Begleite Charis auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Ich möchte bewusst leben. Vor allem auch bewusst im Hinblick darauf wie viele Ressourcen wir verbrauchen. Nachhaltigkeit ist ein Stichwort, das immer wieder und in letzter Zeit auch sehr inflationär verwendet wird. Doch: Wo sind wir in unserem Leben nachhaltig? Wo können wir mit einfachen Schritten besser werden, was die Schonung der Ressourcen angeht? Und wo entscheiden wir uns ganz bewusst für den verschwenderischen Weg? Welche Möglichkeiten gibt es eigentlich, nachhaltiger zu leben ohne das eigene Leben komplett umzukrempeln?….

Das Thema Nachhaltigkeit ist so vielschichtig und wir wollen es in den nächsten Wochen und Monaten diskutieren. Dafür hab ich mir eine Freundin aus Teenagerzeiten mit ins Boot geholt: Charis und ich haben schon früher viel und leidenschaftlich über Gott und die Welt und über unseren Planeten diskutiert. Jetzt wohnen wir weit auseinander und können uns Briefe schreiben. Und Du kannst mitlesen. Über Nachhaltigkeit und wo unsere Reise hingehen soll. Und vor allem wie?

Hier kommt also Charis erster Brief an mich. Und an Dich. An uns eben.

Charis auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Liebe Katharina,

Du hattest mich gefragt, ob ich etwas zum Thema „Nachhaltigkeit“ schreiben wollte. Ja klar! Aber… was bedeutet das denn überhaupt? Und was bedeutet es für mich persönlich?

Nachhaltigkeit –

Ist essentiell wichtig, für uns, und unsere Kinder, wenn sie noch halbwegs gut in dieser Welt leben sollen. Ist klar.
Wenn ich mich aber an der eigenen Nase fasse und überlege, welche Rolle das Thema „Nachhaltig-keit“ in meinem alltäglichen Leben spielt, dann geht erstmal eine dicke rote Warnleuchte an, auch genannt „das schlechte Gewissen“. Was ich tun will, damit diese Warnleuchte nicht mehr so oft aufleuchtet, verrate ich weiter unten.

Was ist Nachhaltigkeit eigentlich?

Der Duden definiert Nachhaltigkeit als „Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann“. Manchmal spricht man auch von „enkelgerecht“. Das finde ich einen schönen Gedanken. So mit Ressourcen und unserer Welt umzugehen, dass es eines Tages noch für unsere Enkel gerecht und gut ist.
Gar nicht so einfach.

Früher – als ich Kind war

Meine Mutter hatte das damals, als ich noch Kind war, ganz gut vorgelebt. Ohne den Begriff zu benutzen, praktizierte sie einen relativ nachhaltigen Lebensstil. Das Auto wurde möglichst selten genutzt, Einkäufe meist zu Fuß im Ort gemacht. Man hatte seine Tupperboxen und Jutebeutel dabei, und da wurde dann vom Bäcker oder Metzger alles eingepackt. Und im Supermarkt? Fruchtzwerge? Milchschnitte? Der Joghurt mit der Ecke? Nicht nur war ihr das viel zuviel Zucker. Mit dem Argument, dass es zuviel Plastikmüll sei, mussten wir Naturjoghurt aus dem Glas mit Marmelade anrühren. Klamotten wurden weiter und weiter vererbt (nicht immer zu unserer Freude, wenn ich z.B. den Autopulli des großen Bruders auftragen musste). Groß in den Urlaub gefahren, oder gar geflogen wurde nicht. Und neue Elektrogeräte? Nun ja, vor Smartphones und Tablets, war da halt der Fernseher, oder die Waschmaschine. Und die hielten Jahrzehnte.

Heute sieht das irgendwie anders aus.

Während ich bei einigen Punkten ganz gut abschneide, versage ich bei anderen kläglich.

Was bei mir gut läuft?

Autofrei

Wir haben kein Auto. In der Stadt kommen wir mit dem öffentlichen Nahverkehr oder dem Fahrrad super zurecht. Wenn es mal weiter weg geht, fahren wir Zug. Für größere Transporte leihen wir uns auch mal ein Auto.

möglichst wenig Elektronik

Bei Elektrogeräten ist Nachhaltigkeit so gut wie unmöglich. Die benötigten Rohstoffe wachsen nicht eben einfach nach. Und die Menschen, die diese Rohstoffe unter menschenunwürdigen Bedingungen abbauen müssen, leiden unglaublich unter unserer Wegwerfgesellschaft, in der wir ständig das neuere, bessere Gerät brauchen. Gerade deshalb ist es mir wichtig, eben nicht alle zwei Jahre ein neues Smartphone zu kaufen. Bei Elektroartikeln sieht meine Bilanz also nicht ganz schlecht aus. Zum einen weil ich nicht so technikaffin bin und nicht ständig etwas Neues brauche. Zum anderen, weil ich mich auch nach gebrauchten Geräten umschaue. Das hielt ich früher mit dem Handy so, und auch als mein Smartphone kaputt ging, hab ich mal rumgefragt. Und siehe da, mein lieber Cousin hatte noch ein Gerät, das er nicht mehr nutzte. Nicht die Ideallösung, klar. Ein Fairphone wäre sicher besser. Aber auch so trag ich wenigstens ein bisschen dazu bei, dass nicht noch ein Gerät mehr auf dieser Welt verkauft wird, wofür Menschen im Kongo ausgebeutet werden.

Nachhaltigkeit bei Klamotten

Bei den Klamotten ist es zweigeteilt. Ein Großteil meines Schranks sind geerbte Kleidungsstücke. Was ich kaufe, trage ich wirklich sehr lange (Jeans werden z.B. meistens dreimal geflickt. Dann sind sie auch erst so richtig gut eingetragen). Und trotzdem bilde ich mir immer wieder ein, ich müsste dieses oder jenes Teil unbedingt haben und zieh los einkaufen. Warum eigentlich? Macht mich das wirklich glücklicher? Manchmal ja. Meist aber nein. Deshalb bemühe ich mich second hand zu kaufen. Das funktioniert oft auch ganz gut. Gerade bei Flohmärkten hab ich schon das eine oder andere schöne Teil gefunden. Für unsere Baby-Tochter klappt das noch sehr gut: Wir haben in 9 Monaten drei Teile neu gekauft (Ein T-Shirt, einen Sonnenhut, einen Walkanzug). Den Rest gab es vererbt, vom Babybasar oder von Omi genäht. Eine Alternative: Im Fairtrade Klamotten-Laden kostet die Kleidung zwar mehr, dafür kauft man mit gutem Gewissen und nur das, was man wirklich braucht und lange gern trägt.

Lebensmittel

Bei Lebensmitteln würde ich gerne nachhaltiger kaufen. Aber meine Bequemlichkeit macht mir oft einen Strich durch die Rechnung. Direkt bei uns um’s Eck ist ein Unverpackt-Laden. Das heißt, wir können die Dinge des täglichen Bedarfs ohne Verpackungsmüll, regional, und biologisch besorgen. Theoretisch. Denn praktisch haben wir dann, schnell auf dem Heimweg, keine Gefäße zum Abfüllen dabei. Oder ich brauche sowieso etwas aus dem Supermarkt, und da ist es ja so einfach schnell Obst, Brot, Nudeln etc. mit in den Einkaufswagen zu werfen. Also auch hier Nachbesserungsbedarf.

Noch ein Minuspunkt: Wickeln

Was wir gar nicht erst angefangen haben, und unsere Nachhaltigkeitsbilanz damit ganz schön mies aussehen lässt: Stoffwindeln. Oder eben gleich windelfrei. Auch da war es wohl die Bequemlichkeit. Dabei sollen diese neuen Stoffwindelsysteme gar nicht unpraktisch sein. Und windelfrei, wenn es funktioniert, ist bestimmt toll für das Baby. Nun ja, wir werden wohl zwischen 5000 und 6000 Plastikwindeln verbrauchen.

Beim Strom plane ich eine Umstellung. Beim letzten Umzug hab ich mich zwischen Tür und Angel in einen Vertrag quatschen lassen, bei dem nur Teile unseres Stroms „grün“ sind. In Zukunft möchte ich komplett auf Strom aus erneuerbaren Energien umstellen.

Du siehst, liebe Katharina, an allen Ecken und Enden ist bei mir Verbesserung möglich. Da ich für Vieles zu bequem bin, möchte ich zumindest folgende, für mich relativ leicht umsetzbare Punkte verstärkt angehen:

Das sind meine Vorhaben für die nächsten Wochen:

– Kleidung möglichst second-hand oder fair kaufen. Keine unnötigen Schrankhüter anschaffen.
– Lebensmittel im Unverpackt-Laden kaufen: Regional, bio, ohne Verpackungsmüll
– Strom aus erneuerbaren Energien

Natürlich kann man noch viel mehr machen, um nachhaltig zu leben. Im Netz finden sich teilweise tolle Anregungen. Aber nicht alles ist für mich einfach umsetzbar. Wenn ich mich jedoch an meine Vorsätze halte, vielleicht blinkt dann das schlechte Gewissen in Zukunft weniger häufig auf. Und ich trage meinen Teil dazu bei, dass wir nachhaltiger mit dieser Welt umgehen, denn schließlich ist sie nur geliehen. Und die nächste Generation brabbelt schon erwartungsfroh auf der Couch neben mir.

Alles Liebe,
Deine Charis

Du willst mehr über Charis wissen, dann schau mal hier entlang….

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