Ohne Windpockenimpfung droht Schulverbot: Macht die Impfung gegen Windpocken jetzt also Sinn…

Die Impfentscheidung trifft bei uns jeder für sich beziehungsweise für sein Kind. Eine Pflicht zur Impfung gibt es nicht. Zumindest nicht offiziell. Denn de facto haben Ungeimpfte unter Umständen erhebliche Nachteile. Im letzten Herbst hat das Robert Koch Institut verordnet, dass Kinder, die keinen ausreichenden Impfschutz haben von Gemeinschaftseinrichtungen ausgeschlossen werden können, sobald es einen Windpockenfall in ihrem Umfeld gibt. Für andere Krankheiten wie Masern hat es diese Regelung bisher auch schon gegeben, seit November sind auch Windpocken enthalten. Wissen tun das noch viel zu Wenige.

Wann kann mein Kind von der Schule ausgeschlossen werden?

Einschlägig ist das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG). Im §34 ist geregelt, dass Menschen, die an bestimmten Krankheiten, wie Masern und jetzt neu eben auch Windpocken erkrankt sind, nicht in Gemeinschaftseinrichtungen dürfen. Im Absatz 3 steht, dass auch Menschen, die mit Erkrankten in Kontakt waren (zum Beispiel im Familienverband) nicht in die Einrichtung dürfen. Ausnahmen gelten nur für Kinder und Erwachsene, die immunisiert sind. (sinngemäß Absatz 7). Gemeinschaftseinrichtungen sind Schulen, Kindergärten, Sportvereine und dergleichen. Die Entscheidung über den Ausschluss trifft das Gesundheitsamt.

Impfung gegen Windpocken

Ich persönlich habe die Impfung der Windpocken bisher nicht für wichtig gehalten. Windpocken sind bei Kindern in der Regel nicht besonders schlimm. Nicht schön – ich hatte das als Kind selbst und hab einige Narben – aber wirklich schlimm war es auch nicht. Für Erwachsene ist es allerdings schwerwiegender: Man sagt da auch nicht mehr Windpocken, sondern Gürtelrose. Eine sehr unangenehme Sache, die auch häufig zu schwerwiegenden Komplikationen führt. Das ist wohl auch der Grund warum versucht wird, die Windpocken auszurotten. Eine möglichst hohe Impfrate könnte dabei helfen. Ich kann die Sinnhaftigkeit nicht bewerten, das überlasse ich Ärzten. Aber ganz unumstritten ist die Notwendigkeit der Impfung nicht.

Warum meine Kinder gegen Windpocken geimpft werden

Wenn es einen Fall von Windpocken gibt – oder auch nur einen Verdachtsfall: Im Sportverein, in der Schule oder im familiären Umfeld, muss dieser dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Und dann? Dürfte meine Tochter ohne Impfung 14 bis 20 Tage (je nach Windpockenstamm) nicht zur Schule gehen. Das ist mir zu heikel. Ein gesundes Kind, das daheim bleiben muss? Das ist es mir nicht wert. Der Grund für die lange Dauer ist, dass man schon nach der Infektion ansteckend ist, auch wenn die Krankheit noch nicht (sichtbar) ausgebrochen ist.

Kommt ein Schulverbot ohne Windpockenimpfung wirklich vor?

Bisher selten, aber ja! Ich habe beispielhaft im Gesundheitsamt bei uns nachgefragt: In diesem Jahre wurde in unserem Landkreis Kulmbach ein Kind aus einer Einrichtung genommen. In diesem Fall war es nur der Kindergarten. Zum Glück, denn da kann man drei Wochen (vorsorglich) zu Hause vielleicht verschmerzen (zumindest wenn die Eltern nicht arbeiten müssen). Drei Wochen nicht in die Schule dürfen, kein Sportverein und keine Musikschule, obwohl das Kind eigentlich gesund ist? Das wäre sicherlich schlimmer. In Bezug auf Masern gilt die Regelung schon länger. In den letzten 10 Jahren wurden bei uns im Landkreis zweimal Kinder für mehrere Wochen vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie nicht geimpft waren. Klingt nicht viel, aber wenn es einen betrifft, ist es schon einschneidend.

Im Gesetz ist eine ganze Reihe an Krankheiten genannt, bei denen die Impfrate recht hoch und die Wahrscheinlichkeit, dass es vorkommt sehr gering ist. Zum Beispiel auch Diphterie oder Mumps. Es ist vergleichsweise unwahrscheinlich, dass deshalb ein ungeimpftes Kind nicht zur Schule darf.

Bei Windpocken ist die Sache eine völlig andere: In Bayern sind es jährlich rund 5.500 gemeldete Fälle – 25.000 in ganz Deutschland (Zahl aus 2016 vom Robert Koch Institut). Die Impfrate ist niedriger als bei Masern, Mumps und Co und variiert je nach Bundesland sehr stark. Durchaus möglich, dass die Häufigkeit der Schulausschlüsse steigt.

Warum ich die Regelung kritisch sehe

Windpocken müssen eigentlich gemeldet werden. Wenn Eltern aber nicht zum Arzt gehen, dann kann er es auch nicht melden. Gibt es in einer Familie also einen Windpockenfall, so ist wegen der Regelung die Versuchung sehr groß gar nicht zum Arzt zu gehen, damit Geschwisterkinder nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden. Insofern ist es recht wahrscheinlich dass die Dunkelziffer steigen wird.

Wie siehst Du das? Sind Deine Kinder gegen Windpocken geimpft und ist die neue Regelung für Dich ein Grund, die Impfung nachzuholen?

Keine Windpockenimpfung? Es droht Schulverbot

 

 

1 Gedanke zu “Ohne Windpockenimpfung droht Schulverbot: Macht die Impfung gegen Windpocken jetzt also Sinn…

  1. Wenn Kinder Windpocken bekommen, kann das relativ harmlos verlaufen. Allerdings können sie dann als Erwachsene an Gürtelrose erkranken, was unmittelbar mit den Windpocken im Kindesalter zusammmenhängt. Da ich als Kind Windpocken hatte, denke ich jetzt darüber nach, mich impfen zu lassen, denn eine Gürtelrose kann auch gefährlich und chronisch werden und es gibt inzwischen einen neuen Impfstoff für Erwachsene, der aber noch nicht von den Krankenkassen bezahlt wird. Ich hätte mir gewünscht, dass es für mich als Kind schon eine Impfung gegeben hätte.
    LG Elke

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