Das Recht auf einen Namen

Das Recht auf Namen: Wie wir zu “Mama von” degradiert werden

In der echten Welt haben wir alle einen Namen. Also einen eigenen. Einen, der uns gehört. Sobald Du Kinder hast – spätestens wenn Du das erste Mal den Kindergarten betrittst – gibst Du das Recht auf Deinen eigenen Namen ab. Du heißt dann nicht mehr Katharina, sondern Florentines Mama. Oder noch besser: Der Florentine ihre Mama. Wer also unterhält sich im Windfang?: Dem Toni sein Papa und der Lorena ihre Mama. Und Vorsitzende des Elternbeirates? Annalenas Mama. Blöd ist es wenn die Kinder Lina oder Max heißen, denn dann gibt es mehrere zur Auswahl und Du musst entweder die Geschwisterkinder oder den Nachnamen mit dazu nennen. Also: “die Mama von der Lina und vom Max”, oder “dem Maxi Friedrich seine Mama” – der echte Name wäre in beiden Fällen deutlich schneller gegangen…… Aber sei es drum. Stören tut es mich eigentlich nicht die Mama von zu sein. Ich tu einfach so, als wäre das von quasi ein Adelstitel. Ich bin die “Mama von Till” von Till –  klingt doch nett, “von Florentine” – wie eine kleine Gräfin – naja, man kann es sich auch schönreden. Bei mir selbst stört es mich jedenfalls nicht. Kann mich jeder nennen wir er oder sie will. Aber bei anderen ist es komisch.

Hey Mama von Samuel – oder: Die Namen der anderen

Neulich waren wir bei Leuten zum Essen eingeladen. Wir haben einen ganzen Nachmittag miteinander verbracht und weil es so schön war auch noch den Abend. Auf der Heimfahrt frag ich meinen Mann: “Wie heißt die Frau eigentlich?” “Keine Ahnung, er hat sie “Schatz” genannt.” Das hilft…… nicht. Und ich habe am Anfang nicht richtig zugehört und dann war es zu spät und ich konnte nicht mehr fragen. Mist. Ich weiß nur wie die Kinder heißen. Ich dreh mich um. “Florentine, wie heißt denn Samuels Mama? Weißt Du das?” “Nein. “Mama” vielleicht?” Vielleicht…. ich verzichte auf einen Versuch beim nächsten Mal, aber ich bitte meinen Mann darum, mich beim nächsten Besuch laut und deutlich mit meinem Namen anzusprechen. Mit meinem eigenen. Nicht mit “Schatz” und auch nicht mit “Mama”. Vielleicht geht es der anderen Frau ja genauso…..

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5 Gedanken zu “Das Recht auf Namen: Wie wir zu “Mama von” degradiert werden

  1. Das mit dem “beim Namen nennen” ist echt ein toller Vorsatz fürs neue Jahr. Es bringt einen wirklich oft in Verlegenheit, die Namen nicht zu kennen. Und: Ich musste sooooo lachen. Danke dafür!
    Herzliche Grüße
    Ella

  2. Liebe Katharina Mama von Enkelkindern …. wie klingt das? Keine Ahnung!
    Wie ist das? Wunderbar.

    Wunderbar beobachtet und ebenso wunderbar geschrieben.

  3. Es tröstet mich, dass es nicht nur mir als blinde Mama passiert, dass ich getrennt von meinem Gedächnis für Namen lebe. Und nun ja, Mama von, diesen Namen habe ich gerne getragen. Das war mir immer lieber als die blinde Mama.

    Aber das geht irgendwann auch vorbei. Irgendwann, wenn die Kinder etwas älter sind, hast du wieder einen Namen. Nämlich den eigenen Vornamen. Aber das dauert bis sie Teenager sind. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

    • Danke für den lieben Kommentar, Lydia. Das kann ich mir vorstellen, dass man mit einer Einschränkung -wie der Blindheit – sowieso oft auf diese reduziert wird. Bei Dir weiß ich ja jetzt wie Du heißt😆. Sehr schön!
      Viele Grüße!
      Katharina

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