Wenn Kleinkinder beißen: So gehst Du souverän damit um

Mein Sohn hat im letzten Jahr ziemlich viel gebissen. Wenn er irgendwo durchwollte, wenn ihm jemand nicht das gegeben hat, wonach er verlangt hat und manchmal auch, wenn er sich nicht verstanden fühlte. Ganz vorbei ist die Phase immer noch nicht. Und wenn er seine Zähne fletscht nimmt seine Schwester immer noch Reißaus. Aber es wird schrittweise besser. Als ich mal ein Foto einer Bisswunde auf instagram gepostet habe, haben sich so viele andere Mütter gemeldet, deren Kinder auch kleine Beißer sind. Und auch Steffi hat mich angeschrieben. Als Diplompädagogin und Familiencoach kennt sie sich aus und so kommt es dazu, dass ich heute sehr stolz meinen ersten Gastbeitrag verkünden darf: Ich präsentiere feierlich: Stefanie Wenzlick  vom Blog „Emmali Blog – entspannt erziehen und glücklich leben“ und ihren Artikel:

Kinder, die beißen sind nicht „böse“

Manchmal passiert es. Manchmal schubst, haut oder kreischt ein Kind zwischen 2 und 5 nicht nur, sondern es zwickt oder beißt sogar. Und schon ist es passiert. Andere Mütter machen deutlich, dass das so nicht gehe, dass etwas getan werden müsse, dass dies unter keinen Umständen noch einmal passieren dürfe.

Geschah es im Kindergarten wird nicht selten umgehend ein ernstes Gespräch mit den Eltern des „aggressiven“ Kindes geführt. Und die Eltern des Kindes fühlen sich beschämt und unsicher und können gar nicht verstehen, wie ihr Kind so etwas tun konnte.

Kommt dir das bekannt vor? Hat dein Kind schon einmal gebissen?

Ich möchte dir heute ein bisschen Mut machen und dich beruhigen. Natürlich ist es für das gebissene Kind bzw. den gebissenen Elternteil alles andere als angenehm oder positiv. Es tut weh und es sollte gemeinsam ein Weg gefunden werden dies in Zukunft zu verhindern. Vorwürfe, Strafen, Ausgrenzen oder Ausschimpfen werden dies aber wohl eher nicht schaffen. Ebenso wenig, wenn die Eltern des beißenden Kindes unter Druck gesetzt werden dies sofort abzustellen. Wie denn auch? Ein Kind ist doch keine Maschine mit Ein- und Aus-Schalter. Ein genauer Blick, Verständnis und Hilfestellung sind hierbei, v.a. auf lange Sicht, die deutlich bessere Wahl. Warum beißt ein Kind denn? Weil es böse und aggressiv ist? Weil es unbedingt jemanden verletzen will? Wirklich?

Warum beißt mein Kind

Die meisten Kinder im Alter von 2-5 Jahren können sich verbal noch nicht richtig ausdrücken. Sie können nicht diskutieren, ihren Standpunkt deutlich machen, ihre persönlichen Grenzen verbal aufzeigen. Sie können noch nicht wie Erwachsene (oder zumindest die meisten Erwachsenen) ihre Gefühle sachlich ausdrücken und dabei „vernünftig“ bleiben.

Und wenn ein Kind dann tagtäglich hört, dass es dies und das noch nicht kann oder darf, dass es wieder einmal nicht mitspielen darf oder dass es sein Spielzeug teilen soll, dann wird es frustriert. Es wird wütend. Und manchmal, wenn all diese Situationen und Gefühle geballt auftreten, sehen diese Kinder keinen Ausweg mehr, wissen nicht wie sie ihre persönlichen Grenzen, ihr „Nein“ oder ihren Frust ausdrücken sollen. Also bleibt nur noch eine Strategie übrig, die körperliche, und so schlagen oder beißen sie. Denn diese Handlung bewirkt etwas, sie setzt ein Stopp; endlich sehen auch die anderen, dass hier etwas nicht stimmt.

Was man tun kann, wenn das Kind beißt

Doch leider neigen die anwesenden Erwachsenen dann dazu, das Kind sofort zu bewerten, zu verurteilen und auszuschimpfen, ohne genau hinzusehen, was denn zu dieser Handlung bzw. diesem Verhalten geführt hat. Welches Bedürfnis dahinter steckt, das nicht gesehen oder ignoriert wurde.

Dabei ist Ausschimpfen, Strafen und einen Stempel aufdrücken (z.B. das Kind ist aggressiv, hat kein Benehmen, ist böse usw.) genauso negativ wie das Beißen selbst. Noch dazu wird dem Kind dadurch vermittelt bzw. mitgeteilt, dass es nicht um Hilfe rufen darf. Denn genau das tut es mit einer derartigen Verhaltensweise. Es ist in innerer Bedrängnis, niemand bemerkt es und so beißt oder haut es eben. Dies tut es allein für sich, um einen Ausweg aus der jeweiligen Situation zu schaffen; es tut es nicht gegen das andere Kind, um es zu verletzen, sondern um sich selbst zu schützen.

Sei schlau und schau genau

Egal, ob dein Kind nun selbst gebissen hat oder gebissen wurde: sich nur auf das Verhalten (also das Beißen) zu konzentrieren, es abzulehnen und zu verbieten, wird wenig Erfolg haben. Für alle Beteiligten, Eltern und Erzieher ist es auf lange Sicht wesentlich erfolgreicher und positiver, zu hinterfragen, wie es dazu kam. Nicht, indem das Kind wütend oder anklagend, nach dem „Warum“ gefragt wird, sondern indem sich die Erwachsenen selbst Folgendes fragen:

  • Welches Bedürfnis steckt dahinter?
  • Welche Hilfestellung kann ich dem Kind geben, um seine Gefühle zu benennen und zu regulieren?
  • Werden bei uns (zuhause oder im Kindergarten) die sog. negativen Gefühle zugelassen?
  • Wie können wir gemeinsam mit unseren Kindern die Fähigkeit entwickeln mit den oft widersprüchlichen Gefühlen umzugehen ohne andere zu verletzen?

 

Mir ist bewusst, dass dies nicht immer leicht ist, weil auch wir Erwachsenen von vielschichtigen Dingen im Außen und Innen geleitet werden, wie z.B. den Erwartungen der Gesellschaft an uns und unser Kind (konsequent sein, höflich, angepasst, leise usw.), sowie unsere eigene Erziehung.

Und natürlich haben gerade die Eltern Sorge, dass das eigene Kind vielleicht immer so ein Verhalten zeigen wird, Nachteile dadurch erfahren oder im schlimmsten Fall später ein Schlägertyp werden wird. Doch diese Ängste sind in diesem Zusammenhang unbegründet und du kannst sogar aktiv etwas dagegen tun, indem du die Integrität deines Kindes wahrst und seine Resilienz stärkst (mehr dazu auf meinem Blog).

Mein Rat für dich

Wenn dein Kind sich also auf dem Spielplatz, im Kindergarten oder dir selbst gegenüber aggressiv verhält, dann halte inne und schau genau hin, was es dir damit sagen will. Womit kommt es aktuell nicht alleine zurecht, womit ist es vielleicht gerade überfordert oder fühlt es sich vielleicht in die Ecke gedrängt?

Biete ihm deine Hilfe an, verbalisiere seine Gefühle und übe alternative Wege mit ihm ein um seinen Frust auszudrücken. Dies alles ist ein Lernprozess für euch beide und nach und nach wird dein Kind andere Wege finden Wut, Frust usw. auszudrücken. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass du deinem Kind möglichst wertfrei gegenüber trittst, seine Gefühle ernst nimmst und annimmst.

Ich hoffe der Artikel hilft dir ähnliche Situationen etwas weniger negativ zu bewerten und dein Kind mit seinen negativen Gefühlen und seiner Wut besser anzunehmen. Ich wünsche dir jetzt alles erdenklich Gute für dein Familienleben und würde mich freuen dich auf meinem Blog oder in einem meiner Online-Kurse wieder zu treffen.

Herzliche Grüße

Steffi

Buchempfehlung für Jungen und Mädchen, die beißen

Zur Person:

Steffi ist Erziehungswissenschaftlerin, Mütter- bzw. Elterncoach und selbst 3-fache Mama. Auf ihrem Blog „Emmali Blog – entspannt erziehen und glücklich leben“ findest du viele Erziehungstipps, Inspirationen für Mütter und besondere Empfehlungen für ein positives Familienleben. Neben den Blog-Artikeln und kostenlosen Downloads, bietet sie auch Online-Videokurse und individuelle Coachings an.

Und wenn Du lesen magst, wie gelassener Erziehen für uns geht, dann schau mal hier.

13 Gedanken zu “Wenn Kleinkinder beißen: So gehst Du souverän damit um

  1. Meine Tochter (3 Jahre) beißt eigentlich nur mich, wenn ich „nein“ sage zu etwas was sie gerade will, oder auch manchmal aus Übermut, wenn sie am toben ist, oder zum Spaß, wenn sie hinter mir her geht und gut gelaunt ist. Alle drei Situationen sind verschiedene Gefühlszustände.
    Egal, in welcher Form ich es versucht habe. Sie macht es immer wieder!ich kann ihr aber nicht immer ihren Willen lassen (meist geht es um Fernsehen oder Schokolade). Und toben und spielen möchte ich auch gerne mit ihr! Mittlerweile verliere ich aber die Geduld. Es ist sehr schmerzhaft und ich habe überall blaue flecke! Ich schicke sie weg und dann weint sie. Sie kommt, dann auch immer wieder und sagt, dass sie keine Chance nicht mehr beißt und das sie wieder lieb ist. Bis zur nächsten Situation und es geht von vorne los.
    LG Kerstin

    • Hallo Kerstin, ich versteh Dich sehr gut. Kinder bringen uns immer wieder an unsere Grenzen. Da sitzen wir alle im gleichen Boot. Ich glaube das entscheidende ist für uns Eltern zu verstehen, dass Kinder in dem Alter einfach ein völlig anderes Verständnis haben als wir. Erst mit ungefähr vier Jahren können Kinder sich in andere Menschen hineinfühlen und begreifen, was “jemandem weh tun” bedeutet.
      Ich versuche meinem Kind immer dabei zu helfen seine Gefühle einzuordnen. “Ich merke, dass Du sauer bist, das versteh ich auch. Ich war auch schon mal sauer. Du kannst schreien oder auf den Boden stampfen. Aber beißen geht nicht! Das tut mir weh” Oder so etwas in der Art.
      Was das Toben und Spielen angeht, so zeige ich immer wieder: Sobald er beißt, hör ich auf. Dann ist das Spiel zu Ende. Natürlich gibt´s dann manchmal Tränen. Ich tröste und versuche mit wenigen Worten zu erklären. Wenn er sagt, dass er nicht mehr beißt, dann spielen wir weiter.
      Ich bin der tiefen Überzeugung, dass es auf lange Sicht besser ist, ruhig zu bleiben. Kinder spüren mit welchem Verhalten sie Reaktionen in uns hervorrufen. Und dann kann aus der Beißerei – meiner persönlichen Erfahrung nach – auch schnell ein eigenes Spiel werden.
      Viel Glück weiterhin und alles Gute!
      Katharina

  2. Hallo Steffi, hallo Katharina,

    vielen Dank für die den Artikel. Ich finde es auch sehr wichtig, das Verhalten von Kindern auch zu hinterfragen und nicht einfach nur abzustrafen. Allerdings glaube ich auch, dass konsequentes Reagieren auf die Situation genauso wichtig ist. Ich beziehe mich auf die Passage, in der von “Innehalten” die Rede ist. Vielleicht habe ich es auch falsch verstanden. Ich möchte nur deutlich machen, dass ich Abwarten und Zögern in solchen Konfliktsituationen als die denkbar schlechteste Strategie empfinde. Dass man aber nicht gleich lospoltern sollte und sich ruhig mit dem Kind auseinandersetzen muss, sehe ich genauso wie ihr.

    Meine Strategie bei meinen zwei Jungs (6 1/2 und 2 1/2 Jahre) ist folgende: Ich hole zunächst beide aus der Situation raus, also räumlich, indem ich sie auf mind. 1 m Abstand bringe. Dem Kleinen (der eigentlich immer der “Übeltäter” ist) sage ich bestimmt, aber nicht laut, dass das so nicht geht. Dass er seinen Bruder fragen kann, wenn er etwas haben möchte. Mein Sohn tendiert zur Zeit besonders dazu laut loszubrüllen, wenn ihm etwas nicht passt. In diesem Fall verlasse ich mit ihm den Raum oder setze ihn in seinen Hochstuhl, falls der Große noch Trost oder ein Gespräch braucht.

    Am wichtigsten ist für mich jedoch, diese Situation für beide Jungs versöhnlich zu beenden. Sobald sich der Kleine beruhigt hat bringe ich beide Jungs wieder zusammen, der Kleine muss sich beim Großen entschuldigen und wir üben, wie der ursprüngliche Konflikt anders hätte ablaufen können. Dann bekommen beide einen Kuss…

    Ein kurzes Wort noch zum cholerischen Mann: ich finde es ehrlich gesagt schlimmer, dass ihr euch in dem Moment, wo das passiert nicht einig seid. Wenn Dein Mann sich beruhigt hat, solltest Du vielleicht erstmal mit ihm kurz sprechen und ihm nahelegen, dass er das Ganze nochmal in Ruhe mit den Jungs besprechen könnte. Diese Strategie funktioniert bei meinem Mann jedenfalls prima 😉

    So, genug geschrieben!

    Liebe Grüße sendet Antonia

    • Hallo Antonia, danke für Deine Schilderungen. Ruhig zu bleiben ist glaub ich das entscheidende. Ich versuche immer die Situation nicht weiter aufzuputschen. Ich glaube das hat Steffi damit gemeint. Das Beißen nicht wichtiger zu nehmen als es ist. Es ist eine Phase, die vorbeigeht…..
      Ich finde es macht Sinn wie Du es beschreibst dass man das nochmal durchspielt und richtig drüber redet. Entschuldigen müssen sich meine Kinder nicht beeinander. Ansonsten stimme ich Dir in vielen Punkten zu. 😉
      Viel Glück weiterhin
      Liebe Grüße
      Katharina

  3. Hallihallo!
    Ich danke erstmal für den wundervollen Artikel! Leider fehlt für mich ein praxisorientierter Teil – ruhig bleiben und schauen = keine Sache, aber was dann? Was soll ich meinem vierjährigen Sohn sagen, der immer wieder seinen 6-jährigen Bruder beißt, obwohl dieser fast immer gewillt ist, seinem kleinen Bruder jeden Wunsch zu erfüllen?
    Es läuft immer so ab: die beiden spielen in aller Ruhe mit ihrem Lego und irgendwann hören wir den großen vor Schmerz kreischen. Natürlich aben auch wir immer nach dem Warum gefragt und dann als Antwort bekommen, dass der Kleine irgendein Legoteil haben wollte. Wenn wir die beiden aber (heimlich) beobachten, ist nahezu nie zu sehen, dass ihm der “Große” irgendwas verwehren würde…
    So viel zu den Kindern…
    Ich weiß hier eigentlich schon nicht, wie ich das beenden könnte. Aber zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass mein Mann cholerisch veranlagt ist und wenn er nach solch einer Beißattacke zuerst im Kinderzimmer ankommt, muss ich zusehen, dass ich unseren Kleinen UND meinen Mann beruhigt bekomme. Mein Mann schlägt ihn nicht, schreit ihn aber an, reißt ihn unsanft hoch und hält ihn schimpfend oben. Das ist jedesmal wirklich furchtbar für den Kleinen und mich. Ich versuche dann, ihn möglichst schnell von meinem Mann zu befreien, ihn zu trösten und meinem Mann zu erklären, dass diese aggressive Reaktion das Beißen des Kleinen doch regelrecht legitimiert: Warum sollte der Vierjährige etwas nicht dürfen, dass sein Vater ihm doch auch antut?
    Und dann darf ich mir anhören, dass ich lieber unseren Großen trösten sollte anstatt den, der gebissen hat… ich würde sehr gerne den Gebissenen trösten, aber der ist dann eigentlich immer schon längst wieder ruhig, manchmal spielt er sogar trotz der erschreckenden Szenerie im Hintergrund wieder mit dem Lego…
    Was soll ich nur tun? Prinzipiell weiß mein Mann ja, dass ich recht habe, aber es fällt ihm sehr schwer, ruhig zu bleiben. Er bräuchte einen praktikablen Vorschlag: was könnten wir tun? Wie uns verhalten? Was sagen?
    Wenn ich mit den Jungs alleine bin und mich um solch einen Fall kümmern muss, dann nehme ich den Großen erstnal in den Arm. Aber was soll ich mit dem Kleinen machen? Ich habe schon lange damit aufgegeben, nach der Ursache des Streits zu forschen, da ich selten zu einem Punkt kam, an dem irgendwas “eindeutig” war. Zumal dieses Forschen irgendwie immer zu schnell in die Richtung “Wer ist der Schuldige?” ging.
    Und selbst wenn ich am Ende dann weiß, dass der Vierjährige ein Legomännchen wollte, das der Sechsjährige gerade hatte… Was dann? Ich kann dem Großen ja schlecht sagen, er solle immer alles gleich seinem Bruder überlassen… und der Kleine ist dann auch nicht befriedigt, wenn er hören muss, was er schon weiß und was ihn wütend gemacht hatte: dass er das Männchen gerade nicht bekommen kann…
    Also was soll ich ihm sagen? Welche Verhaltens-Alternative anbieten? Letztlich muss er die Grenzen seines Bruders akzeptieren, aber wie kann ich ihm beibringen (außer fleißig das einzige Vorbild zu sein), seinen Frust adäquat zu verarbeiten?
    (Sorry für den doch sehr viel länger gewordenen Text…)
    Danke im Voraus! Und liebe Grüße!

    • Liebe Laura,
      danke für Deine Schilderungen. Ich glaube es ist wichtig, dass man den Kleinen nicht als “Täter” abstempelt. Solche Rollen können sich festigen. Gleichzeitig muss klargemacht werden: “In unserer Familie tun wir uns nicht gegenseitig weh.” Niemand. Das sage ich auch meinem kleinen Sohn immer wieder. Und zwar sehr bestimmt. In einem ersten Schritt würde ich mich daher immer um das “Opfer” der Beißattacke kümmern und es aufbauen. ich sage dann Dinge wie “Der Kleine weiß es noch nicht besser und kann sich noch nicht anders wehren. Wir müssen ihm das erst beibringen”. Und das stimmt ja auch. Meine große Tochter macht das dann sehr stolz. Dass sie mitmachen darf und eine wichtige Rolle hat.
      Außerdem geht es darum Verständnis für den Kleinen zu haben: Sich in seine Situation hineinzuversetzen. Die Übertragung in die Praxis wäre daher: Dem Jüngeren alternative Handlungsoptionen zu eröffnen. Er ist seinem Bruder vermutlich verbal unterlegen und hat gelernt, dass das Beißen die Art der Kommunikation ist, bei der er als Sieger hervorgeht. Ich kann das natürlich nicht beurteilen, weil ich Eure Familie nicht kenne, aber kannst Du Dir vorstellen, dass es so ist? Es hört sich etwas danach an….. Der Vater bestraft ihn am Ende dafür, dass er – eigentlich clever – als Sieger aus einem Streit gegangen ist. Ich würde versuchen, dem Kleinen zu signalisieren, dass Du ihn und seinen Ärger verstehst. Genauso deutlich würde ich aber klarmachen, dass Beißen keine Option ist. Und ihm dann zeigen, was er stattdessen machen kann. Wie er vielleicht Spielzeuge tauschen kann oder fest aufstampfen oder losschreien oder in den eigenen Pulli oder eine Decke beißen. Ich finde Kinder müssen auch ihre Gefühle zeigen und ausleben dürfen. Natürlich ist auch das Extrem möglich: Dass man sich gar nicht einmischt und die beiden das auskämpfen lässt. Da kommt es natürlich drauf an, wie stark die Bisse wirklich sind. Wehrt sich der Große denn?
      Dem Großen würde ich immer signalisieren, dass er nichts falsch gemacht hat. Dass er sich wehren darf, indem er laut Stopp sagt. Oft fallen Kinder zu leicht in die Opferrolle. Es ist wichtig, dass sie stark werden und lernen zu sagen: Das tut mir weh! Hör auf damit! Bei meiner Tochter habe ich gemerkt, dass sie meistens nur losgekreischt hat und der Kleine möglicherweise gar nicht gecheckt hat, dass es Schmerzensschreie und kein Lachen war.
      Was Deinen Mann angeht: Ich versteh ihn auch. Er ist eben – genau wie Du, vermutlich hilflos. Schreien und Drohgebärden helfen vielleicht kurz. Aber auf lange Sicht machen ruhige Lösungen ganz sicher mehr Sinn.
      Konnte ich Dir ein bisschen helfen?
      Liebe Grüße und viel Glück!
      Katharina

  4. Hallo. Meine Tochter ist jetzt 1,5 Jahre und schlägt mich immer wieder ins Gesicht. Was teilweise auch weh tut. Ich habe viel drüber nachgedacht was ich falsch mache oder was der Grund dafür sein könnte das Sie sich auf diese Art bemerkbar machen muss. Da ich bisher der Meinung war das ich Ihr genug Aufmerksamkeit und Liebe gebe. Sie kann ja auch noch nicht wirklich reden. Ich weiss da gerade nicht weiter wie ich mit diesem Verhalten umgehen soll. Versuche Ihr auch sanft und freundlich zu erklären das mir das weh tut und Sie mich nicht hauen soll. Aber es scheint Ihr dann umso mehr Spass zu machen. Hast du einen Tipp?

    • Ich würde es genauso so machen wie Du es beschreibst. Immer wieder ruhig sagen, dass wir uns nicht gegenseitig beißen oder hauen. Kinder in dem Alter sind noch nicht in der Lage sich in andere Menschen hinein zu versetzen. In welchen Situationen haut sie? Wenn Sie sich ärgert oder aus Spaß?

  5. Hallo Anne,
    ich weiß jetzt nicht wie alt dein Kind ist. So wie du es schilderst scheint es wie eine Kontaktaufnahme, also wie ein “Hallo, da bin ich”. Um das zu verändern, braucht dein Kind deine Anleitung, ruhig und ohne zu schimpfen. Zeig ihm, wie es anders Kontakt aufnehmen kann, greif sanft ein, wenn es beginnt hinzulaufen und zu beißen und zeig und sag ihm “Ach, du willst Hallo sagen? Schau mal, versuch es mal so und so…”
    Das wirst du einige Male machen müssen bis dein Kind es nach und nach umsetzen wird. Wichtig dabei ist tatsächlich, dass du ausgeglichen bist, wenn du das tust und nicht verärgert.
    Alles Gute
    Steffi

    • Hallo,
      Danke für die schnelle Antwort.

      Mein “Beißer“ ist 3 und seine Schwestern 5 Jahre sowie 7 Monate.

      Sie spielten bisher super miteinander, doch seitdem er in der Kita zu den “Großen“ gewechselt ist, passiert es öfter, dass er aus heiterem Himmel zubeißt, oder boxt.

      Eifersucht kann es auch nicht sein, denn jeder der 3 hat seine Alleine-Mamazeit.
      Und ausgeglichen scheinen sie auch…

      Wenn ich dann frage “warum beißt du jetzt, bist du ein Mensch oder Hund“ hilft das ein wenig…er denkt zumindest darüber nach und er gibt 2-3 Tage ruhe.

      Viele Grüße
      Anne

  6. Hallo
    Ja das hilft wirklich weiter

    Das es während des Spielens ein “nichtweiterwissen“ ist, ist mir bewußt, aber was run, wenn das Beißen vorsätzlich passiert?

    Wenn ein Kind rein kommt, und sofort in den Arm oder Rücken eines anderen Kindes beißt, welches ruhig und für sich in einer Ecke spielt und das Reinkommen des “Beißers“ noch nicht einmal bemerkt hat?

    Das habe ich noch nicht raus bekommen.

  7. Lieber Lucas,
    ja, dasselbe gilt für spucken, was aufgrund des “Ekelfaktors” noch negativer von der Umwelt gesehen wird. Habt Geduld und sprecht mit ihm kurz, freundlich und klar, weshalb Spucken so negative Reaktionen auslöst und haltet euch dann an oben genannten Tipp. Alles Gute für euch und danke für die positive Rückmeldung zum Artikel.
    Steffi

  8. Danke dafür!
    Mir war das eigentlich schon alles bewusst, doch so vieles rutsch wieder aus dem Bewusstsein heraus und dann wird geschimpft, getadelt und gedroht. Wie schäme ich mich nun dafür. Aber solche wertvollen Beiträge helfen mir wirklich weiter.
    Eine Frage: gilt das auch fürs Spucken? Mein Sohn spuckt zur Zeit für sein Leben gern und wir müssen gerade sehr viel Geduld aufbringen, diese Freude oder diese Ausdruckskraft in ihm zu akzeptieren.

    Beste Grüße

    Lucas

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