Dorfschulen – erhalten oder schließen? Am Beispiel Rugendorf Stadtsteinach

Meine Nichte geht in Amerika zur Schule. Zwölf 1. Klassen hat ihre Schule. Unfassbar für uns in Deutschland auf dem Dorf. Bei uns haben die meisten Schulen eine Klasse, oder zwei pro Jahrgangsstufe. In der Stadt vielleicht mal etwas mehr. Oft haben Schulen aber auch damit zu kämpfen überhaupt eine einzige Klasse voll zu bekommen. So zum Beispiel in Rugendorf. Die Rugendorfer Schule wurde schon vor einigen Jahren offiziell geschlossen. Für die Kinder aus Rugendorf hätte das damals eigentlich bedeutet, dass sie in das wenige Kilometer entfernte Stadtsteinach zur Schule gehen müssen. Auf politischen Druck hin – anders lässt es sich kaum erklären – ist das Schulhaus Rugendorf jedoch erhalten worden. Dort werden noch immer Kinder unterrichtet – als ausgelagertes Klassenzimmer der Stadtsteinacher Schule.

Das Problem der Grundschule Rugendorf in diesem Jahr

In Rugendorf gibt es weiterhin recht wenige Schüler: in der vierten Klasse im kommenden Jahr wären vier Kinder. Sie werden in der Kombiklasse mit der dritten Jahrgangstufe unterrichtet. Zusammen sind sie zu elft. In der ganzen Rugendorfer Schule sind rund 30 Kinder. Das ist für die Kinder zwar schön, weil natürlich die Förderung viel individueller ist, als in einer großen Schule, aber unumstritten ist das System dennoch nicht.

In den letzten Wochen gab es in Rugendorf und Stadtsteinach einige Auseinandersetzungen, weil eine Kombiklasse mit 11 Kindern eben doch ein bisschen zu klein ist und die vierte Klasse in Stadtsteinach mit 29 Kindern etwas zu groß. Schlussendlich sind Eltern in Stadtsteinach gefunden worden, die ihre Kinder von nun an nach Rugendorf und nicht mehr nach Stadtsteinach schicken. Dadurch kann die Schule erhalten werden (weil nun 13 Kinder in der Kombiklasse sind und die vierte Klasse in Rugendorf nur noch 27 Kinder hat – erst ab 28 Kindern muss die Klassen geteilt werden). Die Rugendorfer freuen sich. Aber viele Stadtsteinacher sind nicht glücklich über die Situation. Und auch im Umland kann nicht jeder nachvollziehen was da passiert. Hier sind die Gründe:

Argumente für den Erhalt der Dorfschule

  1. Kurze Beine, kurze Wege: Natürlich ist es schön, wenn die Kinder nicht erst mit dem Bus in die Schule fahren müssen, sondern wohnortnah unterrichtet werden.
  2. Kleine Schulverbände sind individueller: Bei unter 100 oder gar unter 30 Kindern in der ganzen Schule, wie das in Rugendorf der Fall ist, kennt der Lehrer jeden einzelnen ganz genau. Eine individuelle Förderung ist möglich. Am Beispiel Rugendorf zeigt sich, dass die Kombiklassen für bestimmte Kinder besonders geeignet sind: Für ruhigere Kinder, für solche, die etwas mehr Wiederholung brauchen und für solche, die sich leicht ablenken lassen sind kleine Schulen und Klassen – wie in den Kombiklassen in Rugendorf – toll.
  3. Infrastruktur schafft Arbeitsplätze: In Rugendorf ist an der Schule ein Hort, in dem die Kinder betreut werden. Auch ein Hausmeister kommt immer mal vorbei. Die Verbindung der Kinder zu ihrem Heimatort ist enger, wenn sie dort in die Schule gegangen sind. Die Dorfschule leisteteinen wichtigen Beitrag zur Dorfgemeinschaft, weil die Kinder natürlich untereinander enger befreundet sind, als wenn sie in einen größeren Schulverbund gehen und dort noch schneller als sonst Freundschaften außerhalb knüpfen.

Argumente gegen den Erhalt der Dorfschule

Ja, auch die gibt es. Die Stadtsteinacher Eltern liefern einige dieser Argumente.

  1. Nachteil für die benachbarten Schulen. Am Beispiel Stadtsteinach zeigt sich das derzeit ganz klar: In der vierten Klasse in Rugendorf sind nach dem Wechsel der beiden Stadtsteinacher Kinder 6 Viertklässler. In Stadtsteinach werden 27 Kinder in der vierten Klasse unterrichtet. Ausgewogen ist etwas anderes. Wären tatsächlich beide Klassen unter einem Dach würde der Direktor die Schüler gleichmäßiger verteilen. Die jetzigen Stadtsteinacher Schüler wären dann vielleicht 18 Kinder in ihrer Klasse. Und hätten damit durchaus bessere Lernbedingungen.
  2. Unsicherheiten: Für die kommenden Jahre ist klar, dass stets genug Schüler in Rugendorf sein werden. Aber auch die Probleme in diesem Jahr kamen recht kurzfristig. Zwei oder drei Schüler weniger, durch Wegzug oder aus anderen Gründen, könnten das gleiche Problem erneut herauf beschwören.
  3. Rückstellungen nicht aus pädagogischen, sondern aus planerischen Gründen. Der Direktor oder die Direktorin einer Schule entscheidet darüber, ob ein Kind zurückgestellt und damit ein Jahr später eingeschult wird. Wenn ihm durch die Rückstellung aber nicht mehr genug Kinder für die Klasse bleiben, kann es dann nicht passieren, dass Kinder vielleicht doch eingeschult werden, obwohl sie vielleicht noch nicht so weit wären? Beim Stadtsteinacher Direktor glaube ich das nicht. Aber theoretisch möglich und verlockend wäre es schon.
  4. Geld: Um ein zusätzliches Schulhaus zu unterhalten muss es beheizt, beleuchtet und instand gehalten werden. Natürlich kostet das Geld. Die Busse hingegen fahren ja meistens ohnehin.

 

Übrigens hatte es in Wonsees vor einigen Jahren lange Gesichter gegeben, als die dortige Grundschule schloss. Mittlerweile ist dort im Gebäude eine hochmoderne und hervorragende Tierarztpraxis mit über 10 Ärzten untergebracht. Es hat also tatsächlich immer alles Vor- und Nachteile.

Die Argumente von Schuldirektor und Schulamtsleiter habe ich in einem Artikel für die Bayerische Rundschau nochmal zusammengefasst. Er ist letzte Woche erschienen, bevor klar war, dass es die vierte Klasse in Rugendorf weiterhin geben wird.

Und was meinst Du?

Und jetzt bin ich gespannt: Was ist Deine Meinung? Bist Du aus Rugendorf oder Stadtsteinach und willst gerne etwas dazu sagen? Geht Dein Kind in eine sehr große oder sehr kleine Schule? Wie ist Deine Meinung zur Dorfschule allgemein? Kleine Schulen erhalten oder lieber mehrere Schulen zusammenfassen? Kannst Du irgendein Argument total oder gar nicht nachvollziehen?

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3 Gedanken zu “Dorfschulen – erhalten oder schließen? Am Beispiel Rugendorf Stadtsteinach

  1. Ich kann schon verstehen, dass es irgendwo Sinn macht Klassen zusammenzuführen. Allerdings würde ich das alles ganz stark davon abhängig machen was das für einen Mehraufwand für die Kinder bedeutet. Wo ich herkomme hatten wir einen Teilort der die höchstgelegene Gemeinde im Landkreis war. Da wurde die Schule auch dicht gemacht weshalb die Kinder dann fast 25 Minuten mit dem Bus fahren mussten weil die nächste Schule auch dicht gemacht hat. Das wird dann irgendwann einfach zu viel für Grundschüler. Ab den weiterführenden Schulen ist das alles nicht so wild.

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