haus. Da gab es nur gesund. Aber wie gesagt, in den letzten Monaten hat sich da etwas verändert. Und das will ich so nicht hinnehmen.

Was Zucker im Körper bewirkt

Zucker sind kurzkettige Kohlehydrate – sie liefern schnelle Energie. Mit meiner Tochter hatte ich ein Erlebnis, das ich Dir unbedingt erzählen muss. In ihren ersten zwei Lebensjahren hatte meine Tochter sehr wenig Kontakt mit Zucker. Erstgeborene eben;-) Und dann war ich mit ihr und meiner Mutter in der Stadt in Bamberg. Ich weiß noch ganz genau wo wir Florentine ein Eis gekauft haben. Eine ganze Kugel nur für sie. Die Augen waren riesig und das Eis schnell aufgeschleckt. Und dann ging es los: Das eigentlich entspannte Kind ist dermaßen aufgedreht,! Wir haben sie nicht mal ins Auto bekommen. Sie hat wild gekichert, dann wieder geweint, dann um sich getreten. Ich (und übrigens auch meine Mutter, die ja dabei war) bin überzeugt, dass es mit dem Eis und ihrer Stimmung einen Zusammenhang gab. Es war einfach anders als sonst. Wie im Rausch.

Die Zuckerspirale

Wer ausgewogen isst und regelmäßig und gesund, für den sind eigentlich wenige feste Mahlzeiten am Tag spielend leicht einzuhalten. Wie viele Mahlzeiten am Tag das sein sollen, darüber streiten sich Experten. Manche empfehlen drei Mahlzeiten, manche fünf kleinere. Aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, dass zu festen Zeiten und ordentlich gegessen wird. Und dazwischen nicht.  Das war mir eigentlich immer sehr wichtig und darüber hat auch die Senfoma schon mal geschrieben. So war es bei meiner großen Tochter die ersten Jahre. Wir haben dreimal am Tag gegessen: Früh, Mittags, Abends. Sie brauchte keine Zwischenmahlzeiten. Mein Sohn schon.

Er hat heute völlig andere Essgewohnheiten. Er isst mal hier einen Keks, dann dort ein bisschen Müsli, dann wieder Fruchtjoghurt. Es ist ein Teufelskreis, denn wer zum Mittagessen wenig gegessen hat, der hat natürlich schnell wieder Hunger auf einen Snack, und dann den nächsten und den nächsten und wenn es dann Abendessen gibt, fehlt wieder der Hunger für richtiges Essen. Vor allem zuckerhaltige Snacks sind da ein Problem. Zucker gibt einem einen kurzen Energiekick und lässt den Körper danach in ein Energieloch fallen. Der Hunger – oder das Gefühl etwas Essen zu wollen – ist nach dem Kick um so größer.

Der Entschluss zur Zuckerentwöhnung

In den letzten Wochen habe ich einiges versucht, um den Kindern Gemüse schmackhaft zu machen und auch versucht meinen Sohn in Richtung feste Essenszeiten zu lenken. Ich habe das Gemüse in Pferdeform geschnitzt, ich habe es in Soßen püriert, ich habe keine Kekse mehr eingekauft, es mit Ablenkung versucht und ich habe erklärt und erklärt und erklärt. Der Effekt: Gar nichts. Es wird ewig gejammert und bestimmt noch irgendwo ein Eckchen irgendwas gefunden. So habe ich beschlossen: Jetzt reicht´s! Punkt. Ich bin der Überzeugung, dass gesünderes Essen für die Kinder besser ist und wenn sie nicht freiwillig auf mich hören, dann bestimme ich das jetzt. So wie damals, als ich mit dem Stillen aufgehört habe. (Da hatte ich nämlich auch Recht)

Mein Entschluss steht also: Wir werden einige Zeit – voraussichtlich vier Wochen – auf Zucker verzichten und damit eine Zuckerentwöhnung durchziehen. Hannah Frey hat auf ihrem Blog und in ihrem Buch über ihre Erfahrung und ihr Projekt: zuckerfrei geschrieben. Sie ist Gesundheitswissenschaftlerin und ich hole mir viele Tipps auf ihrer Seite. Ich werde das Thema auf meine Familie erweitern und sehen, wie meine Kinder auf die Umstellung reagieren.

Was ich mir von zuckerfrei erhoffe

Die Hoffnung ist, dass die physische Abhängigkeit vom Zucker aufhört und dass sich auch die Geschmacksnerven erholen. Das ist eigentlich meine größte Hoffnung: Dass sich der Geschmackssinn verfeinert und nicht nur auf Süßes abfährt, sondern auch mal wieder etwas anderes als positiv wahrnimmt. Schaden kann es nicht. Den Kindern nicht und – ganz nebenbei – mir auch nicht. Also machen wir es!

Worauf genau verzichten wir?

Mir geht es in erster Linie um Kristallzucker. Wir verwenden seit Jahren Rohrohrzucker oder Agavendicksaft statt der raffinierten Variante des Zuckers. Doch der wenigste Zucker wird ja von uns selbst in die Nahrung gestreut. Der meiste Zucker, den wir essen steckt schon in den Nahrungsmitteln, die wir kaufen. Im Toastbrot zum Beispiel und auch in der Wurst, in den allermeisten Frühstücksflocken ist Zucker ebenfalls nicht zu knapp enthalten. Und in vielen Fertigprodukten. Das wollen wir schrittweise alles streichen und zu zuckerfrei – Varianten wechseln. Schon bisher gebe ich meiner Familie auf keinen Fall Produkte mit künstlichen Zuckeraustauschstoffen wie Aspartam. Auch während des Projektes werden wir davon nicht abrücken. Nicht nur, weil ich Süßstoffe für sehr ungesund halte, sondern auch, weil eines der Ziele des Projektes ja auch ist, die Geschmacksnerven zu sensibilisieren – also den süßen Geschmack zu reduzieren. Daher wechseln wir auf reine Haferflocken und auf Käse, beim Brot wechseln wir zu Sorten ohne Hefe, die enthalten oft auch keinen Zucker. Fertigprodukte habe ich ohnehin selten verwendet. Ein Blick auf die Verpackung oder das Nachfragen bei der Verkäuferin hilft.

Auch die „gesunden“ Zucker wie Agavendicksaft werden wir aus der Nahrung streichen. Zucker in Obst ist für mich in Ordnung. Obst liefert so viele gesunde Vitamine und Mineralstoffe – und die sind ja erwünscht. Als Erwachsener kann ich mir den zeitweisen Verzicht vorstellen. Für die Kinder wäre das aber aus meiner Sicht kontraproduktiv. Zuckerentwöhnung soll ja gesund sein und nicht das Gegenteil bewirken.

Und wie ich meiner Tochter das Ganze schmackhaft mache?

Nun, das ist gar nicht so einfach. Mit fünf Jahren weiß sie sehr genau was sie essen möchte, und das ist auch ihr gutes Recht. Trotzdem will ich, dass sie mitmacht. Ich habe ihr erklärt, warum ich glaube, dass es gut und wichtig ist und sie hat die Argumente verstanden, das ist schon mal der erste Schritt. Und dann machen wir noch ein Spiel daraus: Wer zuerst etwas nascht hat verloren. Sie wollte das unbedingt. Naja gut. Wenn es hilft, dann soll es mir recht sein. Und was auch noch motivieren soll: Ich beziehe die Kinder ins Kochen natürlich besonders mit ein. Das habe ich in der Vergangenheit schon gemacht, aber vielleicht fällt mir noch ein bisschen mehr ein. Wir gehen zusammen in den Gemüseladen und zum Metzger, Florentine darf ihre eigene Pizza backen und so weiter. Und den meisten Zucker, den unsere Kinder essen, nehmen sie unbewusst zu sich. Ich glaube daher, dass sie gar nicht so sehr das Gefühl haben werden, dass etwas fehlt. Es gibt eben andere Frühstücksflocken, anderes Brot, anderes Joghurt und so weiter. Für die Erwachsenen, die die Zuckerentwöhnung ja planen und durchdenken müssen, ist es ein größerer Einschnitt als für die Kinder.

Und beim Kleinen? Ich ahne es, die ersten Tage zuckerfrei werden schwierig. Ich habe alle Kekse, Waffeln, Fruchtjoghurts und so weiter aussortiert und mit Karottensticks, Knäckebrot und Naturjoghurt ersetzt. Und natürlich mit Obst. In der ersten Woche soll er das noch als Snacks essen, danach hoffe ich, dass wir diese dauernde „Zwischenreinesserei“ langsam runterfahren können und zu echten gemeinsamen und vollwertigen Mahlzeiten kommen.

In den nächsten Wochen lass ich Euch gerne an unserem Fortschritt teilhaben. Drück uns die Daumen:-)

Mittlerweile sind anderthalb Wochen unseres Experiments zuckerfrei vergangen. Wie es uns ergangen ist, was uns geholfen hat und wo wir geschummelt haben, das kannst Du hier nachlesen.

 

8 Gedanken zu “Zuckerfrei! Zuckerentwöhnung: mit Kindern ohne Zucker

  1. Hallo Katharina

    Toller, informativer Beitrag. Habe ihn sehr gerne gelesen. Wir sind bereits seit 30 Tagen komplett zuckerfrei (davor einfach zuckerreduziert und nach der Fastenzeit wird’s vermutlich auch wieder reduziert sein). Wobei es bei den Kindern ganz ohne Zucker nicht klappt. Bin selbst gespannt, wie es weitergeht 😊. Werde dran bleiben und verfolgen, wie es euch ergeht.
    PS: das mit den Nudeln kennen wir 😉. Bei den Kindern kam Pizza mit Blumenkohlboden sehr gut an und da ist viel Gemüse drin.
    Liebe Grüsse
    Anita

    • Ach das klingt ja toll! Ein bisschen Zucker für die Kinder, vor allem wenn sie bei Freunden sind, ist schon zweckmäßig. Wir werden bald auf zuckerreduziert wechseln….. Aber zu Hause finde ich es ganz gut, wenn wir zuckerarm beibehalten. Und das mit dem Blumenkohlboden probier ich mal. Ich hatte schonmal davon gelesen, aber mich noch nicht rangetraut.
      Liebe Grüße
      Katharina

    • Da halte ich Dich gerne auf dem Laufenden. Bisher gibt es Höhen und Tiefen. Aber eines ist sicher: Für die Kinder ist das nicht halb so schwer durchzuhalten, wie für mich…..
      Bis bald! Katharina

  2. Liebe Katharina, ich finde deinen Plan super! Tolle Idee! Wir essen alle viel zu viel Zucker – und wie du schon sagst, der versteckte Zucker ist eigentlich das Hauptproblem. Wir versuchen auch, im normalen Essen den Zucker so gut wie möglich wegzulassen. Wo es meinem Sohn noch sehr schwer fällt, ist bei den Süßigkeiten. Aber auch ich werde jetzt deinen Artikel mal zum Anlass nehmen, und die Süßigkeiten-Box bis auf ein paar kleine Ausnahmen komplett zu entsorgen. Mal sehen, wie weit wir kommen…..Ich freue mich, bald zu lesen, wie es Euch ergangen ist. Danke für die Inspiration! Liebe Grüße, Sonja

    • Freut mich, dass Du so Feuer und Flamme bist:-) Es läuft ganz gut. In den nächsten Tagen mach ich mal ein Zwischenfazit. Aber es ist tatsächlich schwerer, als ich gedacht hatte. Zucker steckt wirklich überall. Sogar in meinem Lieblingsgewürz! Bis bald! Katharina

  3. Hallo Katharina,

    ein wirklich interessanter Beitrag, tolle Beispiele, wie unbewusst Zucker drin steckt…
    Ich will gar nicht wissen, wie hoch unser täglicher Konsm ist. Wir haben auch drei feste Mahlzeiten, aber zwischendurch am Nachmittag gibt es doch mal einen kleinen Snack. Auch ein paar Süßigkeiten bekommt Finn schon. Natürlich keine großen Mengen, aber trotzdem, noch weniger wäre natürlich wünschenswert.
    Ich bin gespannt wie ihr das umsetzen könnt und bin auf deine weiteren Beiträge zu diesem Thema gespannt.

    Liebe Grüße,
    Swantje

    • Ich finde ab und zu ein paar Süßigkeiten auch gar nicht schlimm. Es kommt eben sehr auf die Menge an und vor allem darauf, dass auch genug gesunde Sachen gegessen werden. Ich fand einfach den Versuch sehr spannend, wie der Körper reagiert. Und das ist echt der Wahnsinn. Ich hab totale Entzugserscheinungen. Die Kinder stecken den Zuckerstopp im Gegensatz zu mir total unproblematisch weg;-)

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