Ich könnte explodieren! – was ich zuletzt als Mama gelernt habe

Ich bin ein impulsiver Mensch und ziemlich emotional. Ich kann mich freuen, mich begeistern und kann oft andere mit guter Laune anstecken. Genauso gehen meine Emotionen aber auch in die andere Richtung: Ich kann richtig ausflippen. Wenn ich genervt bin, dann kocht der Dampf in mir hoch und ich würde am liebsten losbrüllen. Jeder der Kinder hat weiß: Die bringen einen von Zeit zu Zeit an den Rand des Nervenkostüms. Ich geh dann meistens einfach aus dem Zimmer. Weil ich weiß, dass ich in solchen Situationen echt unfair werden kann.

Ich find es doof Situationen einfach zu verlassen. Ich find es aber auch doof rumzuschreien. Irgendwie immer unbefriedigend. Denn ich will meinen Kindern ja eigentlich zeigen und vorleben wie man seine Wut in den Griff bekommt. Weil ich es aber selbst kaum kann, kann ich es auch schlecht weitergeben.

Die Erkenntnis: Klar kann ich meine Wut in den Griff bekommen

Ich habe in den letzten Wochen den Podcast vom Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen gehört. Dieses Hörbuch hat mir so viel gegeben. Viel Bestätigung, viele Anregungen. Vielleicht die größte Hilfe war diese: wie wir Erwachsenen mit unserer eigenen Wut umgehen können.

Wie das bisher so war

Manchmal komm ich mir vor wie ein dampfender Hochdruckkessel. Zum Beispiel dann: Wir kommen gerade vom Kindergarten zurück. Der Kleine will mit mir spielen, ich will aber auch das Essen vorbereiten. Der Kleine hängt also an meinem Bein. Die Große will unbedingt mitmischen. Sie könnte ja was verpassen und jammert, dass sie keine Lust hat – worauf auch immer. Mich nervt dieser Jammerton. Er tut mir echt in den Ohren weh. Die Kinder wollen erst das eine und dann doch wieder etwas anderes essen. Sie wollen helfen, sich aber nicht die Hände waschen und sie wollen eigentlich auch fernsehen. Weil ich die Erwachsene bin, schlucke ich Kommentare wie “Dein Tonfall nervt mich” oder “Hauptsache fernsehen – das ist wohl das Wichtigste” hinunter. Solche Kommentare sind unfair. Deshalb sag ich sie nicht. Ich sage nichts. Und meine Wut staut sich an.

Leseempfehlung: Weniger genervt von den Kindern

Ich mache freundliche Vorschläge, ich kneife die Zähne zusammen und versuche nett zu bleiben und auf meine Kinder einzugehen. Wenn dann aber der Kleine anfängt auf den Boden zu spucken, weil er zu wenig beachtet wurde (ja – das macht der tatsächlich) oder meine Tochter eben immer weiter mit dieser wirklich schrecklichen Frequenz jammert, dann könnte ich echt explodieren. Der Stress des Tages, mein Bedürfnis nach Ruhe und nach einem selbst gekochten Essen: Das alles sitzt mir so im Nacken. An all diesen Themen sind meine Kinder gar nicht schuld. Die Kinder sind nur der letzte Auslöser. Wenn ich dann irgendwann herausplatz “Donnerwetter nochmal – lasst mir einen Meter Platz. Ich kann nicht atmen. Ich halt das nicht aus!” und aus dem Zimmer stapfe, schauen sich meine Kinder fragend an. Manchmal weint der Kleine in solchen Situationen auch, weil er sich – zu Recht – unfair behandelt fühlt.

Gefühle wahrnehmen und Bedürfnisse ernst nehmen

Was ist eigentlich mein Problem? Was will ich eigentlich? Und was will mein Kind eigentlich? Diese Fragen sind für mich natürlich immer wichtig. Sobald die Wut kommt, kann ich aber nicht mehr klar denken. Deshalb habe ich meine Einstellung in dieser Sache geändert. Wenn ich merke, dass ich genervt werde, versuche ich einen klaren Cut zu machen: Was ist mein Bedürfnis, was ist das Bedürfnis meines Kindes und in welcher Reihenfolge können wir sie befriedigen?

Klare Botschaften senden

Das ist etwas, das ich auch schon von Jesper Juuls gelernt habe: Ich sage klar “Nein” zu Dingen, die ich nicht möchte. Ich formuliere klar was ich will. “Ich möchte gerne ungestört Essen kochen”. Zum Beispiel. Ich wäge ab, ob mein Bedürfnis nach Ruhe beim Kochen schwerer wiegt als das meines Kindes nach – ja – wonach denn eigentlich? Der Kleine wird ja wohl kaum ein Bedürfnis nach “auf den Boden spucken” haben. Natürlich hat er das nicht. Aber er hat ein Bedürfnis danach gesehen zu werden. Und wenn eine motzige Mama mit einem nicht spielt, sondern immer wieder nur über einen drüber steigt – dann wird dieses Bedürfnis eben nicht erfüllt. Es wäre schneller gegangen ihm ein bisschen Aufmerksamkeit zu schenken, als diese ewige Motzerei.

Ich sag was los ist

Eigentlich so logisch. Gut, dass ich mir das so bewusst machen konnte durch Katja Seide und Danielle Graf. Ich sage wie ich mich fühle. Nur wenn ich es sage, können es meine Kinder auch verstehen und vielleicht sogar etwas daraus lernen. Ich sage also zum Beispiel: “Am liebsten würde ich jetzt rumschreien und mich so sehr aufregen. Es fällt mir gerade sehr schwer nicht zu schimpfen, denn ich habe eine sehr dicke Wut im Bauch”. Dann versuche ich mich zu sammeln.

“Ich muss jetzt erstmal in Ruhe atmen. Ich halte die Lautstärke gerade nicht aus.” Und dann setz ich mich hin und atme ganz tief. Und manchmal setzen sich die Kinder dazu. Meine Tochter kichert, weil sie sich freut. Die Kinder kennen das mittlerweile. Wenn ich geatmet habe und die Kinder ruhiger sind, dann finden sich auch Lösungen. Wir besprechen wie wir alles nach und nach machen und wie Jeder zu seinem Recht kommt. Das ist so viel besser, als es runterzuschlucken, dann zu explodieren und sich danach entschuldigen müssen.

Lernen die Kinder wirklich daraus?

Die Kinder haben das schon längst gelernt. Witzigerweise habe ich sie schon immer dazu ermutigt ihre Gefühle auszudrücken. Mein Sohn sagt von jeher wie er sich fühlt, wenn er weint. Er schreit: “Ich bin richtig sauer” oder “Das macht mich traurig”. Und er sagt es, wenn er wieder Trost braucht. Erst jetzt merke ich, dass meine Kinder mir eigentlich voraus waren. Kinder zu haben ist wohl doch lebenslang Lernen.

Womit ich schon bisher in Sachen Wut-Regulation ganz gut gefahren bin und ein paar Beispiele womit mich meine Kinder auf die Palme bringen – das kannst Du hier nachlesen: Kindliche “Provokation” und wie ich damit umgehe”.

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