Das Verschwinden Das Erste

Krimi aus dem echten Leben: Das Erste zeigt Das Verschwinden

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Manchmal gibt es Themen in Filmen, die sind unheimlich weit weg. Und dann gibt es Filme, bei denen hat man das Gefühl, sie spielen tatsächlich vor der eigenen Haustür. Und man hat den Eindruck, diese Filme sind Teil des eigenen Lebens. Mir geht es bei “Das Verschwinden” von Regisseur Hans-Christian Schmid so. Und weil das so ist, stelle ich diesen Film auch hier auf dem Blog vor. Obwohl es eben ein Film ist und nicht das echte Leben mit Kindern. Aber er hat mich so wahnsinnig berührt, dass ich lange über ihn nachdenke und auch darüber was er mit meinem Leben zu tun hat. Und vielleicht auch mit Deinem. Und deshalb hat sich für mich diese vierteilige Reihe a´ 90 Minuten, die das Erste zeigt, wirklich gelohnt. Vier perfekte Krimiabende, die nicht nur unterhaltsam sind, sondern in mein Leben nachwirken.

Darum geht´s in “Das Verschwinden”

Das Verschwinden Janine
© ARD Degeto/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros) + Gerald von Foris

Janine (Elisa Schlott) und ihre Freundinnen Laura (Saskia Rosendahl) und Manu (Johanna Ingelfinger) sind mit ihrem Leben in der Kleinstadt unzufrieden und fangen an mit Crystal Meth zu dealen. Die Familien der drei könnten nach außen hin unterschiedlicher nicht sein: Reich und arm prallen aufeinander. Die Eltern aller drei Mädchen haben aber dennoch vieles gemeinsam: Sie bemerken, dass mit den Töchter etwas nicht stimmt, aber sind völlig hilflos.

Als Janine verschwindet hat es erst den Anschein, dass sie sich mit den Drogen heimlich alleine davon gemacht hat. Doch schnell wird klar, dass das Ganze komplizierter ist und dass es ein ganzes Netz an Lügen und Vertuschungen ist, das sich über die dörfliche Idylle legt. Janine soll nicht das einzige Opfer bleiben. Spannend wird das Ganze vor allem dadurch, dass Janines Mutter Michelle (Julia Jentsch) die Ermittlungen auf eigene Faust aufnimmt. Es sind nicht Profi-Polizisten, sondern eine einzelne verzweifelte Mutter, die den Mut und den Ehrgeiz aufbringt, den Viele andere im Dorf vermissen lassen.

Was sind das für Familien?

Janines Mutter scheint auf den ersten Blick eine offene und tolerante Frau zu sein. Das ist sicher auch das Selbstbild, das sie von sich hat. Sie glaubt ihre Tochter könne zu ihr kommen, wenn sie Probleme hat. Die 20-jährige Janine empfindet das anders. Sie verheimlich ihrer Mutter, dass sie ihren Job gekündigt hat und sie distanziert sich auch sonst immer mehr.

Janines Freundin Laura ist Abiturientin und augenscheinlich ein angepasster Teenager. Davon, dass sie drogenabhängig ist merkt keiner etwas. Sie geht brav zur Schule und pflegt ihre kranke Mutter. Sie erklärt ihr Dilemma einmal im Film sehr gut: Wenn sie abends weg geht, hat sie ein schlechtes Gewissen, weil ihre Mutter sie brauchen könnte. Und wenn sie zu Hause bleibt hat ihre Mutter ein schlechtes Gewissen, weil sie Laura ihrer Jugend beraubt. So oder so sind beide unglücklich. Lauras Vater ist ein einfacher Mann, der von der Situation sichtlich überfordert ist.

Manu – die dritte im Bunde – stammt aus einem sehr reichen Elternhaus. Ihr Vater ist ein bekannter örtlicher Bauunternehmer. Die Eltern setzen alles daran, die Drogenabhängigkeit ihrer Tochter zu vertuschen. Die Tochter wiederum will nur eins: Aus dem Korsett ausbrechen.

Eltern und ihre Kinder

Verschwinden Das Erste Julia Jentsch
© ARD Degeto/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros) + Gerald von Foris

Das ist so wunderbar an dem Film und deshalb berührt er mich so sehr: Dass die drogenabhängigen Jugendlichen eben nicht aus kaputten Familien kommen. Sondern eigentlich aus ganz normalen. Dass die Eltern nicht gewalttätig, alkoholabhängig oder sonstwie auffällig sind. Augenscheinlich ganz normale Eltern, die ihre Kinder über alles lieben und das Beste für sie wollen. Und trotzdem werden die Kinder abhängig. Das macht mich als Mutter betroffen. Ich weiß natürlich, dass es nur ein Film ist. Aber ein bisschen mehr als nur ein Film ist es eben doch.

Crystal Meth – ein Problem inmitten der Gesellschaft

Ich lebe selbst hier in Oberfranken nahe der tschechischen Grenze. Die Orte, die im Film vorkommen, sind von mir aus innerhalb von einer halben Stunde zu erreichen. Und ja: Crystal Meth ist bei uns ein Problem. Weil man es lange nicht merkt, wenn jemand abhängig ist. Weil es alle Schichten betrifft. Und weil Crystal zunächst leistungssteigernd wirkt und deshalb verharmlost wird. Weil Crystal-Abhängige mitten in unserer Gesellschaft sind.

Die Schleierfahndung bei uns in der Region ist sehr aktiv. Die Polizei kontrolliert viel und ab und an gibt es einen Erfolg. Erst in der letzten Woche ist ein Gespann mit einem Kilo Crystal geschnappt worden. Das sind Schätzungen zufolge bis zu 10.000 Verbrauchseinheiten. Und das ist längst kein Einzelfall. Kriminelle Banden in Tschechien stellen säckeweise Crystal her. Alleine im letzten Jahr sind sechs kriminelle Organisationen zerschlagen worden, die sich auf den Export von Crystal von Tschechien aus nach Westeuropa konzentriert hatten.

Oberfranken und die Oberpfalz sind die ersten Einzugsgebiete. Traurig aber wahr: Was im Film vorkommt ist keine Fiktion irgendwo ganz anders. Es ist die Wahrheit vor unseren Haustüren. Oder dahinter. Denn das regt schon zum Nachdenken an: Was können wir Eltern tun, um unseren Kindern ein gutes und ehrliches Netz zu spannen, in dem sie sich sicher und geborgen fühlen? Wie können wir Eltern es schaffen auch in der Pubertät verlässliche Partner unserer Kinder zu sein……Vertrauen zu schaffen.

Und dann ist da noch die dörfliche Idylle

Das Erste das Verschwinden Ingelfinger
© ARD Degeto/23/5 Filmproduktion/Yoshi Heimrath (Repros) + Gerald von Foris

Ich empfinde unser Leben auf dem Land als wahnsinnig familiär. Wenn es Probleme gibt, helfen alle zusammen. Aber ist das wirklich so, wenn es mal echte Schwierigkeiten gibt? Im Film werden die Drogenprobleme vertuscht – auch vor den anderen Eltern wird alles schön geredet. Als Janine verschwunden ist steht ihre Mutter alleine da. Keiner will ihr helfen, jeder kümmert sich um seinen eigenen Kram. Ich glaube immer noch nicht, dass das so sein muss. Ich glaube daran, dass wir hier auf dem Land uns gegenseitig helfen würden und dass ich mit anderen die Schwierigkeiten teilen würde und dass wir an einem Strang ziehen. Das ist es doch, was das Leben auf dem Land ausmacht…. Zumindest auf den ersten Blick.

Aber dann wird im Film klarer, warum alle mauern: Weil sie selbst Dreck am Stecken haben und Dinge zu verbergen: Der Polizist, der die Ermittlungen nicht aufnehmen will, weil er dann zugeben müsste, dass er Janine nochmal gesehen hat in dieser Nacht als er heimlich in Tschechien jagen war. Der Vater von Janines Freundin, der zugeben müsste, dass auf seinen Baustellen nicht alles koscher läuft und dass er eine engere Verbindung zu Janine hat, als er zugeben will. Und und und. Jeder hat sein Päckchen und seine Geheimnisse. Und auf dem Land scheinen diese Geheimnisse weiter ineinander verwoben zu sein, als in der Stadt. Möglicherweise ist das so.

Hier kannst Du “Das Verschwinden” selbst sehen

Und das beschert uns einen Film, der berührt, bewegt und nachdenklich macht. Ein Generationenportrait, das sich wirklich lohnt. Die vierteilige Serien wird ausgestrahlt am 22. / 29. / 30. und 31. Oktober im Ersten um 21:45 Uhr. Oder aber, wenn Du aus Hamburg oder Berlin bist: Dort gibt es Sondervorführungen: Die ganze Serie an einem Stück:

in Berlin am Samstag, 14. Oktober von 11:00 bis 17:30 Uhr im Kino International
in Hamburg am Sonntag, 15. Oktober von 13:00 bis 20:00 Uhr im Kino Abaton

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