gute Vorsätze vor der Geburt - meine Geburt ohne Hebamme

Meine Geburt ohne Hebamme: Ein Gedankenexperiment Blogparade

Meine Geburt ohne Hebamme wäre wie ein Auto ohne Gaspedal, oder als würde ich ohne Zug Bahn-fahren wollen. Meine Geburt ohne Hebamme, das wäre wie ein Sommer ohne Sonne oder ein Wald ohne Bäume. Sicher, manche Frauen können ihre eigene Hebamme sein. Ich nicht. Und die meisten anderen Frauen auch nicht. Hebammen sind so unglaublich wichtig. Ich weiß, das wird manchmal angezweifelt. Aber bestimmt nicht von Frauen, die Kinder bekommen haben. Die werden sich einig sein, dass Hebammen unverzichtbar sind. Die Perlenmama hat zu einer Blogparade aufgerufen, in der Frauen sich die Geburt ohne Hebamme vorstellen sollen. Und da mach ich gerne mit. Denn die Geburt meines Sohnes wäre ohne Hebamme schrecklich gewesen. Sie wäre vermutlich so geworden, wie die Geburt meiner Tochter – und die war schrecklich für mich. Aber nacheinander.

Die Betreuung durch die Hebamme während der Schwangerschaft – nimmt die Angst vor der Geburt

Mir hat meine Hebamme Julia Bauer schon in der Schwangerschaft viel geholfen. Sie hat mich in der Hebammenpraxis Bayreuth dabei unterstützt auf meinen Körper zu hören, hat mir gezeigt, wie man das Kind ertasten kann. Ja, das hätte auch die Ärztin machen können, aber die ärztliche Ausrichtung ist einfach eine andere. Meine Hebamme hat mich nicht als Patientin gesehen, sondern als Frau in einem einzigartigen Prozess. Ich persönlich habe mich so wahnsinnig bestärkt gefühlt. Einmal habe ich Julia auch angerufen, weil ich Schmerzen hatte, sie kam zu mir nach Hause, hat mich untersucht, mich beruhigt. Ohne ihr Kommen wäre ich an diesem Abend ins Krankenhaus gefahren. Ich weiß nicht, was dort gemacht worden wäre. Aber es wäre sicher aufwändiger gewesen.

Die Beleggeburt und die Haftpflichtversicherung –

Zur Geburt selbst konnte Julia leider nicht dabei sein. Eigentlich war es so geplant gewesen: Dass sie als Beleghebamme mit zur Geburt kommt. Das ist zwar mit mehreren hundert Euro sehr teuer, aber das wäre es mir wert gewesen. Doch die Zahl ihrer angemeldeten Geburten im August hat nicht ausgereicht und so hat sich eine Anmeldung bei der Versicherung nicht gelohnt. Im September hätte sie wieder Geburten angeboten, aber Babys richten sich nun mal nicht nach Versicherungen oder Daten.

Die Begleitung meiner Hebamme auf dem Weg ins Krankenhaus

Zur Geburt selbst hat mich mein Mann ins Klinikum Kulmbach gefahren. Dass ich auf dem Weg noch mit einer Hebamme – die später meine Nachsorgehebamme wurde – telefonieren konnte, hat mir unheimlich gut getan. Es ist wie mit einer Freundin zu sprechen, die sich wirklich auskennt. Mein Mann war naturgemäß ziemlich nervös, aber Friederikes Stimme hat mir soviel Ruhe gegeben. Sie hat mit mir durchgesprochen, wie ich mich fühle, wie stark und in welchem Abstand die Wehen kommen und hat mich beruhigt. Und ohne sie? Wir wären auch so ins Krankenhaus gekommen, sicherlich. Aber sicherlich nicht mit so einem selbstsicheren und zuversichtlichen Gefühl.

Und dann im Krankenhaus?

Wir sind abends angekommen. Vielleicht um acht Uhr. Die Wehen kamen im Minutentakt, aber die erste Untersuchung war erschütternd: Der Muttermund war noch komplett verschlossen. Dabei hatte ich Schmerzen wie noch nie in meinem Leben und wie sie auch später bei der Geburt nicht mehr heftiger werden würden. Wehenhemmende Mittel hatten nur geringen Erfolg. Ich wurde an Schläuche angeschlossen und an Überwachungsgeräte. Und dann war da wieder eine Hebamme, oder vielmehr mehrere, denn ich war solange dort, dass es mehrere Schichtwechsel gab. Die Hebammen waren alle ganz unterschiedlich. Manche einfühlsam, manche resolut. Jede auf ihre Art irgendwie hilfreich. Manche mehr, manche weniger. Aber ich spürte zu allen ein großes Vertrauen. Und ich war innerlich überzeugt: Wenn diese Frauen um mich rum sind, dann wird alles gut.

In der Nacht wurde der Muttermund mehrfach getastet. Ehrlich gesagt eine ziemlich entwürdigende Prozedur. Bewegt hat sich praktisch gar nichts. Als der Morgen dämmerte sollte ein Kaiserschnitt gemacht werden. Genau das hatte ich immer vermeiden wollen. Die Geburt meiner großen Tochter war ein Kaiserschnitt gewesen – ähnliche Situation. Stundenlange Wehen ohne Effekt. Der Kaiserschnitt selbst war für mich ein schreckliches und traumatisches Erlebnis. Das Gefühl es nicht geschafft zu haben, was Millionen anderer Mütter schaffen. Schon bei der ersten Sache als Mutter versagt zu haben, das war für mich so schrecklich, dass ich erst gar keine zweite Geburt gewollt hatte. Das konnte ich nicht nochmal – vor allem psychisch. Auf keinen Fall.

Wie die Geburt doch noch möglich wurde und wofür ich den Hebammen so dankbar bin

Dass ich den Kaiserschnitt nicht will, das habe ich immer wieder gesagt. Man brachte mir die Einverständniserklärung zur OP und Hebammen und mein Mann versuchten mich zu überzeugen. Aber mein Wunsch war klar: Ich stimme dem Kaiserschnitt erst zu, wenn das Leben meines Kindes in Gefahr ist. Vorher nicht. Es war mir völlig egal, wie lange es dauern würde. Ich wollte es aushalten. Und dann taten die Hebammen im Kulmbacher Kreißsaal etwas, wofür ich ihnen so dankbar bin. Sie riefen eine Kollegin an, die Bereitschaftsdienst hatte. Das habe ich erst im Nachhinein erfahren. So waren die Hebammen zu zweit. Gleichzeitig mit meinem Sohn wurde an diesem Tag noch ein Baby geboren. (Hallo liebe Lia!) Und jede von uns werdenden Müttern hatte eine intensive Betreuung.

Hebamme Hermine Bäuerlein war den ganzen Tag für mich da. Sie hatte schon auch mal etwas anderes zu tun und konnte nicht dauernd Händchen halten. Aber das ist auch gar nicht nötig. Sie war jederzeit verfügbar und auf meiner Seite. Sie hat alles dafür getan, dass es etwas wird mit der natürlichen Geburt. Ohne sie und ohne die anderen Hebammen wäre ich irgendwann eingeknickt. Sie hat mir Sicherheit gegeben, sie hat aus Erfahrung gewusst, wann man die Fruchtblase aufstechen sollte. Sie hat mit mir verschiedene Positionen ausprobiert, weil mein Sohn mit dem Ohr voraus in Richtung Ausgang lag. Das hätte ich ohne sie nicht machen können. Mein Sohn hat es nicht von selbst geschafft, er hat Hilfe von jemandem gebraut mit Erfahrung und mit Zeit.

Mein großes Glück

Ich hatte riesen Glück, dass ich an dieses wunderbare Hebammenteam geraten bin. Es war ein Segen. Ohne sie wäre es auf einen Kaiserschnitt hinausgelaufen mit allen negativen Folgen – psychischer und physischer Art. Und deshalb bin ich überzeugt: Es geht nicht #ohnehebamme !

Ich werde kein weiteres Kind bekommen, soviel ist sicher. Aber es ist auch sicher, dass das nach dieser Erfahrung nichts mit der Geburt zu tun hat. Bekäme ich noch ein Kind, ich würde alles tun, um eine Beleghebamme zu finden. Denn auch das ist sicher: Ich weiß, dass es ein riesen Glück war, dass ich an dieses Klinikum geraten bin, wo die Hebammenbetreuung so wunderbar ist. Das ist alles andere als selbstverständlich.

 

3 Gedanken zu “Meine Geburt ohne Hebamme: Ein Gedankenexperiment Blogparade

  1. #ohnehebamme undenkbar!!!!!!!!!!! In Österreich ist die Situation zwar noch eine andere (hier gibt es das Problem der Haftpflichtversicherung für die Hebammen nicht), trotzdem wissen wenige Frauen, wie wertvoll es ist, sich mit einer Hebamme vorzubereiten und auch im Wochenbett (oder sogar in die Stillzeit hinein) von einer Hebamme unterstützt zu werden. Geld kostet es. Nicht wenig, vor allem, wenn eine Hebamme sich auf ihre Füße stellt und Tarife über dem unmöglich niedrigen Kassentarif hat. Das Netzwerk an Frauen, für die Hebammen wichtig sind, sollte dichter und größer werden, damit wir weiterhin unseren Kindern einen guten Start ins Leben ermöglichen können und uns in unser Mutter-Dasein!

  2. Nach einer tollen Geburt im Geburtshaus, mit 1:1 Betreuung, und Vor- und Nachsorge durch ein extrem kompetentes und liebevolles Hebammenteam, kann ich sagen: Geburt ohne Hebamme? UN-VOR-STELL-BAR!

    • Dann lese ich ja jetzt auch offiziell von Deinem Nachwuchs.;-) Herzlichen Glückwunsch und alles Gute! Danke für Deine Zustimmung. In der Klinik braucht man großes Glück, im Geburtshaus kennt man die Hebammen natürlich schon vorher und das ist nochmal ein extremer Pluspunkt. In Kulmbach gibt es leider keines und Bamberg war mir zu weit. Daher ist die Geburt im Geburtshaus für mich nicht in Frage gekommen. Schön, dass bei Dir alles so gut geklappt hat.
      Beste Grüße

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