Cremedosen atopisches Ekzem Neurodermitis

Zwischen Leben und Sterben: Hirnhautentzündung in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft will keine werdende Mutter an den Tod denken. Ich musste mich damit auseinandersetzen. Wie dicht neues Leben und Sterben zusammenliegt und wie schnell es gehen kann, dass sich plötzlich alles verändert, das habe ich am eigenen Leib erfahren.

Es ist Dienstagmorgen fünf Uhr. Mein Nacken schmerzt. Nicht schon wieder, denke ich. In den letzten Wochen der Schwangerschaft plagten mich häufig Rückenschmerzen. Auch an diesem Morgen. Mein Nacken pulsiert. Der Schmerz zieht bis in meinen Kopf.  Ansonsten ist es eine Bilderbuchschwangerschaft. Heute fühlt es sich irgendwie anders an als sonst. Mir ist hundeelend. Das Baby in meinem Bauch ist ganz entspannt und bewegt sich wie gewohnt. Ich schleppe mich mit Mühe ins Bad unter die heiße Dusche. Bei Muskelverspannungen kann Hitze Wunder wirken. Doch die Dusche hilft mir nicht. Ich falle zurück ins Bett. Im Bademantel dämmere ich nochmal weg. Ich kann mich kaum noch bewegen. Zum Glück liegt das Telefon neben dem Bett. So kann ich einen Babysitter organisieren, der meine dreijährige Tochter in den Kindergarten bringt.
Stunden der Ungewissheit
Eine Freundin kommt vorbei, um nach mir zu sehen. Ich kann mich nicht mal mehr unterhalten. Ich habe das Gefühl tausende Nadeln stechen in meiner Kopfhaut und werden an tausenden Fäden nach hinten gezogen. Die Schmerzen werden von Minute zu Minute stärker. Als ich mich mit Mühe aufsetze realisiere ich, dass ich meinen Kopf mühelos von links nach rechts drehen kann – aber kein bisschen nach vorne drücken. Es sind die schlimmsten Schmerzen in meinem Leben. Mir kommen die Tränen. Zum Glück kommt der Hausarzt zum Hausbesuch. Ich bin ihm bis heute unendlich dankbar. Seitdem ich denken kann, hatte ich kein einziges Mal Fieber. Heute muss ich nicht mal messen. Ich spüre, wie mein Körper glüht. Längst mache ich mir vor allem Sorgen um das Baby in meinem Bauch. Das wird auch nicht besser als der Hausarzt mir seinen Verdacht mitteilt: Hirnhautentzündung.
Pure Angst
Ich muss sofort per Liegendtransport ins Krankenhaus. Aus der neurologischen Abteilung werde ich auf die Entbindungsstation verlegt. Wenn sich mein Zustand nicht innerhalb weniger Stunden stabilisiert, wird das Kind jetzt – in der 37. Schwangerschaftswoche – per Kaiserschnitt geholt. Es folgen zahlreiche Untersuchungen, Rückenmarkspunktion, Medikamente und viele Infusionen. Immer wieder CTG und immer wieder Zittern um die Herztöne. Die sind kräftig und ziemlich schnell. Es soll noch abgewartet werden. Am nächsten Tag ist die Situation für das Baby zwar noch ernst, aber es hat sich etwas entspannt. Zwei Wochen lang bin ich in der Klinik. Unzählige Liter Infusion mit Antibiotika, Aciclovir und weiterem fließt in meinen Körper. Und nicht nur in meinen. Sondern auch in den kleinen Körper, der in meinem Bauch heranwächst. Monatelang habe ich mich biologisch-dynamisch ernährt, nicht mal ein kleines Paracetamol genommen und auch eine Herpes-Infektion nicht wie gewohnt mit Creme behandelt in der Angst, das Baby konnte Medikamente abbekommen. Das alles kommt mir nun albern vor – und maßlos übertrieben. Mein Leben, meine Freude auf dieses Baby, meine Arbeit, alles wird unwichtig. Alles was ich fühle ist Angst. Nicht um mich. Nur um mein Baby. Um eine schöne und entspannte Babyzeit, die ich mir so sehr gewünscht habe und eine natürliche Geburt mit Happy End.
Die Realität sieht anders aus
Ich liege isoliert in einem Zimmer. Krankenschwestern, Ärzte und wer sonst zu mir kommt ist verhüllt, alles was mein Zimmer verlässt wird sterilisiert. Und mitten in dieser offenbaren Keimhölle, die sich hier befindet, mitten zwischen Desinfektionssprays und piepsenden Geräten. Mitten darin liegt mein Baby. Noch ist es geschützt durch die Fruchtblase. Aber das ist nur ein kleiner Trost. Wenn das Baby geholt werden muss, kann ich es dann sehen? Will ich überhaupt, dass es hierher kommt? Wie gut ist sein Immunsystem ausgebildet? Wird es bleibende Schäden davontragen? Wir wissen es nicht, entspannen Sie sich, wir müssen abwarten, im Moment sind Sie unsere Patientin – mehr können die Ärzte nicht sagen.
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