weniger genervt: bessere Nerven im Alltag der Kinder

Weniger genervt – gelassener Erziehen

Es gibt ja nichts Schlechtes, das nicht auch für etwas gut ist. So hat unsere Oma oft gesagt und in diesem Punkt hat sie wirklich recht. Ich habe das in der äußerst schwierigen Babyzeit mit meinem Sohn erfahren. Sie hat mich Geduld gelehrt von der ich nicht weiß, ob ich sie anders in dieser Form erlangt hätte. Und diese Geduld – und Dankbarkeit –  hat mich zu einem anderen Umgang mit meinen Kindern gebracht. Davon bin ich überzeugt. Zum Beispiel wenn es darum geht genervt zu sein. Ich bin immer noch manchmal genervt. Aber etwas hat sich verändert. Hier ist mein Weg zu weniger Motzerei.

So viel Motzerei

Ich bin genervt, wenn morgens getrödelt wird. Während ich praktisch schon unter der Haustür stehe und los will, ist meine Tochter noch dabei, ihre Playmobilpferde zu bürsten. Später am Tag bin ich manchmal genervt, wenn meine Kinder mich unterbrechen, wenn ich spreche. Es geht mir auf die Nerven, wenn ums Fernsehen gebettelt wird, überhaupt, dieser Jammer-Tonfall, der nervt mich manchmal. Nerven, nerven, nerven. Motz motz motz. Du kennst das ja. Aber mal ehrlich: Nützt das eigentlich irgendjemandem? Haben die Kinder schonmal aufgehört mit nerven, wenn man sie angemotzt hat? Also meine nicht. Meistens wird es eher noch schlimmer. Und überhaupt: Ich bin ein fröhlicher, freundlicher Mensch. Das mag ich an mir. Ich muss doch nicht in diesem motzigen Tonfall reden.

Und deshalb habe ich meinen Umgang mit dem genervt sein verändert. Mein Weg zu weniger Motzerei. Und ich kann Dir schon vorher sagen: Mich macht dieser Weg viel zufriedener.

1. Keiner ist für meine Gefühle verantwortlich außer ich selbst – auch wenn ich genervt bin

Kennst Du das, wenn Du bei der kleinsten Kleinigkeit auf die Palme gehst? Wenn die Kinder nicht sofort hören und Du gleich genervt bist? Das ist der Punkt, an dem ich an mir selbst gearbeitet habe. An dem ich mir selbst bewusst machen musste, dass die Lösung für weniger genervt sein auch in mir selbst liegt: Was kann ich machen um ausgeglichener zu sein? Das ist sicher für Jeden etwas anderes. Aber an erster Stelle im Ausbrechen aus der Genervtheitsspirale steht für mich: Gelassener werden, mich um mich selbst kümmern, meine Bedürfnisse wichtig nehmen und mich um sie zu sorgen. Und nicht – wie es so leicht geschieht – die Kinder für mein Wohlbefinden verantwortlich machen.

Dinge, die die Kinder tun, tun sie nicht um ihre Eltern zu nerven. Meine Tochter bürstet ihre Pferde nicht um mich zu ärgern, sondern weil sie es wirklich für notwendig hält. Wenn ich schon augenrollend nach oben stapfe, wird das nichts mehr mit der ruhigen Kommunikation. Also: Tief durchatmen und sich bewusst machen, wer hier der Erwachsene ist;-)

2. Die Sache mit der Ich-Botschaft

Wenn ich etwas von meiner Tochter möchte, dann ist es wichtig, zu erklären, warum. Das ist in der Regel etwas, das ich gut mit einer Ich-Botschaft rüberbringen kann.  Ich formuliere meine Ich-Botschaft also zum Beispiel so: „Ich merke, dass Du gerne singen möchtest. Ich brauche aber gerade ein bisschen Ruhe. Würdest Du bitte in Deinem Zimmer singen?“ Ich bin kein Experte auf dem Gebiet der Ich-Botschaften, auch wenn ich immer besser darin werde. Also empfehle ich Dir, wenn Dich das Thema Ich-Botschaften interessiert diesen Artikel: Ich-Botschaften. Echte Ich-Botschaften führen zu mehr Gelassenheit. Das ist mal sicher.

3. Ich breche aus der Nerv-Spirale aus und nehme der Jammerei den Wind aus den Segeln

Ja, manchmal kommt es einem so vor, als ob die Kinder das mit dem „auf die Nerven gehen“ absichtlich machen. Aber wenn sie einen absichtlich nerven, dann doch nur, weil das der Weg ist, unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. Zum Beispiel, wenn ich gerade mit meinem Sohn ruhig auf dem Teppich mit den Bauklötzen spiele und seine große Schwester ins Zimmer kommt um genau auf diesem Teppich Purzelbäume zu üben. Es mag so aussehen, als wollte sie nur ärgern. Sie dann zu schimpfen würde die Gräben zwischen den beiden tiefer machen statt flacher. Auch wenn es der erste Impuls ist. Was viel besser funktioniert: Versuchen, den Grund für die „Störung“ zu finden. Wir verlassen die Situation gemeinsam, ich setze mich zu ihr auf Augenhöhe und wir überlegen, wie unsere Lösung aussehen kann. Ich formulieren meine Bedürfnisse je nach Situation ganz klar. Danach frage ich sie nach ihren Bedürfnissen.

Wenn sie tatsächlich „nur“ meine Aufmerksamkeit wollte, dann hat sie sie bekommen – und zwar in einer positiven Art und Weise. Sie fühlt sich so verstanden. Und ich verstehe sie so auch besser. Und ich kann ihr helfen, alternative Lösungen zu finden. Im oben genannten Beispiel bedeutet das: Sie kann mitspielen und ihrem Bruder einen Trick zeigen, wie man die Bauklötze noch besser anordnen kann, sie kann aber auch im anderen Zimmer Purzelbäume schlagen und ich schau mir später das Ergebnis an. Oder oder oder.

4. Ich mache mir bewusst, dass Kinder ein anderes Zeitgefühl haben

Auch wenn ich natürlich weiß, dass die Kinder gar nicht verstehen, was trödeln ist, es nervt mich trotzdem „Mama, ich musste noch meine (Playmobil)-Pferde versorgen. Deshalb konnte ich mich noch nicht anziehen. Die Pferde hatten eben Hunger“. Mein Chef wird das als Erklärung nicht durchgehen lassen, also kann ich es – irgendwie – auch nicht. Verhalten mit dem meine Kinder mich nerven ist selten Verhalten, das sie selbst kognitiv richtig steuern können. Zum Beispiel beim Faktor Zeit.

Auch wenn meine Tochter eine erste Ideen von den Tageszeiten hat, auch wenn sie immer wieder fragt wie lange es noch hierhin ist und ausprobiert, wie lange etwas dauert. Auch wenn sie erste Erfahrungen mit dem Begriff „Zeit“ macht: Ein echtes Gefühl dafür wie lange etwas dauert, kann sie noch nicht haben. Dieses Gefühl entwickelt sich erst zwischen dem siebten und dem zehnten Lebensjahr. Aber selbst für uns Erwachsene ist ja Zeit oft relativ. Wenn wir etwas gerne tun, dann verfliegt die Zeit manchmal. Genauso ist es mit der morgendlichen Fütterung der Playmobilfiguren.

Wie wir das lösen: Wir machen klar aus, dass jedes Pferd nur eine Karotte bekommt und dass Bürsten nachmittags dran ist.  Alternativ darf sie sich natürlich etwas anderes raussuchen, was zu ihrem gelungenen Start in den Tag gehört, aber eben nur eine Spielhandlung. Danach ziehen wir uns an und gehen zum Frühstück. Das war´s. Unsere morgendlichen Streitereien sind dadurch deutlich weniger geworden.

5. Erwartungen runterschrauben

Vor der Geburt und wenn die Kinder noch sehr klein sind, malen die meisten von uns sich das Leben in den schönsten Farben aus. Wird uns ja auch so suggeriert. Eine fröhliche Familie soll es werden, mit gesunden, fröhlichen und immer gehorchenden Kindern, die unsere Interessen teilen – denkste! Was habe ich mir früher gedacht, was mit Kindern alles viel Spaß macht. Ich wollte meine Tochter in Konzerte mitnehmen und ich habe mich so aufs Flechten kunstvoller Frisuren gefreut. Leider sagt sie meistens sehr deutlich, wenn ihr im Konzert langweilig ist und die Haare trägt sie am Liebsten offen. Ich hatte das Bild einer den Tisch mit weißen Stoffservietten gemeinsam deckenden Familie im Kopf. Und sagen wir mal so: Die Realität sieht meistens anders aus.

Kinder sind anders. Sie sind nicht auf der Welt um uns zu gefallen. Sie wollen sich reiben und suchen nicht selten den Konflikt. Das macht Familie aus. Und das ist wunderbar! Wenn man sich darauf einlässt und es mit Humor nimmt, ist die eigene echte Familie viel bunter und spannender als diese Bilderbuch-Familie aus unseren Träumen.

Kinder sollen und wollen zu eigenständigen Erwachsenen und selbstbestimmten Persönlichkeiten heranwachsen. Sie sind anders, so wie jeder Mensch anders ist. Und sie haben Eigenschaften, mit denen wir vielleicht nichts anfangen können. Auch damit muss man zurecht kommen. Das ist unser Job als Eltern – die Kinder machen dabei nichts falsch. (Wenn Du wirklich enttäuscht bist, genervt von Deinen Kindern und nicht nur von Kleinigkeiten, solltest Du Dir  unbedingt Hilfe bei der Erziehungsberatung bei Dir vor Ort suchen. Das ist keine Schande, sondern kann wirklich helfen!)

6. Ich versuche ein Nerven – und Konflikt-Vorbild zu sein

Sich aneinander zu reiben gehört dazu. Das brauchen Kinder. Aber immer mit Respekt. Denn was Kommunikation und Achtung angeht, sind wir die Vorbilder unserer Kinder. Wer regelmäßig rumschreit, braucht sich nicht wundern, wenn die Kinder in diese Fußstapfen treten. Ich schreie auch manchmal, ich vergreife mich im Ton oder sage etwas, das verletzt. Das ist falsch und doof, auch wenn es menschlich ist. Aber ich entschuldige mich auch, wenn ich etwas falsch gemacht habe. „Ich war gerade ziemlich genervt. Das hast Du sicher bemerkt, oder? Das darf man auch mal sein, aber ich hätte Dich trotzdem nicht so anmotzen dürfen.“ So etwas in der Art. Dass antrainierte Höflichkeit für mich ein Graus ist, hab ich schonmal geschrieben. Und das passt auch hier wieder. Wir können nicht von unseren Kindern erwarten, dass sie sich bei anderen entschuldigen, wenn wir selbst dazu nicht in der Lage sind.

7. Mehr Lachen – weniger reinsteigern

Wenn die Motzerei einmal angefangen hat, kommt man meistens schwer wieder raus. Man muss auch nicht jedes Thema bis zum absoluten Ende ausdiskutieren, zumindest nicht in jeder Situation. Daher: Der beste Weg raus aus der Spirale der Nerven ist für mich oft: Realisieren und reflektieren was gerade passiert. Und einfach aufhören. Einen Strich drunter ziehen und sagen: „Irgendwie war das jetzt doof. Aber komm – wir machen was Schönes.“ Eis essen gehen zum Beispiel. Irgend etwas eben, was einen selbst und die Kinder entspannt. Und was allen die Chance gibt, neu anzufangen.

 

Ich hoffe, meine Anregungen können helfen. Im Endeffekt sind es ja nicht die Kinder selbst, die uns nerven, sondern nur ihr Verhalten. Aber das können Kinder oft eben nicht differenzieren.  Wie Du entspannt durch den Babyalltag kommst, das kannst Du übrigens hier nachlesen.

Und darüber wie komisch das mit der Liebe und dem Nerven ist, findest Du hier noch einen Artikel.











13 Gedanken zu “Weniger genervt – gelassener Erziehen

  1. Danke für den guten Artikel! Bin oft genervt u das tut mir immer so leid! Hab 2 wunderbare Kinder, die oft unter meinen Job leiden müssen. Das Gerede von Kinder u Job unvereinbaren ist toll möglich, geht mir auf den Nerv. Es geht nämlich echt schwer!!!
    Daher hat mir dein Artikel geholfen, wieder an das Wichtige, die 2 wunderbaren kleinen Menschen zu denken! Und ihnen wieder respektvoll entgegenzukommen u wieder Ruhe u Nerven zu haben!
    Danke! Ich kann viel aus deinem Artikel mitnehmen!

  2. Danke für deinen tollen Artikel. Da geht es einem doch gleich viel besser, wenn man weiß, dass auch andere Supermuttis Motzmuttis sein können. Und manchmal auch sein dürfen.
    Merci für die Anregungen, den Alltag mit seinen Lieben aufzuwerten und wertvollere Familienzeit zu gewinnen.

    • Das freut mich sehr! Mütter sind nicht perfekt – niemals. Und das hat sicher auch seinen Sinn. Kinder lernen so, dass das Leben nunmal nicht perfekt ist. Man kann ja versuchen, alles so gut wie möglich zu machen, aber dauernd mit schlechtem Gewissen rumzulaufen bringt niemandem etwas… Alles Gute! Katharina

    • Ach toll. Das klingt interessant. Manchmal muss man es auch einfach mal wieder gut sein lassen. Es geht eben nicht immer nur darum, wer Recht hat

  3. Danke.
    Werde diesen Beitrag wohl öfter mal lesen müssen in den nächsten Wochen.
    Bin derzeit ganz tief drin im Motzstrudel und das nervt mich am meisten, was dazu führt, dass ich ziemlich schnell motzig werde und das nervt mich am meisten, was dazu führt, dass…usw usw usw
    Liebe Grüße
    *käthe

    • 😂 so geht es vielen in der Motzspirale! Ein bisschen motzen ist normal. Aber mit weniger lebt es sich eindeutig fröhlicher! Du machst das sicher gut. Danke für das Kompliment und ich freue mich, wenn Du wiederkommst😉
      liebe Grüße Katharina

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