Geschichten erzählen statt fernsehen

Warum Fernsehen bildet – Achtung Ironie

Klar darf die kleine Marie Fernsehschauen. Was soll man mit einem zweijährigen Kind auch groß machen? Den ganzen Tag! Schon ein bisschen viel verlangt, oder? Hauptsache nicht zu früh in die Krippe stecken – Rabenmütter und so. Dann doch lieber zu Hause betreuen. Und während Mama den Haushalt macht läuft der Fernseher. Ist ja auch viel billiger als Krippe. Schon klar. Und überhaupt Fernsehen bildet. Hab ich neulich erst wieder gemerkt. In der heimischen Grundschule bei einem öffentlichen Termin wurden die Kinder gefragt, was denn CO2 sei. Ein einziges Kind hat es gewusst: “Schädliche Gase, das, was wir ausatmen.” Als ich nach der Veranstaltung das Mädchen fragte, woher sie denn die richtige Antwort gewusst habe, antwortete diese entgegen meiner Hoffnung nicht mit: “Das hat mir mein Papa auf einem Waldspaziergang erklärt”, sondern mit “das hab ich im Fernsehen gehört.” Bewiesen. Fernsehen bildet.

Studien belegen die Wirkung des TV Konsums auf die Intelligenz

Doch wie das immer so ist mit den Beweisen und auch mit Studien: Es kommt halt immer das dabei raus, was man sich erhofft. Und so zeigen zahlreiche Untersuchungen: Kinder, die häufiger fernsehen sind im Durchschnitt dümmer als Kinder mit geringerem Fernsehkonsum. Nun lässt sich trefflich darüber streiten, ob es wirklich am Fernsehen liegt oder ob Familien, in denen mehr geglotzt wird, tendenziell zur bildungsfernen Schicht gehören und die Sprößlinge daher der Glotze eher zu- und klassischer Bildung abgewandt sind. Fakt ist: Während man vor dem Fernseher sitzt, kann man sich nicht unterhalten, nicht spielen und nicht toben – alles Dinge, die für die Entwicklung der Kinder völlig überschätzt werden. Total 20. Jahrhundert. Vorgestern schon überholt sozusagen.

Unverarbeitete Bilder – wie unsere Kinder vom Fernsehen überfordert werden

Hirnforscher Manfred Spitzer hat es ja treffend festgestellt: “Wenn wir diesen, die Köpfe der nächsten Generation vermüllenden, Medienkonsum einfach so weiterlaufen lassen, dann nähen wir die T-Shirts für China in 20 Jahren”. Nunja. T-Shirts nähen. Das ist doch zumindest eine Perspektive.

Nun zum ernst gemeinten Teil:

Fernsehen macht dumm wird uns ja dauernd wieder erzählt. Kann stimmen. Die Diskussion ist aber alt und langweilt mich mittlerweile. Ein zentraler Punkt Spitzers überzeugt mich aber doch: Vor dem Fernseher sind die Kinder gezeigten Emotionen schutzlos ausgeliefert. Die Bilder, die sie im Fernsehen sehen, brennen sich in ihre kleinen Gehirne ohne Chance darauf verarbeitet zu werden. Wenn Kinder Geschichten hören, dann erschaffen sie in ihren Köpfen selbst die Bilder dazu. Sie stellen sich genau den Märchenwald und die Hexe vor, die sie verkraften können. Das Fernsehen kann auf das, was Kinder verkraften jedoch keine Rücksicht nehmen. Und so ist die kleine Festplatte im Kopf bald voll mit unverarbeiteten Bildern. Gleiches gilt übrigens für´s Theater – auch wenn ich keinen Hinweis darauf bei Manfred Spitzer gefunden habe: Man hört von vierjährigen Mädchen, die das Theater bei den Bremer Stadtmusikanten verlassen mussten, weil sie schlichtweg Angst hatten. “Eigentlich wusste ich schon, dass die das nur spielen, aber dann wusste ich es auch wieder nicht!” gibt die selbstreflektierteste Tochter der Welt danach zu. Die kleine liebt und lebt Geschichten. Alles verschmilzt zu einer Realität. Eine wunderbare Art Geschichten zu empfinden, oder? Die will ich ihr durch übermäßigen Fernsehkonsum nicht wegnehmen. Bücher und Hörspiele sind da deutlich besser geeignet. Trotzdem: Ausgewählte Sendungen dürfen meine Kinder in kleinsten Dosen sehen. Schließlich gehört Fernsehen zu unserem Leben. Kinder müssen lernen damit umzugehen – aber langsam und schrittweise.

 

 

 

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