Buchvorstellung: Ich bin das Mädchen aus Aleppo von Bana Alabed

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Während wir hier sitzen. Bequem und warm – sterben in anderen Teilen der Erde Menschen. Jeden Tag. Wir wissen das und doch verdrängen wir es oft. Bana Alabed kann es nicht verdrängen und will es nicht verdrängen. Das achtjährige Mädchen kennt den Bürgerkrieg schon ihr Leben lang. Sie kommt aus Aleppo und hat viele Jahre mit ihren Brüdern, ihren Eltern und Verwandten im Bombenhagel gelebt. Was sie erlebt hat, verarbeitet sie in einem Buch und schenkt uns damit einmalige und erschreckende Einblicke.

Ich bin das Mädchen aus Aleppo

Bana Alabed ist erst ein Jahr alt als die ersten Bomben fliegen. In den Jahren die folgen wird sie unterschiedlichste Bomben kennen lernen müssen. Splitterbomben, Aerosolbomben, Brandbomben und viele mehr. An manchen Tagen werden nur ein oder zwei Bomben abgeworfen, an manchen sind es dutzende. Manchmal sind sie weiter weg, manchmal schlagen die Bomben direkt in eines der Nachbarhäuser ein. Auch das Haus von Bana und ihrer Familie selbst wird schließlich zerstört. All diese Erfahrungen lässt uns das Mädchen auf ihrem Twitteraccount quasi

miterleben. Das macht es realer als jede Nachrichtensendung. Das Leid der Kinder lässt sich nachfühlen durch diese kindlichen Beschreibungen. Fakten sind nebensächlich. Es sind die Gefühle, die Angst, die Liebe, die Hoffnung, die Gerüche, die Beklemmung, der Hunger und der Durst, die Bana so ehrlich beschreibt, dass man eine Idee davon bekommt wie sie sich fühlen muss. Wie es sich anfühlt im Keller zu verharren während das Haus über einem einstürzt. Wie es sich anfühlt die beste Freundin aus den Trümmern zu bergen und was es bedeutet in Gestank und Dreck zu verharren ohne zu wissen, ob es einen Ausweg gibt. All das beschreibt Bana in berührender und kindlich sachlicher Weise.

Wer ist Bana denn und wie kann eine Sechsjährige twittern?

Bana wird unterstützt von ihrer Mutter. Sie übernimmt die Twitterarbeit und hat – gemeinsam mit einem Verlag – natürlich auch beim Buch unterstützt. Die Mutter hat in Syrien Jura studiert. Banas Vater war dort Rechtsanwalt. Überhaupt scheint die Familie zu den sehr gebildeten zu gehören. Erstens wird häufiger betont was für ein kluges Kind Bana sei. Auch die Tatsache, dass Banas Mutter in Aleppo während des Bürgerkrieges Kinder in einem Keller unterrichtet hat, als die Schulen zerstört worden waren, deutet auf einen hohen Bildungsstand der Familie hin. Der Vater hat mit einem kleinen Garten auf dem Dach und Solarpaneelen zur Stromgewinnung vorgesorgt und ist sowieso stets auf der Suche nach der idealen Lösung für die Familie. Er ist der Held des kleinen Mädchens. Sobald es etwas zu essen gibt, kann sich die Familie etwas kaufen. Bana betont, dass es vielen anderen Familien noch viel schlechter geht. Viele um sie herum sterben.

Ein Hilferuf

Immer wieder bittet Bana die Welt um Hilfe. Mittlerweile nicht mehr für sich selbst, denn sie hat mit ihrer Familie vor einem Jahr Aleppo verlassen. Die Stadt ist dermaßen zerstört, dass die Familien nicht mehr länger bleiben konnte. Bana appelliert an die Welt, dass alle zusammen helfen um den Krieg in Syrien und im Rest der Welt zu stoppen. Seit sieben Jahren dauern die Kämpfe an. Unter dem Hashtag #standwithaleppo macht sie auf das Leid der Menschen und vor allem der Kinder dort aufmerksam. Bana und ihre Familie möchten zurück kehren. Wann und ob das jemals geht, das kann ihnen wohl niemand sagen.

Kinder helfen Kindern

standwithaleppoZu wissen was in der Welt passiert ist wichtig und gut. Ganz abseits von allen politischen Lagern. Politiker können nach Faktenlage entscheiden. Wir als Eltern sind diejenigen, die das Gefühl und die Menschlichkeit in die Welt tragen sollten. Wir können und sollten mitfühlen und Zeichen der Menschlichkeit setzen. Meine Tochter und Bana sind fast im gleichen Alter. Natürlich wäre es wunderbar wir könnten den Krieg in Syrien einfach beenden. Dann könnten Bana und ihre Familie und viele andere Syrer wieder nach Hause gehen ohne Angst haben zu müssen. Leider geht das nicht. Deshalb tun wir etwas, das zumindest ein kleines Signal sendet an all die Kinder, die im Krieg traumatisiert oder verletzt wurden oder jemanden verloren haben: Wir machen mit bei der Aktion Kinder malen für Kinder vom Verlag Bastei Lübbe.

Mitmachen geht ganz einfach: Man lädt auf der eben genannten Seite ein Bild hoch, das ein Kind gemalt hat. Für jedes hochgeladene Bild spendet der Verlag einen Euro an ein Projekt, das Kindern, die aus Kriegsgebieten kommen, hilft. Denn nicht alle haben die Möglichkeit ihre Erlebnisse so wie Bana zu verarbeiten. Das Buch kann helfen, Verständnis aufzubringen. Und es ist ein Appell an uns alle: Den Zustand wie er ist nicht einfach hinzunehmen, sondern für Frieden einzustehen.

 

Eine weitere Geschichte aus Syrien hat mir übrigens schon mal Amira erzählt. Hier kannst Du sie nochmal nachlesen.

Auch Mami rocks und Mama Nisla haben das Buch übrigens vorgestellt.

2 Gedanken zu “Buchvorstellung: Ich bin das Mädchen aus Aleppo von Bana Alabed

  1. … und dann sprechen wir hier von “subsidiärem” Schutzstatus. Das Wort find ich ganz furchtbar, weil es nicht zeigt, dass die Menschen tatsächlich von Tod und Folter und Terror bedroht sind.

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