Gewaltfreie Kommunikation – Kindgerecht zur Giraffensprache

Gewaltfreie Kommunikation bedeutet rücksichtsvoll miteinander umzugehen, Konflikte offen anzusprechen, Lösungen zu erarbeiten und vor allem: einander akzeptieren und die Bedürfnisse aller Beteiligten zu achten. Das alles sind wunderbare Ansätze. Doch manchmal ist es schwer das im Alltag gut umzusetzen. Für mich als Mutter ist es nicht nur wichtig, mich im Alltag klar und respektvoll ausdrücken zu können. Ich will auch meinen Kindern vermitteln, dass man sich nicht gegenseitig herabwürdigen muss, um seine Meinung zu sagen. Konflikte nachhaltig zu lösen und so letztlich für mehr Verständnis und weniger blöde Stimmung zu sorgen, ist doch eine wunderbare Fähigkeit. Und diese Fähigkeit fällt einem nicht einfach zu. Man kann sie erlernen. Wir sind mitten in diesem Prozess: Unsere Sprache achtsamer zu verwenden. Im Artikel klären wir also was Gewaltfreie Kommunikation überhaupt ist, wie sie im Alltag angewendet wird und wie wir sie schon unseren Kindern vermitteln können.

GfK – Gewaltfreie Kommunikation

“Immer machst Du…”, “Du bist so….” , “kannst Du nicht endlich mal…” diese Sätze fallen in vielen Gesprächen in Konfliktsituationen. Dass im Streit Vorwürfe und Verallgemeinerungen fallen ist an der Tagesordnung. Doch Vorwürfe bringen niemandem etwas, sie werten das Gegenüber nur ab und machen es klein. Die Gewaltfreie Kommunikation ist genau das Gegenteil solcher Strategien. Die Gewaltfreie Kommunikation sorgt dafür, dass Menschen auf Augenhöhe kommunizieren und einander verstehen, statt einander niederzumachen. GfK sorgt aber auch dafür, dass wir uns über unsere eigenen Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse bewusst werden. So können wir unsere Beziehungen aktiv stärken und damit sowohl Konflikte lösen, als auch einen generell wertschätzenden Umgang pflegen.

Was haben Giraffen mit Gewaltfreier Kommunikation zu tun?

Giraffensprache ist eine tolle Grundlage für Gewaltfreie KOmmunikation im Alltag

Die Giraffe steht mit dem langen Hals für Weitsicht. Weil sie außerdem das größte Herz unter den Landsäugetieren hat, steht sie auch für Mitgefühl. Marshall Rosenberg, der die Gewaltfreie Kommunikation entwickelt hat, hat die Giraffe als Symbol eingeführt. Ihr gegenüber steht der Wolf.

Anleitung Gewaltfreie Kommunikation

Die Gewaltfreie Kommunikation – auch Giraffensprache genannt – enthält vier Schritte. In einem Konflikt oder in einer Situation in der die Bedürfnisse unterschiedlich sind, können Eltern ihre Message in diesen vier Schritten kommunizieren:

  1. Beobachtung: Die Situation beschreiben und einen eigenen Eindruck formulieren.
  2. Gefühle ausdrücken: Die Gefühle benennen, die die Beobachtung in uns auslöst
  3. Bedürfnisse erkennen und benennen
  4. eine Bitte formulieren

Als Beispiel will ich das leidige Zimmer aufräumen nennen. Häufig läuft es in dieser Art ab: “Hier sieht es ja aus wie Sau! Bitte räum Dein Zimmer auf, da kann man ja nicht mal mehr durchlaufen. So ein Saustall. Warum muss ich eigentlich hier immer alles eine machen?” Kein Kind hat nach so einer Herabwürdigung Lust sein Zimmer aufzuräumen. Notwendig wird es das auch nicht finden. Es gibt keine Erklärung, sondern nur eine Herabwürdigung. Nach der GfK das was ich als Mutter zu meinem Kind sage zum Beispiel das hier sein:

  • Der Boden in diesem Zimmer ist voller Spielzeug. Ich tue mir so schwer Müll und gebrauchtes Geschirr deutlich zu erkennen. (Beobachtung)
  • Ich habe Sorge, dass Essenreste irgendwo verschimmeln. Damit fühle ich mich nicht wohl. (Gefühl)
  • Mir ist es wichtig, dass zumindest der Boden frei ist, damit hier nichts was herumliegt, das anfangen könnte zu schimmeln.
  • Ich bitte Dich daher darum, die Legosteine in die Kiste und die Wäsche in den Korb zu räumen. So wird es uns leichter fallen, den Überblick zu behalten.
Giraffensprache - achtsam und bedürfnisorientiert

Gewaltfreie Kommunikation trotz Stress wegen der Hausaufgaben

Streit wegen der Hausaufgaben gibt es in vielen Familien. Auf der einen Seite finde ich ganz persönlich, dass die Hausaufgaben schon früh in den Aufgabenbereich der Kinder gehören. Hausaufgaben sollten ohne Hilfe erledigt werden können. Kinder sollen ja auch lernen eigenverantwortlich zu lernen und zu arbeiten. Wir regeln das zu Hause so, dass meine Tochter ihre Aufgaben tatsächlich machen darf ob und wann sie will. (Sie hat sie bisher immer gemacht). Gleichzeitig verstehe ich natürlich auch, dass die Schule für uns Eltern ein besonders sensibles Thema ist. Es fällt uns schwer auszuhalten, wenn die Kinder nicht begreifen wollen, wie wichtig die Schule ist. Statt jedenfalls tägliche Streits über die Hausaufgaben zu haben, bin ich (für meine Familie) für eine eingeschränkte Eigenverantwortung. Kommunizieren kann ich das zum Beispiel so:

  • Ich sehe, dass Du Deine Hausaufgaben abends im Bett machst. (wertfreie Beobachtung)
  • Ich bin abends einfach zu müde um Dich dabei noch geduldig unterstützen zu können. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass Du ebenfalls müde bist und deshalb auch länger brauchst als tagsüber. (Gefühl)
  • Mir ist es wichtig, dass Du während der Hausaufgaben konzentriert bist und dass ich Dich bei Bedarf unterstützen kann.
  • Ich möchte daher, dass wir eine Zeit festlegen bis zu der Du die Hausaufgaben spätestens anfängst.

Mit Hilfe von gewaltfreier Kommunikation lassen sich viele Themen aus dem Alltag mit Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen viel leichter lösen. Vom Wutanfall im Kleinkindalter bis hin zu Diskussionen unter Erwachsenen. Wer achtsam ist kann mit Gewaltfreier Kommunikation sehr viel weiter kommen als mit Vorwürfen. Aber Achtung: Gewaltfreie Kommunikation muss einer inneren Grundeinstellung folgen.


Im Zauberbuch Familienfrieden, das wir für uns zu Hause haben, sind viele Anregungen für Gewaltfreie Kommunikation voller Achtsamkeit im Alltag enthalten. Dabei erklärt Autorin Hanna Grubhofer nicht nur anschaulich die wichtigsten Regeln gewaltfreier Kommunikation, sondern sie gibt auch Einblicke in den bedürfnisorientierten Alltag mit ihren sieben Kindern.

Falle: Gewaltfreie Kommunikation ist kein Bemitleiden

Dieses Missverständnis höre ich häufiger in Zusammenhang mit gewaltfreier Kommunikation mit Kindern. Empathie ist kein Mitleid. GfK bedeutet nicht, dass einem Kind die Opferrolle eingeredet wird und es bemitleidet werden muss. Aus meiner Sicht ist das sogar das Gegenteil vom Begegnen auf Augenhöhe. Gewaltfrei mit Kindern zu kommunizieren bedeutet ihre Sorgen und Nöte ernst zu nehmen, ihre Beweggründe zu verstehen, die eigene Position zu schildern und Bedürfnisse klar zu machen.

Empfehlung zum später weiterlesen:

Überflüssige Fragen ans Kind: Wie wir mit unseren Kindern achtsamer kommunizieren können

Sowas-Bücher von edition riedenburg

Doch dass sich die Eltern mit gewaltfreier Kommunikation auseinandersetzen ist ja nur ein kleiner Baustein. Auch Kinder können schon lernen achtsam miteinander umzugehen und Konflikte eigenständig zu lösen. Dafür kann ich allerwärmsten empfehlen: “Was brauchst Du?” aus der “sowas”-Reihe der edition riedenburg. Die gesamte Reihe ist darauf ausgelegt, Kinder zu Experten für sich selbst zu machen:

Was brauchst Du? Giraffensprache für Kinder

Erwin Einchhorn sammelt gerade Nüsse und braucht sie für den Wintervorrat. Doch als eine Nuss vom Baum kullert, wird sie von drei kleinen Maisenkindern geschnappt, die mit ihr Fußball spielen wollen. Was sollen die Tiere jetzt tun? Gino Giraffe kommt vorbei und hilft mit klarer und gleichzeitig einfühlsamer Sprache. In Geschichten wie diesen wird den Kindern erklärt, was ein Bedürfnis ist, es wird gezeigt wer welches Bedürfnis hat und die Kinder können gemeinsam überlegen wie der Konflikt zu lösen wäre, ohne dass einer der Beteiligten der Verlierer ist. Dabei kommen die verschiedensten Bedürfnisse zur Sprache und das Buch wirft immer wieder die Frage auf: Wie können sich die Tiere einigen? Hast Du Dich auch schon mal so gefühlt? und so weiter. Bedürfniskarten wie beim Erfinder der Gewaltfreien Kommunikation Rosenberg, helfen Kindern auch langfristig, ihre Bedürfnisse richtig einzuordnen und klar zu kommunizieren.

Karten zum Ausmalen laden außerdem ein, sich weiter als über das Lesen hinaus mit dem Thema zu beschäftigen. Meine Tochter jedenfalls liebt dieses Buch. Und ich finde es einfach zauberhaft wie sie neulich zu ihrem Bruder sagte: “ich merke, dass Du gerade laut toben willst. Aber ich habe gerade ein großes Bedürfnis nach Ruhe. Wie wäre es, wenn Du Dir aussuchst wo Du spielen willst und ich geh dann einfach ganz woanders hin. Aber Du kommst mir nicht hinterher. Einverstanden?” Manchmal sind es die kleinen Schritte, winzige Veränderungen in der Wortwahl und ein kleines sich-bewusst machen.

Natürlich gibt es zahlreiche Bücher über gewaltfreie Kommunikation und ich finde man kann nicht genug darüber lesen. Was ich genau an diesen oben genannten Büchern so toll finde ist die praktische Anwendung. Viele viele Beispiele für einen achtsameren Umgang miteinander und weniger Gewalt in unserer Sprache. Mir hat es weitergeholfen. Ein Baustein auf dem Weg zu Kommunikation auf Augenhöhe.

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