Toleranz und Ratgeber – Omas Senf über Erziehung

Toleranz ist ja heute ein ganz modernes Wort geworden. Wir wollen alle wahnsinnig tolerant sein. Gerade junge Menschen betonen ihre große Toleranz. Mütter wollen heute ihren Kindern Toleranz beibringen. Sie denken dabei an die Toleranz Andersgläubigen gegenüber. Toll, dass da heute so viel Wert darauf gelegt wird. Dabei merken viele Mütter gar nicht, wie sie dabei vergessen vor ihrer eigenen Haustür zu kehren; dann nämlich, wenn Toleranz schwer fällt. Wenn Toleranz bedeutet Menschen zu achten und mit Respekt zu behandeln, die anders denken als sie selbst. Zum Beispiel bei Thema Erziehung.

Die Sache mit dem Ratgeber

Erziehung ist keine Religion. Man muss nicht fest auf seinem Standpunkt beharren und sich an eine Erziehungsrichtung wie an eine Bibel klammern. Dafür sind Ratgeber doch gar nicht da. Das sagt schon der Name. Sie geben Rat, sie zeigen eine mögliche Richtung. Doch es gibt Milliarden Arten sein Kind zu erziehen. Wie können Menschen bei der Religion – bei der echten – tolerant sein und dann bei etwas, das so fließend ist wie die Erziehung so militant? Ich wundere mich da über die heutige Elterngeneration.

Wie das früher so war mit den Ratgebern

Ratgeber sind toll. Früher gab es sowas ja nicht in dieser Hülle und Fülle. Wir haben halt einfach drauf los erzogen. Auch nicht ideal – ganz und gar nicht. In unserer Familie hat es glaub ich ganz gut funktioniert. Aber viele andere waren mit ihren Problemen halt schon sehr allein. Man hat sich untereinander nicht eingemischt in Erziehung. Jeder ist mit seinen Kindern umgegangen, wie es seine Situation zuließ oder gebot. Da ist schon viel schief gelaufen. Das muss man fairerweise zugeben. Heute haben alle Zugang zu so vielen Informationen. Das ist toll. Aber es braucht schon auch Mut, sein Ding durchzuziehen. Und die sonst so vielgepriesene Toleranz.

 Wie sollten Kinder denn nun erzogen werden?

Die Antwort ist ganz einfach und gleichzeitig schwer: Jedes Kind ist anders und alle Eltern sind unterschiedlich. Und so braucht es jedes Kind auf seine Weise. Wenn Eltern ein paar Ratgeber gelesen haben, wenn sie sich informiert haben darüber wie sich Kinder entwickeln und sich ein paar Gedanken darüber gemacht haben, wo es hingehen soll, wenn sie keine Gewalt anwenden in der Erziehung und ihr Kind lieben – dann sollten sie einfach loslegen. Nach Gefühl handeln. Denn nur wenn Eltern ihrem Gefühl vertrauen und ihrem Kind und sich selbst, dann sind sie authentisch.  Und das ist eigentlich das Wichtigste.

Die Bandbreite

In der Diskussion über Erziehung gibt es oft nur schwarz und weiß. Was beide Seiten vermissen lassen: Etwas Verständnis für die anderen. Da wollen junge Mütter vor allem bindungsorientiert erziehen, ihre Kinder und deren Bedürfnisse ernst nehmen – Kommunikation wird da groß geschrieben und Toleranz.

Und dann gibt es die Eltern, die unerzogen ganz furchtbar finden. Weil sie Kinder vor Augen haben, deren Eltern einfach keine Lust haben auf ihre Kinder und die aus Eigennutz statt aus Überzeugung nicht erziehen. Die schwarz-weiß-Malerei im Bereich der Erziehung ist groß. Die Fronten verhärtet.

Echte Toleranz

Meine Güte, wir wären dankbar gewesen, und unsere Mütter und Großmütter, wenn wir diese Auswahl und diese Offenheit und die Möglichkeit gehabt hätten. Statt die Vielfalt zu leben, zieht ihr euch in eure gleichgesinnten Grüppchen zurück. Dabei wäre jetzt die Möglichkeit zu zeigen was Toleranz ist.

Nur weil es jemand anders macht als Ihr ist es doch nicht falsch. Die Bandbreite an Erziehung ist so riesig! Und in dieser riesigen Bandbreite muss jeder Vater und jede Mutter das richtige Maß an Autorität für sein Kind finden. Erlaubt es den anderen Müttern doch. Gebt ihnen und euch selbst die Sicherheit, dass jede Mutter weiß, was das beste für ihr Kind ist. Vielleicht nicht jede, aber die meisten. Kinder gehen nicht gleich kaputt nur weil sie anders erzogen werden, als ihr es im Ratgeber gelesen habt. Ihr wollt Euren Kindern beibringen, dass jeder Mensch gleich wichtig ist, ihr wollt ihnen zeigen, was Toleranz ist und wie man richtig kommuniziert? Dann fangt doch einfach mal bei Euch selbst an. Und seid ein leuchtendes Beispiel.

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