Charis und der Unverpackt-Laden – ein Selbstversuch

Charis kennst Du vielleicht schon. Sie will nachhaltiger leben. Diese Woche nimmt sie uns mit in den Unverpackt-Laden.

Charis im Unverpackt-Laden

Liebe Katharina,

Ich will Dich teilhaben lassen an unserem kleinen Experiment:

Eine Woche einkaufen ohne Verpackungsmüll. Das war der ambitionierte Plan.

Bei uns um’s Eck gibt es einen Unverpackt-Laden. Dort kriegt man alles für den täglichen Bedarf-  von Butter, über Nudeln bis zur Seife – ohne die üblichen Verpackungsberge. Theoretisch könnte ich also ohne Verpackungsmüll zu produzieren durch die Woche kommen.

Praktisch sieht das dann so aus: Man geht mit seinen Behältern in den Laden. Die werden gewogen und kriegen ein Etikett aufgeklebt. Dank Etikett wird dann an der Kasse automatisch das Gewicht des Behälters abgezogen. Manches ist auch im Unverpackt-Laden verpackt. Die Verpackung ist dann aber wiederverwendbares Glas. Milch, Joghurt, Marmelade, Honig etc. kann man, wie man es aus dem Supermarkt kennt, im Glas mit nach Hause nehmen. Eine allzu große Umstellung  erwartete uns was das betrifft also nicht.

Wie wir die verpackungsfreie Woche erlebt haben, will ich dir jetzt erzählen.

Erster Vorteil: Regional, saisonal, bio!

Fast alles, was es im Unverpackt-Laden zu kaufen gibt, sind Bioprodukte, die weitestgehend aus der Region kommen. Das schmeckt nicht nur lecker, ich kann auch alles guten Gewissens dem WunderBabyTerrorMädchen anbieten. In anderen Läden, muss man meist sehr genau schauen, was bio ist und was woher kommt. Hier, im kleinen Laden ohne Verpackung, muss ich nicht drüber nachdenken.

Bewusster konsumieren

Einkaufen geh ich zwar gern mit Liste, aber im Supermarkt werde ich dann fast jedesmal verführt noch dies und das zu kaufen. In diesem Maße ist das im Unverpackt-Laden nicht möglich. Ja, es gibt auch Süßes. Aber keine Quengelzone, bei der all die ungesunden Leckereien (in Plastik) einladend auf Kindes Augenhöhe stehen. Das Angebot ist auch immer mehr oder weniger gleich. Es wird mir also nicht passieren, dass ich beim Eier kaufen schnell noch eine Strumpfhose und einen Kochtopf mitnehme. Wirklich nur das Nötige zu kaufen, fällt mir im Unverpackt-Laden nicht schwer.

Ein bisschen mehr Planung gehört natürlich auch dazu. Fertigprodukte oder eine riesige Auswahl Süßigkeiten gibt es nicht. Selber kochen und backen ist angesagt. Wenn man wie ich, öfter mal vom Heißhunger auf Süßes gepackt wird, dann kann der Unverpackt-Laden die Lösung oder die große Qual sein. Schnell einen Schokoriegel auf die Hand krieg ich da nicht. Aber einen leckeren Cookie. Auf Dauer zu langweilig? Dann heißt es backen. Oder kreativ werden: Marmelade im Joghurt oder auf Brot, Schokomüsli statt Schokoriegel – das ersetzt schon mal eine süße Knabberei.

Verzicht vs. Neues entdecken

Ja, auf manch geliebte Leckerei muss man verzichten. Schadet der Gesundheit sicher nicht. Dafür wird man mit Neuentdeckungen belohnt. Ehrlich gesagt, kannte ich gelbe Beete vorher nicht.  Wie gut die auf dem Gemüseblech aus dem Backofen schmeckt! Auch gelbe Rüben, (nicht Karotten, sondern tatsächlich gelbe Rüben) Steckrüben, Kohl und Pastinaken stehen nicht immer auf meinem Speiseplan. Aber, wenn es die Saison nun mal hergibt, kann man die lecker verarbeiten. Falls neue Rezeptideen dafür fehlen, kann man sich einen informativen Zettel mitnehmen, oder  man fragt gleich die netten Menschen hinter der Ladentheke.

Neuland Kosmetik

Das Duschgel in der Plastiktube gegen eine gute Seife zu tauschen ist nicht allzu schwer. Anderes ist aufwändiger und bedarf der Gewöhnung. Die Deocreme im Glas kannte ich schon. Man kann aus verschiedenen Duftnoten oder einer duftfreien Variante wählen. Mit knapp zehn Euro ist das kleine Gläschen ziemlich teuer. Es hält allerdings auch lange. Die Wirkung ist, meiner Erfahrung nach ähnlich, wie bei anderen (aluminium-freien) Deos. Das ist also definitiv schon mal eine Alternative.

Statt Zahnpasta gibt es kleine weiße Tabletten, die man zerbeißt und die dann ein wenig schäumen im Mund. Sehr gewöhnungsbedürftig.

Abschminktücher waschbarInteressant finde ich die alternativen Wattepads. Ich hab eine Packung mit zehn solcher ökologischer Wattepads erstanden. Sie entfernen Make-Up nur mit Wasser. Für wasserfestes Make-Up kann man die Reinigungslotion direkt auf das Pad geben. Bis zu 300 Mal soll man diese Pads wiederverwenden können. Nach Gebrauch werden sie in der Maschine gewaschen. Das sollte man allerdings im Wäschesäckchen tun, sonst verschwinden sie in den Untiefen der Waschmaschine.

Plastikfreies ShampooFür mich am problematischsten war die Haarseife. Statt Shampoo aus der Plastikflasche benutzt man ein Stück Seife. Ich habe mich beraten lassen und eine Seife genommen, die im Rückfettungsgrad für Haarseifen-Anfänger wie mich geeignet sein soll. Das Ergebnis war…gewöhnungsbedürftig. Die Seife schäumt erstaunlicherweise sogar etwas. Die Haare fühlen sich auch sauber an. Sie sind aber schwerer als gewohnt und, nun ja, irgendwie gefühlt fettig. Ich habe eine Woche lang durchgehalten. Habe nach dem Waschen auch mal eine sogenannte Rinse mit Essig probiert. Mich hat das Ergebnis nicht überzeugt. Ich hab mich irgendwann nur noch unwohl gefühlt. Vielleicht dauert der Umstieg länger. Oder ich brauch noch ein paar Expertentips. Für mich ist das Experiment Haarseife jedenfalls erstmal gestorben. Der Liebste kommt aber ganz gut damit zurecht. Vielleicht ist es eine (Haar-)Typfrage.

Die finanzielle Seite

Die Produkte sind im Vergleich zum Supermarkt meistens teurer. Vergleicht man z.B. Nudeln mit dem gleichen Produkt im Discounter oder Supermarkt, zahlt man dort wesentlich weniger. Wenn ich aber mit Bioprodukten vergleiche, wird der Unterschied schon geringer. Und nimmt man dann noch eine besondere Biomarke, kann es sein, dass der Unverpackt-Laden günstiger ist.

Ich habe als Beispiel mal Nudeln (Penne oder Fusilli) und Butter in den verschiedenen Läden verglichen:

  • Nudeln im Unverpackt-Laden: 0,35€ pro 100g
  • solche der Bio-Eigenmarke im Supermarkt: 0,198€ pro 100g
  • Nudeln einer gehobeneren Biomarke im Supermarkt: 0,478€ pro 100g

 

  • Die Bio-Butter war im Supermarkt mit 1,24€ pro 100g nicht viel billiger als die
  • unverpackte Bio-Butter mit 1,29€ pro 100g.

Einkaufen im Unverpackt Laden - ein Selbstversuch um nachhaltiger einzukaufen und plastikfrei zu leben

Einkaufen im Unverpackt Laden - ein Selbstversuch um nachhaltiger einzukaufen und plastikfrei zu leben
Einkaufen im Unverpackt Laden - ein Selbstversuch um nachhaltiger einzukaufen und plastikfrei zu leben

Mein Fazit nach einer Woche Unverpackt-Laden

Ich muss gestehen: Wir haben etwas gemogelt. In der Woche, in der wir den Unverpackt-Laden getestet haben, hatten wir Besuch, und der ist nicht nur für sich selbst in den Supermarkt gegangen, sondern hat auch uns immer mal etwas mitgebracht.  So richtig vermissen mussten wir also nichts. Davon abgesehen: Es lohnt sich. Ich trage dazu bei, das für unser Umweltsystem so schädliche Plastik zu reduzieren und konsumiere gleichzeitig bewusster. In Zukunft möchte ich mehr im verpackungsfreien Laden kaufen. Allerdings kann und will ich dabei nicht dogmatisch werden. Discounter, Wochenmarkt und Drogerie gehören genauso zu unserem Leben. Außer wir sollten doch eines Tages auf einem Selbstversorger-Hof leben. Aber das ist eine ganz andere Geschichte….

Liebe Grüße,

Deine Charis

Eine Liste der  Läden mit einem unverpackten Sortiment in Deiner Nähe findest Du hier

Und falls Du keinen  solchen Laden in der Nähe hast, aber trotzdem zum Beispiel die wiederverwendbaren Wattepads, das Seifenshampoo oder das Deo testen möchtest, dann kannst Du das alles auch ganz bequem online bestellen. Dann ist es zwar in Pappe verpackt für den Transport, sollte aber weiterhin ohne Plastik auskommen.  : Dies ist ein Affiliate-Link. Dass bedeutet, dass wenn Du über diesen Link etwas kaufst, mir der Shopbetreiber eine kleine Provision zahlt.

2 Gedanken zu “Charis und der Unverpackt-Laden – ein Selbstversuch”

  1. Hey Charis,
    vielen Dank für den tollen Artikel!

    Mir ging es ähnlich wie dir als ich angefangen habe häufiger mal im Unverpackt Laden einzukaufen. Ich habe viele neue Dinge gefunden ganz besonders was saisonales Gemüse angeht. Mit der Kosmetik bzw. dem Deo habe ich mir auch etwas schwer getan.

    Mittlerweile mache ich mir mein Deo aber einfach selber, dass ist denn doch deutlich günstiger und geht einfach und unglaublich schnell… außerdem kann ich bestimmen was rein kommt und wie es riechen soll. Voll gut. 🙂

  2. Schöner Artikel! Ich besitze auch einige dieser Produkte😉 Ein absoluter Tip für das Haarewaschen ist die Haarseife von Lush! Sie steht dem Shampoo in nichts nach, schäumt super und man hat auch danach ein gutes Gefühl! Wir haben schon einige Überzeugte in der Familie! Viele Grüße!!!

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