Unterwegs spielen ohne Material: Die schönsten Spielideen in der Natur und im Urlaub ohne Spielzeug

Charis schreibt hier auf Kinderleute über Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, dass wir umweltfreundliche Produkte kaufen oder Wasser sparen. Nachhaltig leben bedeutet auch, dass wir (wieder) lernen mit weniger zurecht zu kommen. Und wenn ich an meine eigene Kindheit denke, dann erinnere ich mich daran, wie wir oft ohne Spielzeug unterwegs waren. Einfach nur mit uns und der Natur – und Fantasie. Denn die wird beim Spielen ohne Equipment natürlich besonders geschult. Und so ist es ein Gewinn für alle Seiten: Mehr zurück zu den Basics. Was man alles mit Kindern draußen und unterwegs machen kann, um sie kürzer oder länger zu beschäftigen, das hat Charis zusammengetragen:

Spielzeug haben wir irgendwie viel zu viel. Und das, obwohl wir gar nichts kaufen. Es gibt soviel geschenkt und vererbt – wir sind mehr als gut versorgt. So geht das wohl den meisten Familien. Die Kinderzimmer quellen über, aber unterwegs fehlt dann doch immer was, um das Kind/ die Kinder zu beschäftigen – denkt man! Denn tatsächlich können sich Kinder auch ohne eine voll gepackte Spielzeugtasche wunderbar die Zeit vertreiben. Und nachhaltig ist das obendrein – wir kaufen keinen Plastikquatsch, der morgen schon unbeachtet in der Ecke liegt …

Einige Ideen hab ich hier mal gesammelt.

Spiele für draußen ohne Material: Alte Kinderspiele

Die Klassiker sollte man nicht unterschätzen. Manchmal braucht es nur einen Tipp von den Erwachsenen und die Kinder haben plötzlich einen irrsinnigen Spaß beim Toben, Suchen und Wetteifern:

  • Verstecken
  • Fangen
  • Weitsprung
  • Weitsprung aus dem Stand

– diese alten Kinderspiele, die wir noch aus unserer Kindheit kennen, gehen eigentlich immer!

kinderspiele für draußen   Spiele, um Kinder kurz mal zu beschäftigen

Kinder ab dem Vorschulalter kurz beschäftigen

 Wenn Mama, Papa oder Opa mal kurz was konzentriert erledigen muss, kann man in diese Trickkiste greifen: Die Kinder bekommen eine Aufgabe, die sie, zumindest kurz, beschäftigt. Beispiele dafür sind:

  • Schätze eine Minute (ohne Uhr)
  • Binde deinen Schuh mit einer Hand
  • Wieviele Wörter mit Ö findest du in einer Minute? …

Spiele ab einem Jahr ohne Material

Für die ganz Kleinen ist das logischerweise noch nichts. Die sind aber auch oft mit erstaunlich wenig zufrieden. Die lustigen Muster auf dem Fussboden im Café, die schönen Kieselsteinchen, die Blätter am Baum – davon kann ein Baby schon eine zeitlang fasziniert sein. Aber mal ehrlich, Bespaßung brauchen die doch immer gerade dann, wenn wir mal eben keine Zeit/keinen Nerv haben. Hier sind ein paar Ideen, womit die Kleinsten sich kurz friedlich beschäftigen – alles Dinge, die meist sowieso dabei sind oder herumliegen:

  • Handtasche/Wickeltasche ausräumen
  • Mit dem Schlüsselbund klimpern und rasseln
  • Steine und Gras erkunden
  • Flyer, Prospekt, Zeitung angucken
  • Was knistert da? (Ah die Müsliriegelverpackung!)

Die Kleinsten darf man natürlich nie aus den Augen lassen. Was schon funktioniert oder noch nicht können Eltern immer selbst am besten einschätzen. Das eine Baby schiebt schon entspannt die Steinchen hin und her, während das andere hartnäckig versucht diese zu essen. Da gilt es, die Bespaßung eben individuell zu gestalten.

Babys beschäftigen – ohne teures Spielzeug

Absolut ungefährlich ist dieser Babyklassiker:

Kuckuck! – zum Verstecken und Wiederauftauchen braucht es eigentlich nur ein paar Hände. Wer Glück hat, trifft manchmal auf irgendeinen lieben Mitmenschen auf dem Spielplatz oder in der Bahn, der damit das Kind ein paar Minuten fröhlich macht.

Kinderspiele für draußen: Outdoorspiele, die ohne Equipment auskommen

outdoorspiele

Spiele ab einem Jahr

Kleinkinder sind ja quasi den ganzen Tag im Entdecker- und Experimentiermodus. Und das kann man nutzen. Sie können z.B.

  • einen Turm aus Steinen bauen,
  • Regenwürmer oder Ameisen suchen und beobachten,
  • einen Blumen- oder Gras-Strauß pflücken,
  • ein Schiff unter der Brücke durchschicken (das Schiff ist ein Blatt, Stöckchen, oder, mein Favorit: Spucke)

 

Kommunizieren und bewegen sich die Kinder gern, dann kann man mit ihnen auch gut Bewegungsspiele machen, z.B.

  • Laufen wie ein … (Frosch, Tiger, Schlange, Katze …).

Jeder darf sich mal ein Tier wünschen, und dann versuchen alle, sich so fortzubewegen wie dieses Tier. Noch mehr Spaß macht die erweiterte Variante mit Geräuschen. Muuuh! sag ich dazu!

 

Spiele für unterwegs ab ca. vier Jahren

  •  Ich sehe was, was du nicht siehst

Der Klassiker geht ja fast im jeden Alter. Auch Erwachsene können daran noch Freude haben.

  • Detektiv spielen

Es müssen ja nicht immer die drei ??? sein. Da können sich doch neue Detektivgruppen gründen…. Es gibt soviel zu beobachten und zu enträtseln. Unterwegs, im Urlaub, in der Bahn, im Café können die Kinder – bitte unauffällig – eine Person beobachten. Welche Geschichte steckt hinter dieser Person? Woher kommt sie? Was ist ihr Beruf? Was ist das Geheimnis, das sie hat?

Wem das zu heikel ist (es soll sich ja niemand belästigt fühlen), der setzt die Kinder lieber auf ein Auto, ein Haus oder einen Gegenstand an – mit ein paar Hinweisen spinnen Kinder die tollsten Geschichten. Und das kaputte rote Haus neben der Autobahn beschäftigt sie vielleicht noch dreißig Kilometer lang ….

  • Fitness-Meister

Kinder sind ja auch gern mal der Chef. Bitteschön! Ein Kind macht den Fitness-Meister, der Sport- und Gymnastikübungen vormacht. Der Rest bitte schön mitturnen! Eignet sich prima für eine Pause bei langen Autofahrten.

spielen ohne material

Spiele für unterwegs: perfekt ab dem Grundschulalter

  • Geschichten

Geschichten sind doch das Schönste! Wer nicht immer selbst erzählen mag, stellt den Kindern folgende Aufgabe: Jeder darf einen (oder zwei) Sätze sagen. Dann ist der nächste in der Runde dran. Das gibt bestimmt eine lustige Geschichte mit höchst unerwarteten Wendungen.

  • KFZ-Zeichen

Im Auto kann man schauen, wer schon welche Stadt am Nummernschild erkennt. Wenn die Eltern ein bisschen helfen, werden das bald ganz schön viele sein….

  • Statue

Jedes Kind darf einmal Statue sein. Es verharrt in einer selbstgewählten Pose, die anderen müssen raten, was da dargestellt wird. Ist es ein Mann, der Zeitung liest? Oder der Pfarrer, der die Bibel hält?

Das Spiel kann man auch variieren: Ein Kind ist die Knetmasse/der Stein/der Ton und ein anderes ist der Künstler. Der Künstler darf sein Material formen. Hat er seinen Mitspieler entsprechend in Form gebracht, müssen die anderen raten, was sie da sehen.

  • Bring dein Gegenüber zum Lachen

Lässt sich super zu zweit, aber auch in zwei gegenüberstehenden Gruppen spielen. Wer zuerst lacht, verliert!

  • Lied summen und erraten

Wer ist der beste Summer? Wer der musikalischste Zuhörer?

  • Wort auf den Rücken schreiben

Mit den Fingern schreibt man seinem Mitspieler ein Wort auf den Rücken. Der muss herausbekommen, was da geschrieben wird. Wenn die Kinder noch nicht schreiben können, dann einfach Dinge malen lassen

Für das Vorschulalter gibt es noch ein paar ganz tolle Spieletipps, die Dein Kind fit für die Schule machen – mit und ohne Equipment. Schau mal hier

alte kinderspiele

Draußen spielen mit Naturmaterialien für jedes Alter

In der Natur braucht es eigentlich keine Spielausstattung, da findet sich genug Spannendes. Man spielt z.B.

  • Wörter oder Bilder aus Steinen legen
  •  Zielwerfen mit Stöckchen oder Steinen

Ziel kann ein Baum sein oder ein mit einem Stock aufgemalten Kreis – geht super am Strand!

  • Mein Baum

Falls doch was zum Augen verbinden dabei ist (ein Halstuch o.ä.), befühlen die Kinder mit verbundenen Augen einen Baum, dann werden sie weggeführt, dürfen die Augenbinde abmachen und suchen mit geöffneten Augen ihren Baum.

Alternativ: Jeder sucht sich einen Baum. Der wird ausgiebig untersucht, bekommt einen Namen und eine Geschichte …. Was hat der Baum schon alles erlebt, gesehen, welche Tiere kommen regelmäßig zu Besuch …

  • Waldmemory

Beim Waldmemory sucht ein Erwachsener (oder ein großes Kind) vier (oder mehr) Gegenstände aus dem Wald (ein Stock, ein Stein, einen Tannenzapfen, eine Eichel …). Die Aufgabe der Kinder ist es dann, loszuziehen und auch diese Gegenstände zu bringen.

Parallelwelt

 Meine Cousine und ich haben zum Spielen eigentlich gar nix gebraucht. Wir hatten unsere Fantasie. Und in der gab es viele andere Welten. Wir konnten stunden- oder tagelang in unserer Fantasiewelt spielen. Wir waren dann nicht mehr wir, sondern hatten andere, selbst erfundene Identitäten. Es gab z.B. Spiel 1 – da lebten wir auf einem Reiterhof. In Spiel 2 waren wir ein Detektivteam, usw. Wir wählten je nach Laune eine unserer Parallelwelten, sprachen uns dann mit den jeweiligen Namen an und gingen völlig in unserem Spiel auf. Klar, solches Spielen kann man Kindern nicht von außen vorschreiben. Das kommt aus ihnen selbst. Aber es zeigt, wie erstaunlich Kinder spielen – wenn wir sie einfach nur lassen.

Und wenn Ihr lieber im Haus bleibt: Bei Natalia gibt es aktuell fünf Spieletipps ohne Fernsehen. 

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