Mein Mann seine Karriere und ich und warum diese Überschrift für uns doch nicht passt

An sich sind wir ja alle total emanzipiert. Ist klar. Ich auch. Dachte ich immer. Und dann sitz ich jeden Abend allein zu Hause mit zwei kleinen Kindern und hab weniger Einkommen als vor der ersten Geburt. Ich seh zu, wie mein Mann karrieremäßig an mir vorbeizieht. Ich weiß, das ist kein Wettbewerb und trotzdem denk ich unwillkürlich: Das hol ich nie mehr auf. Und manchmal bin ich ein bisschen neidisch.  Berdien von bejewly hat eine Blogparade ins Leben gerufen, in der wir erörtern, wie und ob sich Frauen den Karrieren ihrer Männer unterordnen.

Obwohl ich eigentlich eigenständig bin und mein eigenes Ding mache, ist es doch meinem “Opfer” zu verdanken, dass wir eine Familie sind. Ich habe – wie die meisten Frauen – meine eigenen Bedürfnisse denen meiner Familie untergeordnet. Vermutlich liegt das daran, dass mein Hauptbedürfnis die Familie ist….. aber nacheinander.

Die Frauenkrankheit: Die Sache mit den Hobbys

Als ich mit meinem Mann zusammengezogen bin, habe ich nicht nur mein altes zu Hause und viele Freunde zurückgelassen – letzteres irgendwie leider gezwungenermaßen. Sondern ich habe auch meine Hobbys aufgegeben. Ich hatte bis dahin Saxophon gespielt – in einer Big Band und in einer irgendwie abgefahrenen Combo, die nach den obersten Zweigen der Canabis-Pflanze benannt war. Aber lassen wir das. Jedenfalls hab ich das Saxophon-Spielen geliebt. Jahrelang jeden Tag. Und dann zieh ich mit meinem Mann zusammen und lass das Saxophon einfach bei meinen Eltern. Glaubt man nicht, oder? Im Nachhinein kann ich es jedenfalls nicht glauben.

Aber leider ist dieses “eigene Hobbys hinter sich lassen” ein Phänomen, das ich bei vielen Frauen in meiner Umgebung wahrnehme. Spätestens wenn sie Mutter werden, aber meistens schon nach der Hochzeit gehören eigene Hobbys der Vergangenheit an. Aus Rücksicht ein bisschen – aber vor allem, weil uns Frauen offenbar wirklich daran gelegen ist, in die Schablone eines Mannes hineinzupassen. Mein Mann konnte mit Musik nichts anfangen. Ihm wäre es völlig wurscht gewesen, ob ich weiter Musik mache. Ich hab es einfach vorauseilend selbst nicht mehr gewollt. Das ist doch bemerkenswert. Bemerkenswert bescheuert. Aber doch wert bemerkt zu werden. Warum ich Dir das erzähle? Weil ich finde, dass es symptomatisch ist dafür, dass Frauen vorauseilend zurückstecken. Ich zumindest.

Meine Karriere

Meinen beruflichen Werdegang habe ich meiner Familie untergeordnet. Einmal war ich sogar kurz davor mein Studienfach zu wechseln, lange bevor ich Kinder hatte, weil ich es familienkompatibler gefunden hätte, Lehrerin zu sein. Ich hab´s dann nicht gemacht, aber allein schon der Gedanke…. Ich hab schon seitdem ich ungefähr 20 Jahre alt war geplant, wann ich am besten Kinder bekomme und wie ich die ersten Jahre gestalten könnte. Nach dem Bachelor habe ich keinen Master mehr gemacht, weil ich schnell arbeiten wollte. Weil ich erst etwas arbeiten wollte bevor ich Kinder bekommen würde. In die Frage welchen Beruf ich ergreifen würde habe ich meine Kinderplanung einbezogen. Blöd eigentlich und ziemlicher Quatsch im Nachhinein, denn wir haben mit Kindern dann doch so lange gewartet bis auch mein Mann eine feste Anstellung hatte. Da hätte ich auch noch weiterstudieren können.

Bevor die Kinder da waren

Vor den Kindern hab ich gearbeitet. Sehr viel. Als Referentin bei einer Abgeordneten, als Radiomoderatorin, als Redakteurin. Ich habe die Arbeit geliebt. ich habe den Kontakt mit Menschen geliebt. Eigentlich waren unsere Jobs – der meines Mannes und meiner – damals gleich wichtig. Hätte ich eine Anstellung in Schwaben, in München oder Ulm bekommen, wir wären umgezogen, genauso wie für seinen Job. Und kurz mal, während meiner Zeit im Radio, hatten wir auch den Plan, dass wir ein Kind bekommen sollten und mein Mann Elternzeit nehmen könnte und ich wieder arbeiten gehe. Doch die fehlende Sicherheit und mein zu geringes Einkommen haben uns abgehalten.

Als ich zwei Jahre später in einem Job feststeckte, der mir absolut nicht mehr gefiel und mein Mann gerade seine Verbeamtung in Händen hielt, war für uns beide der ideale Zeitpunkt für Kinder gekommen. Dass ich zu Hause bleiben würde war klar. Bei uns auf dem Land, in leitender Position und gerade erst im neuen Job war es für meinen Mann undenkbar zu Hause zu bleiben. Ich dagegen wollte in meinen alten Job eh nicht zurück.

Meine Selbständigkeit:

Zwischen den Kindern hatte ich zwar noch einen Teilzeitjob, aber ansonsten bin ich seit fünf Jahren selbständig. Es ist mein Traumjob. Ich schreibe, ich tüftle, ich plane, ich coache. Das macht Spaß und läuft gut. Aber ohne meinen Mann könnte ich davon nicht leben. Er bringt das meiste Geld nach Hause, er hat mehrere Nebenjobs und ist wirklich unheimlich fleißig um uns ein schönes Leben zu ermöglichen und das wurmt mich manchmal schon. Ich arbeite deutlich weniger als er, aber ich verdiene noch deutlich weniger. Ich kümmere mich privat um vieles und übernehme auch den Löwenanteil an Kinderbetreuung. Wenn wir uns trennen würden, würde sich mein Leben komplett ändern, denn ich müsste mir wieder einen festen Job suchen oder deutlich mehr Aufträge annehmen. Sein Leben würde sich kaum ändern. Und das ist schon ein komisches Gefühl.

Der Ausblick

Mit jedem Monat den die Kinder älter werden, wird meine Karriere wieder wichtiger. Zum Glück bestärkt mein Mann mich sehr. Wenn ich einen Auftrag habe oder einen Arbeitstermin gibt es nie Diskussionen, das geht vor. Da sagt er alles ab um Familienarbeit zu übernehmen. In vielen Familien erlebe ich das anders. Und es hat auch ein paar Jahre gedauert, bis ich gelernt habe, meine Bedürfnisse wichtig zu nehmen und nicht hintenanzustellen: Unterstützung einzufordern. Und dann fällt mir ein, warum die Überschrift auf uns und auf mich nicht passt: “Mein Mann, seine Karriere und ich”. Weil es gar keine seine und meine Karriere gibt.

Wir haben geheiratet, da war er gerade im dritten und ich im zweiten Semester. Wir haben alles zusammen gemacht. Ich habe dutzende Gesetzestexte (für ihn) neu sortiert, wir haben gemeinsam entschieden, Optionen durchdiskutiert. Wir haben Kredite aufgenommen und abgezahlt, wir haben Entscheidungen getroffen und Konsequenzen getragen. Wir haben einander Probe-Vorträge gehalten, gegenseitig zugehört und uns ehrliche Rückmeldung gegeben. Es gibt nicht seine Karriere und meine Karriere. Es gibt nur unser gemeinsames Leben, dessen Karrieren untrennbar verwoben sind. Wir sind ein Team. Mal profitiert der eine mehr und mal der andere. Jede Karriere ist zu unterschiedlichen Lebensabschnitten wichtig. In den nächsten Jahren wird sich wieder mehr um mich drehen und darum dass ich beruflich vorwärts komme. Das mit der Selbständigkeit versteht mein Mann zwar nicht. Aber das kümmert mich ja heute nicht mehr. Ich mach mein Ding. Und darauf freue ich mich.

4 Gedanken zu “Mein Mann seine Karriere und ich und warum diese Überschrift für uns doch nicht passt

  1. Vielen Dank für deinen Beitrag zur Blogparade! Das mit dem Saxophon finde ich wirklich schade (weil ich das Instrument sehr liebe!), aber der Rest hört sich für meine Ohren ganz gut an. Du vergisst dich selbst nicht und hast die Chance, etwas zu tun, was dir Spaß macht!
    Liebe Grüße
    Berdien

  2. Danke für diesen Einblick!

    Ich habe das Glück, dass mein Freund so gern Zeit mit seinen Kindern (mit seinem 10-jährigen und mit unserem gemeinsamen morgen 1-jährigen) verbringt. Er ist derzeit in Väterkarenz und ich kann mich um meine selbständige Arbeit kümmern. Die bringt aber eben zu wenig Geld ein! Da ertappe ich mich dann bei dem Wunsch, er solle wie andere Männer auch den Hauptteil des Haushaltseinkommens nach Hause bringen. Wie blöd eigentlich!!!!!!! Ich wünsche mir eben finanzielle Sicherheit – mit kreativer Arbeit und Fokus auf die Familie (von beiden) gibt es die in unserer Gesellschaft eben nicht, oder weniger. Andere Qualitäten zählen. Das ist manchmal eine ganz schöne Herausforderung. Aber ich mache dann doch weiter, bin dankbar und wer weiß! Vielleicht hebt ja meine kreative Arbeit doch irgendwann so richtig ab!…. :-/

    Das mit den Hobbys kommt mir bekannt vor. In wirklich jeder Beziehung, so sehr sie auch von Beginn an zum Scheitern verurteilt war, habe ich meine Interessen zurückgesteckt und mich angepasst. Wahrscheinlich auch aus Angst, allein zu bleiben, wenn ich nicht zu einem dazu passe. Blöd war nur, dass es weder mir noch der Beziehung damit gut ging. Das war meist schneller vorbei, als ich blinzeln konnte. Oder einfach nur zäh! Denn erfüllt war ich nicht. Weder von der Beziehung, noch von meinen Hobbys. In der jetzigen Beziehung, vor allem auch seit wir ein gemeinsames Kind haben, räume ich meinen Hobbys ganz bewusst jede Woche Zeit an. Und auf einmal funktioniert es! So geht es uns beiden besser! Zwar habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich diese Zeit nicht mit meinem Baby verbringe, aber ich lerne, dieses schlechte Gewissen einfach labern zu lassen und immer weniger zu versuchen, den kursierenden Glaubenssätzen zu entsprechen.

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