Wie käuflich sind unsere Kinder? Erziehungsfragen

Ist Dein Kind käuflich? Hält es etwas aus, das ihm unangenehm, vielleicht auch richtig schlimm ist – und wird dafür bezahlt? Um Gottes Willen – nein! werden die meisten sagen. Sicher? Also mir begegnet das oft: Dass Kinder eine Belohnung bekommen dafür, dass sie nicht geweint haben. Dass sie Gummibärchen fürs Still-halten kriegen. Und ein Spielzeug, wenn der Arzt ihnen eine Spritze gegeben hat. Ist das schlimm?

Welche Signale senden wir damit an unsere Kinder?

Im Endeffekt bezahlen wir unsere Kinder dafür ihre Gefühle nicht zu zeigen. Wir entschädigen sie mit Essen oder Spielzeug für Schmerzen. Das finde ich ehrlich gesagt ziemlich schlimm. Ja: Es ist einfach, ein Kind ruhig zu stellen, indem man gleich ein leckeres Eis in Aussicht stellt und ja: Das hab ich auch schonmal im Affekt gemacht. Ohne dass ich drüber nachgedacht habe und es erst danach reflektiert, dass ich meinem Kind damit unterstelle käuflich zu sein. Es steckt einfach in uns drin. Wir wollen die Kinder in bester Absicht fröhlich machen und Weinen vermeiden. Aber macht das auf Dauer wirklich Sinn? Seine Gefühle zu unterdrücken und sich für etwas, das einem selbst wiederstrebt, “bezahlen” zu lassen? Also ich will das für meine Kinder nicht. Und da sind wir wieder beim ernst nehmen der Kinder. Kinder sind stärker als wir oft denken, wir müssen sie nicht für dumm verkaufen.

Neulich so, als meine Tochter im Krankenhaus war und ehrlich Schmerzen hatte – ich weiß das, weil ich sie kenne. Da sagte Ärzte und Schwestern in allerbester Absicht: “Lass mich mal hinfassen – ich tu Dir nicht weh”. Und dann taten sie es – logisch – doch. Weil die Haut bei jeder Berührung schmerzte. Warum lügt man ein Kind da an? So verspielt man Vertrauen. Warum sagt man ihm, dass eine Spritze nicht schlimm ist? Warum gibt man ihm das Gefühl, dass ihn ein Bonbons über das Blutabnehmen hinwegtröstet? Suggeriert ihm käuflich zu sein?

Wie können wir also unsere Kinder stärken?

Wie bei jedem Wutanfall, bei jeder Traurigkeit, bei jedem Schmerz sollte man es auch hier machen: Das Kind zugewandt begleiten, Gefühle zulassen, dem Kind zeigen, dass wir bei ihm sind, dass er oder sie es schafft; dass eine Untersuchung oder eine medizinische Behandlung manchmal eben notwendig ist und dass Mama und der Arzt nur das Beste für es wollen – auch wenn das im Moment unangenehm ist. Dieser Gedanke ist natürlich komplex, aber ich bin davon überzeugt, dass Kinder ihn schaffen. Sie spüren, ob ihre Eltern sicher sind oder ob sie innerlich mitweinen und das Belohnungseis am liebsten selbst verdrücken würden.

Wir sollten stark sein und unsere Kinder bestärken. Ihnen sagen, dass wir ihr Gefühl kennen, dass wir Spritzen auch nicht mögen und dass wir bei ihm bleiben, bis sich das Kind besser fühlt – und noch darüber hinaus. Wir sollten die Kinder in ihrem Mut bestärken, die Situation zu meistern: Indem wir unseren Kindern das Gefühl geben, dass sie stark sind – und nicht indem wir ihnen signalisieren, dass sie Zucker, Spielzeug oder Ablenkung brauchen, um eine schlechte Situation zu überstehen.

Verstehst Du was ich meine? Oder findest Du ich übertreibe?

Interessiert Dich das Thema? Vielleicht magst Du dann auch das hier lesen: Ich wurde neulich darauf Aufmerksam gemacht, dass wir unseren Kindern zu viele Fragen stellen… Findest Du Dich da auch wieder?

 

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4 Gedanken zu “Wie käuflich sind unsere Kinder? Erziehungsfragen

  1. Als unsere Tochter 1 Jahr alt war musste sie in die Kinderklinik wegen einem Abszess. Es ist eine schmerzhafte Angelegenheit. Sie wurde operiert und die Wunde musste immer ausgespült werden, was sehr weh getan hat. Eine Entschuldigung oder eine Entschädigung hat sie da nicht bekommen. Statt dessen habe ich ein Kind bekommen, das bei jeder Berührung von fremden Angst hatte, besonders vor Ärzten.

    Wir haben eine sehr einfühlsame Ärztin, die ihr ein Vertrauen zurück gegeben hat. Sie erklärte immer, was sie macht. Wenn es eine Spritze geben musste sagte sie, es piekst ein wenig und das Aua geht gleich weg. Sie hat auch am Schluss immer Süßigkeiten verteilt, in einem Delfin, der bei dem Öffnen quikte. Das hat meinem Kind sehr gefallen und sie hat immer schon darauf gewartet hinein greifen zu können. Bei jeder U und auch bei anderen Wehwehchen hat sich mein Kind sogar gerne untersuchen lassen, weil sie den Delfin öffnen wollte.

    Ein Arzt kann nur durch solche Belohnungen ein Kind motivieren mitzumachen. Es muss aber wie schon angesprochen hygienisch sein. Er sollte auch ehrlich sein, wenn z. B. Eine Spritze weh tut oder sich ein gebrochenes Bein ansehen muss. Mitgefühl ist sehr wichtig.

    Ich finde aber ein Kind hat eine Belohnung oder Entschädigung oder Entschuldigung verdient.

  2. Guter Punkt. Vermutlich kann man es gut als “einen Tag miteinander verbringen und dabei etwas zusammen durchstehen und auch etwas Schönes machen” . Deklarieren. Dann fände ich es mehr als schön. Und DU hast Recht: Ärzte sollten keine Geschenke als Entschädigung verteilen. Unverpackt?! uargh!

  3. Hallo.
    Ich finde deinen Ansatz wirklich sehr interessant und werde mir mal dazu ein paar Gedanken machen. Meine Kinder dürfen weinen und auch wenn ich ihnen ein großes Eis versprechen würde, sie würden trotzdem weinen. Ich denke eher so, manchmal belohnen wir uns doch auch für etwas unangenehmes, oder? Sie dürfen weinen, eine Spritze ist doof und ein Eis kann es nicht ändern, aber nach etwas blöden folgt etwas tolles und die Welt ist wieder in Ordnung.
    Was ich allerdings gar nicht mag, ist wenn ein Arzt Süssigkeiten verteilt, da hast du durchaus recht, er tut dem Kind weh mit einer Spritze o. Ä. und sagt mit einem kleinen Geschenk, dass es doch voll Ok ist, solange er sich dafür “frei kauft”. Dies ist wirklich keine tolle Symbolik!
    Eklig ist es auch, wenn der Arzt nach der Behandlung in ein offenes Glas greift und den Kindern ein unverpacktes Gummibärchen gibt! Da können ja nur noch 1.000.000 Bazillen dran sein! Furchtbar und genauso erlebt! Hab mich so geekelt!
    LG Natalia

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