Eine wichtige Entscheidung treffen: Plötzlich wissen was richtig ist

Ich fühl mich heute ganz komisch. Ein Gefühl, ein Zustand, den Körper und Geist mit Überraschung hinnehmen.Es ist sehr lange her. Aber ja, das muss es sein: Ich bin ausgeschlafen. Ich habe nicht das Bedürfnis gleich vom Stuhl zu kippen und ich nehme das, was meine Mitmenschen sagen wach auf – kein Schleier von Müdigkeit mehr. Denn mein Sohn hat heute durchgeschlafen. Und ich auch. Zum ersten Mal seit 14 Monaten. Das Wunderbare daran: Noch vor einer Woche hätte ich das niemals geglaubt. Er ist zehn-, manchmal zwölfmal die Nacht aufgewacht. Manchmal ist er nur für ein paar Minuten weggedöst um dann wieder  – manchmal in Jammern, manchmal in lautes Schreien – zu verfallen. Er hatte Hunger. Kein Wunder, denn mein Sohn hat tagsüber Essen verweigert und sich nur nachts und von Milch ernährt. Die Gründe will ich hier nicht erläutern.

Ich habe eine Entscheidung getroffen: Ich setze mich durch

Nach sanftem Druck des Kinderarztes und einem halbstündigen Trotzanfall meines Sohnes, der wieder einmal die Stillmahlzeit einfach nicht abwarten konnte, habe ich also vor einer Woche eine Entscheidung getroffen: Nämlich, dass ich entscheide, was für uns alle das Beste ist. Nicht nur das Beste für mich, sondern auch das Beste für den Bub. Und das Beste ist: Wir essen tagsüber und schlafen nachts. Das bedeutet: Ich höre auf zu stillen. 14 Monate lang habe ich quasi ausschließlich gestillt. Den traditionellen Beikoststart, Baby led weaning und was nicht alles habe ich ausprobiert – erfolglos. Essen war immer nur zweite Wahl. Zahlreiche Arztbesuche, eine Operation und eine Schlucktherapie später, habe ich beschlossen auf mein Gefühl zu hören. Und das war richtig.

Schwerer Weg – perfektes Ziel

Glaubt mir: Ich finde Stillen toll. Es ist eine wunderbare Innigkeit, es macht das Leben einfacher und es ist sicherlich das Gesündeste was man einem Baby geben kann. Einem Baby. Keinem Kleinkind. Ein sanfter Übergang wäre toll gewesen. Aber der Bub hat sich verweigert und so habe ich entschieden. Das ist zwar bedauerlich und ehrlich gesagt waren die ersten Tage der blanke Horror- Hormonumstellung meinerseits und schreiendes Kleinkind andererseits sind eine heftige Mischung. Die Gefahr einzuknicken war groß. Aber wir haben es geschafft.

Nun, nach einer Woche isst das Kind tagsüber als hätte es nie etwas anderes getan. Und nachts schläft es. 12 Stunden am Stück. Herrlich. Ohne Ferbern oder sonst irgendein Schlaflernprogramm (allein der Name macht mir Pickel). Ich habe meinen Sohn im Arm gehalten und ihm gesagt, dass es schwer ist, aber dass wir das gemeinsam schaffen. Ich habe ihn gestreichelt, getröstet und ihm Mut zugesprochen. Ich habe ihm geholfen selbständig zu werden. Das war schwer, denn auch für mich ist der Abschied von der Babyzeit hart, aber ich bin überzeugt: Es war richtig. Und es war genau der richtige Moment. Ich habe den Zeitpunkt innerlich gespürt. Wie ein Schalter, der sich umlegt. Ich habe entschieden – zum Wohle von uns allen, ich habe mich durchgesetzt und wir alle haben gewonnen: Ruhige Nächte und fröhliche Tage.

Kennt Ihr das Gefühl, wenn man plötzlich weiß, was zu tun ist? Wenn man ewig lang überlegt und dann eine wichtige Entscheidung treffen muss und keine Sekunde mehr zweifelt? Ich freu mich auf Eure Kommentare.

 

 

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5 Gedanken zu “Eine wichtige Entscheidung treffen: Plötzlich wissen was richtig ist

  1. Hallo Katharina,
    auch ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich werde nächsten Mittwoch mein Kind abstillen. Nächsten Mittwoch, weil da mein Mann Urlaub hat und ich mir etwas Beistand erhoffe. Mein Kleiner ist jetzt 13 Monate alt und ich stille ihn eigentlich noch voll. ( Er verweigert alles Essbare und nimmt höchstens Mini – Mengen zu sich). Er nimmt seine Still – Mahlzeiten hauptsächlich Nachts zu sich, meist stündlich, manchmal öfters, manchmal etwas weniger oft. Meine Frage wäre nun, hast du abgepumpt um einen Milchstau zu vermeiden? Ich habe nämlich Angst, wenn ich so schnell abstille, dass ich eine Brustentzündung bekomme.
    LG Anja

    • Hallo Anja,
      ja. Ich habe abgepumpt. Nach Bedarf so zweimal am Tag, wenn der Druck zu groß geworden ist. Und dann habe ich die Abstände immer länger werden lassen, um die Milchproduktion nicht weiter anzukurbeln. Ansonsten habe ich die Brust gekühlt und ausgestrichen. Hat insgesamt rund zwei Wochen gedauert bis ich nicht mehr abgepumpt habe. Lieber lässt man dem Körper mehr Zeit, als dass es eine Brustentzündung gibt, das sehe ich genauso wie Du. Denn das stelle ich mir heftigst unangenehm vor.
      Ich drück Dir die Daumen!
      Katharina

      • Hallo Anja,
        ich bin neugierig – wie ist es denn bei euch gelaufen? Magst du ein bisschen erzählen?
        Ich plane den “Ausstieg” in Verbindung mit dem Ausquartieren ins eigene Zimmer um Weihnachten herum und bin schon ganz aufgeregt…
        Viele Grüße, Nadine

  2. Hallo Katharina,
    als würdest du von meinem Sohn erzählen.
    Wir stillen seit fast 14 Monaten im Zweistundentakt, Tag und Nacht, gegessen wird in homöopathischen Mengen. Zwei Versuche ihm nachts zumindest eine Stillmahlzeit zu verweigern, um nach über einem Jahr einmal länger als zwei Stunden am Stück schlafen zu können enden in stundenlangem Geschrei und ich halt’s nicht aus, gebe auf.
    Auch ich stille gern und gerne stille ich auch noch lange, aber ungern noch lange in dieser Häufigkeit.
    Ich habe Angst. Angst unsere schöne Still-Beziehung unschön zu beenden, etwas zwischen uns kaputt zu machen. Angst schwach zu sein, meine Entscheidung eben nicht durchsetzen zu können. Angst meinem Kind etwas zu verweigern, was er vielleicht noch dringend braucht. Angst vor dem Herz-Schmerz der mich unendlich traurig machen wird, wenn mein Kind nachts weint und weint und die Welt nicht mehr versteht. Aber auch ich habe das Gefühl, dass sich etwas ändern muss, dass es nicht gut für uns ist wenn’s so weitergeht. Es wäre vielleicht einfacher, aber nicht gut.
    Schön, dass ihr es geschafft habt. Ich hoffe wir schaffen es auch.

    LG Nadine

    • Hallo Nadine,
      es etwas einschränken, das wäre auch mein Traum gewesen. Ich wollte den Übergang möglichst schonend vollziehen. Mach Dich nicht verrückt! Du wirst es genau richtig machen. Denn jede zugewandte und liebevolle Mutter ist die beste für das eigene Kind. Niemand kennt Deinen Sohn so gut wie Du es tust. Bei mir war es so, dass ich von einer Minute auf die andere eine Sicherheit in mir gespürt hatte, die ich vorher nicht hatte. Noch wenige Stunden vorher habe ich nicht mal geahnt, dass ich diese Entscheidung treffen würde. Wir hatten noch drüber gesprochen, ob Weihnachten (!) unser Sohn wohl am Essen teilnehmen würde. Aber plötzlich habe ich gewusst, was das richtige ist. Lass Dich nicht von anderen verrückt machen. Mach es wie Du es für Euch für richtig hälst. Denn nur wenn Du es wirklich richtig findest, kannst Du es auch durchziehen. Egal was.
      Viele Grüße und ganz viel Glück! Wenn Du Lust hast, erzähl mir doch wie es ausgegangen ist:-)
      Katharina

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