Eine Mutter reist um die Welt: Exklusives Interview mit Gabriela Urban

Mit Gabriela Urban bin ich in Kontakt seitdem ich blogge. Ich habe viele ihrer Reisen über die sozialen Medien verfolgt, habe mitgefiebert und mich mit ihr gefreut. Gabriela und ihr kleiner Sohn reisen um die Welt. Und zwar nicht durch Luxushotels und Touristenzentren, sondern überall dorthin wo das echte Leben spielt. Das gefällt mir. Dabei hatte Gabriela eigentlich nach der Elternzeit andere Pläne.

Ihre Karriere war ihr sehr wichtig und überhaupt hatte sie eine sehr klare Vorstellung vom gut situierten Vorstadtleben im Kopf. Eigentlich war sie auch am Ziel – aber dann war die Gelegenheit zum Aussteigen aus dem Hamsterrad und zum Welt-Entdecken einfach zu gut. Gabriela hat nun ein Buch über ihre Erlebnisse, über Höhen und Tiefen geschrieben. Es ist erschienen unter dem Titel Wie Buddha im Gegenwind: Eine Kündigung, 22 Länder und ein besonderer Reisebegleiter. Ich hab Gabriela zu diesem Anlass meine brennendsten Fragen gestellt. Hast Du auch noch Fragen? Dann schreib sie gerne in die Kommentarleiste! Hier aber erstmal meine Fragern und Gabrielas wunderbar ehrliche Antworten.

1. War es tief drin vielleicht schon immer Dein Traum, um die Welt zu reisen?

Ich bin ja vor dem Muttersein bereits viel gereist – also vor allem nach meinem Abi und während des Studiums – und habe sogar schon in unterschiedlichen Ländern gelebt. Aber als ich dann ins Berufsleben eingestiegen bin, wurde es reisetechnisch viele Jahre doch relativ ruhig bei mir. Und natürlich bin ich davon ausgegangen, dass vor allem mit der Geburt meines Sohnes, das Abenteuerleben als Backpacker für die nächsten zwei Jahrzehnte vorbei sei. Doch im Grunde habe ich nach meiner Kündigung (zu dem Zeitpunkt war mein Sohn 1 Jahr alt) – und mit dem Beginn meiner persönlichen Neufindung – da weitergemacht, wo ich vor einigen Jahren aufgehört hatte. Und ja! Ich kann behaupten, dass um die Welt reisen für mich ein ganz großer Traum ist.

2. Wo ist Dein zu Hause?

Lustig, dass du ausgerechnet das fragst. Mein kleiner Sohn unterscheidet ja immer auf Reisen zwischen unserem großen Zuhause (= in Deutschland in einem beschaulichen Vorort von Hamburg) und Zuhause (= wo wir mit Rucksack uns gerade befinden). Und ich muss zugeben, dass ich genauso denke wie mein Sohn. Ich fühle mich fast überall auf der Welt zuhause und habe wirklich schon an unzählig vielen Orten mein Herz verloren, aber am meisten verbunden fühle ich mich mit unserem großen Zuhause, also der Heimat. Was nicht bedeuten soll, dass ich mir nicht vorstellen könnte, irgendwann woanders auf dieser weiten Welt zu leben …

3. Hast Du das Gefühl, dass Du in Deinem “alten Leben” etwas verpasst hast, weil Du Deinen Traum nicht schon früher umgesetzt hast? 

Nein! Wie bereits gesagt, ich bin ja früher schon viel gereist. Und außerdem denke ich, dass alles auch seine Zeit oder die passende Gelegenheit benötigt. Bodenständigkeit, Wurzeln wachsen lassen und Alltag haben ja auch ihre positiven Seiten – und das ganze Leben kann ja nicht immer nur aus Reisen und Sonnenschein bestehen. Ich denke, dass der berühmte Weg der goldenen Mitte oft seine Vorzüge hat.

4. Wie findet man heraus, was einen glücklich macht und wann der Zeitpunkt für eine Veränderung da ist?

Sehr gute Frage! Also im Grunde ist der Zeitpunkt für eine Veränderung da, wenn man vehement und längerfristig mit etwas unzufrieden ist. Das können sowohl kleine wie auch große Dinge sein. Wenn uns dann diese innere Unzufriedenheit auch so richtig zermürbt, dann sollte man unbedingt schauen, was und wie genau man bestimmte Dinge in seinem Leben ändern kann, damit man wieder zufriedener ist.

ich habe (praktisch aus der Not heraus) Glück für mich neudefiniert

Wie ich in meinem Buch «Wie Buddha im Gegenwind» im Vorwort beschreibe, hatte ich ja vor meinen ganzen Krisen ein klares Bild von „Glück“ im Kopf. Ich dachte, dass mich Kind, Karriere, ein opulentes Eigenheim, zweites Kind und noch mehr Karriere glücklich machen würden. Aber irgendwann hatte ich auch erkannt, dass der Moment gekommen war, meinen sogenannte „Plan vom großen Glück“ loszulassen. Denn 1. war es wegen meiner Lage nicht möglich, ihn zu realisieren, und 2. habe ich erkannt, dass beim Verfolgen all dieser Dinge, mit SEHR großer Wahrscheinlichkeit ICH SELBER und all meine Wünsche auf der Strecke bleiben würde.

Deswegen habe ich (praktisch aus der Not heraus) Glück für mich neudefiniert … Und für mich ist jetzt mein großes Glück, dass ich zufrieden bin, viel Zeit mit meinem Kind (auch auf Reisen) verbringen kann, ich mit meinen großen Leidenschaften Geld verdiene, viele Freiheiten habe – und NATÜRLICH, dass ich Hand in Hand mit meinem Kind um die Welt reisen kann.

5. Was vermisst Du an Deinem alten Leben?

Wenn du mit dem „alten Leben“ meinen festen Job mit 25 Urlaubstagen im Jahr meinst, in dem ich ja vor meiner Elternzeit sehr viele Jahre wirklich ausgesprochen gerne gearbeitet habe, dann ist es vor allem der persönliche und auch der fachliche Austausch mit Kollegen. Als Selbstständige sitzt man ja eher alleine am heimischen Schreibtisch und kocht ständig sein eigenes Süppchen. Deswegen habe ich mir im Laufe der Zeit ein doch gutes Netzwerk mit Gleichgesinnten aufgebaut, und nehme mir immer wieder mal die Zeit, mich intensiv auszutauschen, und vor allem auch neuen fachlichen Input und Inspirationen zu bekommen. Ansonsten vermisse ich, – vielleicht bis auf die Weihnachtsfeiern –, nicht wirklich viel. Denn ich bin voll und ganz glücklich, mit dem, was ich geschaffen habe und woran ich jetzt gerade arbeite.

6. Wovor hast Du Angst?

Ich habe absolute Höhenangst! Ich weiß, klingt gerade ziemlich banal, aber meine Angst vor Höhe, die übrigens bereits bei ein paar lächerlichen Metern beginnt, begegne ich vor allem auf Reisen immer wieder. Auf irgendwelchen Brücken, im Kirchturm oder auf spektakulären Aussichtsterrassen, wo ich immer sofort Blut und Wasser schwitze. Da muss ich mich wirklich sehr am Riemen reißen, meinen Sohn diese blöde Angst nicht spüren zu lassen, denn natürlich will ich ihn mit meiner Höhenangst nicht anstecken.

Ansonsten habe ich auf unseren Reisen immer wieder Angst, dass ich etwas Wichtiges verliere. In meinem persönlichen Alltag habe ich nicht vor richtig vielen Dingen Angst (abgesehen von schlimmen Krankheiten), denn meine Krisen haben mir gezeigt, dass Niederschläge auch gut sein können, um Dinge zu ändern, neue Türen zu öffnen und durch diese auch hindurchzugehen.

7. Siehst Du Dich selbst als jemanden, der andere inspiriert?

Wenn ich mich selber als eine Person bezeichne, die andere inspiriert, hört sich das für mich ein wenig angeberisch an. Allerdings bekomme ich immer sehr viele Mails und Nachrichten, in denen mir verschiedene Leute schreiben, wie gut sie es finden, was ich mache; Dass ich so viel mit meinem Sohn reise – und dass sie jetzt selber darüber nachdenken, eine längere Reise zu machen. Solche Rückmeldungen finde ich richtig, richtig toll! Und ganz ehrlich, genau das möchte ich auch erreichen: Anderen Menschen zeigen, dass praktisch alles möglich ist, wenn man es will, – vor allem das Reisen mit Kindern.

8. Was hast Du auf Reisen bisher gelernt? Was hat Dein Sohn gelernt?

Ich habe auf meinen vielen Reisen gelernt, wesentlich pragmatischer und lösungsorientierter zu sein, denn unterwegs läuft selten etwas so, wie ich es zuvor geplant habe. In solchen Situationen versuche ich mich bloß nicht aufzuregen, sondern stattdessen nach anderen Möglichkeiten zu suchen – und meistens klappt das dann auch. Diesen Pragmatismus und auch Stück Gelassenheit nehme ich dann oft mit nach Hause.

Und Dein Sohn?

Mein Sohn lernt auf unseren Reisen vor allem Verantwortung zu übernehmen und mir zu helfen. Das ist wichtig, denn oft bin ich auf seine Hilfe auch angewiesen, beispielsweise, wenn wir in einen Zug einsteigen. Dann steigt er zuerst ein und ich schiebe ihm den Buggy und Rucksack ran und er nimmt diese an sich. Das hilft mir ungemein und er ist immer super stolz, wenn er mir geholfen hat.

Oder zum Beispiel auf der Straße, oft ist der Verkehr in Asien oder Südamerika viel chaotischer und natürlich auch gefährlicher als bei uns in Deutschland. Ich habe ihm schon ganz früh beigebracht, wie wichtig es ist, dass er nicht einfach so auf die Straße rennt, wir ganz doll aufpassen müssen und immer wenn uns zum Beispiel ein Moped entgegenkommt, dass wir zur Seite gehen und warten bis es weg ist. Mittlerweile macht er mich auch immer darauf aufmerksam, wenn eins kommt und wir zur Seite gehen müssen.

9. Wie wird sich Euer Leben verändern, wenn Dein Sohn in die Schule kommt?

Hör bloß auf! Wenn mein Sohn 2021 zur Schule gehen wird, wird sich unser Leben extrem verändern, weil wir dann definitiv nicht mehr so viel unterwegs sein können. Deswegen habe ich mir vorgenommen, die nächsten 2,5 Jahre noch ganz intensiv zum Reisen zu nutzen.

10. Vermisst Du etwas, wenn Du auf Reisen bist?

Ich vermisse bis auf dunkles Vollkornbrot, ab und zu meine Waschmaschine und natürlich meinen Mann eigentlich nichts.

11. Apropos Mann – Sehe ich das richtig, dass Dein Mann seinen Sohn manchmal monatelang nicht sieht? Wie geht Ihr damit um? 

Nicht ganz. Ich achte bei meiner Reiseplanung darauf, dass wir nicht länger als einen Monat am Stück voneinander getrennt sind. Jetzt zum Beispiel bei unserer letzten 3-monatigen Asien-Reise waren mein Sohn und ich erstmal einen Monat alleine unterwegs, dann hat uns mein Mann in Vietnam besucht und danach waren wir wieder einen Monat unterwegs … Mein Mann ist natürlich schon ziemlich traurig, dass er uns so lange nicht sieht, aber er kann auch gut nachvollziehen, dass ich so viel reisen möchte, schließlich habe ich ja die zeitlichen Möglichkeiten und er nicht. Außerdem machen wir mindestens ein Mal am Tag Videotelefonie, schicken ihm ständig Fotos und Videos, sodass er ja zumindest virtuell uns auf unserer Reise begleitet. Das hilft extrem.

12. Wie wirken sich die unterschiedlichen Erfahrungen auf Eure Beziehung aus?

Eigentlich nicht großartig, weil unsere Reisen ja immer relativ schnell vergehen. Wenn wir wieder zuhause sind, genießen wir dann die gemeinsame Familienzeit, bevor uns der Alltag erneut packt. Oder wir träumen von der nächsten gemeinsamen Reise, denn hin und wieder kommt ja Papa auch mit.

Na? Bist Du gespannt auf die ganze Geschichte? Dann ist Gabrielas Buch genau richtig für Dich. Es ist im Handel erhältlich. Zum Beispiel hier:

Und Gabriela bloggt natürlich und nimmt jeden der mag virtuell mit auf die Reise.

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2 Gedanken zu “Eine Mutter reist um die Welt: Exklusives Interview mit Gabriela Urban”

  1. Hallo Richard, wenn ich mir meinen Sohn anschaue, dann habe ich wirklich nicht das Gefühl, dass die Beziehung zwischen Kind und Papa auf Grund der Trennungen leidet. Da mein Mann sehr viel arbeitet und in der Woche oft spät nach Hause kommt, ist mein Sohn in der Woche eh ein “Mama-Kind” – und am Wochenende bin ich fast so gut wie abgeschrieben (außer zum Trösten) und Papa ist die Nummer 1. So wird es auch meistens nach unserer Reisen gehandhabt, dann verbringen Papa und Kind erstmal ganz intensive Zeit miteinander. Neulich haben beide angekündigt, dass sie auch ohne mich mal in den Urlaub fahren wollen – ich glaube aber, dass das noch etwas dauern wird. Herzliche Grüße Gabriela

  2. Erstmal Respekt für den Mut, mit Kind alleine um die Welt zu reisen. Mich würde interessieren, wie Gabriela die regelmäßige Trennung vom Papa des gemeinsamen Sohnes, einschätzt? Hat sie Angst, dass das Reisen einen negativen Einfluss auf die Vater-Sohn Beziehung hat (auch im Hinblick auf die Zukunft, wenn ihr Sohn älter wird & auf seine Kindheit zurückblickt)?
    LG, Richard & Hugo vom https://www.vatersohn.blog/

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