mein Körper – wie ich an mir gearbeitet habe

Manchmal erkannte ich mich gar nicht wieder im Spiegel. Während der Schwangerschaft hatte ich mich so gerne betrachtet. Ich liebte diesen straffen Bauch und überhaupt: Ich finde schwangere Körper total schön. So voller Leben;-) Mein Bauch war so riesig und ich hab ihn voller Stolz getragen. Klar war die Schwangerschaft auch anstrengend und hier und da hat es gezwickt. Aber schön fand ich mich.

Irrglaube: Der Bauch verschwindet von selbst wieder

Ich hatte die eigenartige Überzeugung, dass nach der Schwangerschaft alles werden würde wie davor. Bei manchen Frauen scheint es ja so. Doch die Wahrheit ist: Ich erkannte mich kaum wieder. Ich fühlte mich wie eine leere Hülle. Meine Haare wurden stumpf, meine Brüste schmerzten, mein Bauch war nicht mehr straff, aber kleiner war er auch kaum. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das überhaupt mein Körper ist. Alles war anders. Ich weiß, dass es vielen Frauen so geht.

Während der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit verändert sich der Körper sehr. Bei jedem ist das natürlich unterschiedlich. Meine Brüste sind einfach riesig geworden, viele andere Frauen haben auch mit Wassereinlagerungen zu kämpfen. Manche Frauen (wie meine Schwester) bekommen einen niedlichen runden Bauch, wenn sie schwanger sind. Bei anderen (wie mir) wird der Bauch riesig. Genauso unterschiedlich wie der Körper in der Schwangerschaft ist, genauso unterschiedlich verschwindet der Bauch auch wieder.

Die Beziehung zu meinem Körper während der Babyzeit

Jeder Körper ist anders, doch eines ist allen Körpern gleich: Gut zu sich selbst und seinem Körper zu sein, macht es besser. Ich könnte jetzt Tipps aufzählen, die man oft liest: Badewanne, Zeit für sich selbst, durchatmen, Selbstfürsorge eben. Doch ehrlich: Das hilft zwar kurz, langfristig hat es mir aber nur geholfen zu erkennen, dass ich selbst die einzige bin, die für meine Empfindungen verantwortlich ist.

Ich habe mich nach der Geburt jeweils ganz auf das Baby konzentriert. Es war ein Ankommen in der neuen Situation. Ein Jonglieren mit den vielen Rollen, die man so hat. Und wenn ich mich im Spiegel angeschaut habe, hab ich schnell wieder weg geguckt. Ich war auf der einen Seite stolz darauf, was mein Körper grade leistet und geleistet hat. Aber irgendwann hab ich beschlossen: Wenn ich ehrlich zu mir sein will, dann muss ich zugeben, dass ich wieder schlank sein will.

Ich hab zwar immer Mal ein bisschen Sport gemacht und versucht mich gesund zu ernähren, aber so richtig durchgezogen hab ich es nie. Ich merkte jedes Mal schnell, dass mein Bauch einfach nicht weggeht. Meinen Bauch anzuschauen und die viele ausgeleierte Haut zu sehen, hat mich irre demotiviert. Wenn ich am Bauch abnahm, wurde die Haut dort nur noch schlaffer. Ich hasste das.

Überlegungen zu einer OP

Es hat mich schon motiviert das anzugehen, als ich bei meiner Freundin Silvia den Weg rund um die OP der Rektusdiastase mitbekommen habe. Rektusdiastase bedeutet, dass das Gewebe im Bauch, das die linken und die rechten Bauchmuskeln verbindet so beschädigt ist, dass es einen richtigen Spalt gibt. Der Bauch wölbt sich dadurch auch nach der Schwangerschaft nach vorne. Sie hat das damals operieren lassen: Mit beeindruckenden Ergebnissen. Die beiden Bauchmuskelhälften werden bei dieser OP miteinander verbunden. Außerdem kann überschüssige Haut dabei entfernt werden. Ich hab das einige Zeit hin und her überlegt. Dann bin ich zum Arzt gefahren und hab mir ein Angebot machen lassen. Ich war fest entschlossen.

Doch nochmal Sport und Ernährung – aber richtig

Vor der Entscheidung über eine OP (die gut 6000 Euro gekostet hätte) setzte ich mich nochmal intensiv auseinander mit meinem Körper. Ich stellte mir vor wie mein Körper danach aussehen würde, wie mein neues Lebensgefühl wäre. Ich kümmerte mich mental um mich selbst. Als ich meinen Mann um seine Meinung fragte, stellte er eine „Bedingung“ auf: Ich sollte es nochmal wirklich ernsthaft und selbstkritisch mit Sport und Ernährungsumstellung versuchen. Drei Monate lang. Wenn das vorbei sei und ich es immer noch wollte, dann sollte ich die OP auch machen.

Es folgten drei wirklich harte Monate: Ich trackte Essen und Bewegung mit einer App und war wirklich streng zu mir selbst. Eigentlich wollte ich ihm damit nur beweisen, dass das eben nichts bringt für meinen Bauch und damit auch für mein Wohlbefinden. Doch nach wenigen Wochen purzelten die Pfunde. Meine Haltung veränderte sich, mein Fokus war nicht mehr nur auf meinen Bauch gerichtet, sondern ich freute mich darüber, wie straff mein restlicher Körper wurde. Diese harte Arbeit öffnete mir wirklich die Augen. Ich weiß, dass viele eher dazu raten, weniger und dauerhaft Sport zu machen und nicht zu schnell abzunehmen. Ich habe andere Erfahrungen gemacht. Für mich war es „leichter“ komplett auf Süßigkeiten zu verzichten und mich streng an einen ERnährungsplan zu halten. Die schnellen Erfolge waren sichtbar und das motivierte mich zum Weitermachen. Wenn man dutzende Kilos verlieren will, dann ist sicher eine schleichende Diät sinnvoll. Bei meinen Voraussetzungen (ich hab rund 8 Kilo verloren) war es so für mich genau richtig.

Mein Bauch ist immernoch furchtbar. Ich mag ihn überhaupt nicht. Aber erstens sieht er trotzdem viel besser aus als vor der Diät und zweitens dreht sich nicht mehr alles darum. Ich lasse meinen Bauch nicht mehr bestimmen, wie wohl ich mich in meinem Körper fühle. Ich bestimme das selbst:-)

Dauerhafte Selbstfürsorge

Mein gutes Körpergefühl, das ich vor mittlerweile gut 2 Jahren gewonnen habe, habe ich mir seither bewahrt. Statt einer kurzen Auszeit mit Kaffee und Kuchen oder der Badewanne, kann ich für mich und für Menschen, die ähnlich ticken wie ich, diese Strategie für mehr Selbstfürsorge empfehlen:

  1. Sport: Ich weiß, dass es hart ist. Das ist es für jeden. Aber ich habe wirklich noch nie jemanden gesehen und getroffen, dem es schlechter ging, wenn er regelmäßig Sport gemacht hat. Was genau muss jeder für sich rausfinden. Ich mach eine Mischung aus HIIT, Krafttraining, Joggen und nach Lust und Laune mal Yoga, Pilates und was mir grad einfällt. Das meiste davon mit Unterstützung von Online-Trainern zB über Youtube.
  2. wenn Du in Form kommen willst: Kalorien tracken. Ich hab das nie richtig ernst genommen und natürlich geht es nicht nur um Kalorien, sondern auch darum was man isst. Trotzdem: Durch das Eintragen von Lebensmitteln in die App, behalte ich den Überblick und: wenn ich einigermaßen satt sein will, dann kann ich mit dem Tracking quasi gar nicht anders als gesund zu essen.
  3. nicht nur hier und da ein bisschen, sondern mit System: Solange ich ab und an trainiert habe und versucht habe weniger Süßigkeiten zu essen, hab ich mich zwar gequält, aber gebracht hat es nichts. Die harte Umstellung brachte mir schnell Erfolgserlebnisse. Ich konnte ständig meine Laufzeiten und Gewichte verbessern und ich konnte meinem Körper bei seiner Veränderung zusehen.

Argument: Ich habe dafür keine Zeit

Stimmt nicht. Es ist doch immer eine Frage der Prioritäten. Zeit muss man sich nehmen. Jeder und jede von uns. Und klar gibt es Tage, da schafft man es nicht. Aber wenn es einem wichtig ist, dann geht es natürlich. Und ich zumindest finde, wir sollten uns selbst wichtig genug sein.

Und was ist mit dem Jojo-Effekt?

Ich habe mit diesem Artikel extra so lange gewartet, weil ich natürlich Angst hatte, ich würde nach der Diät dann doch schnell wieder meine alte Form erreichen. Doch das passierte glücklicherweise nicht. Warum? Weil ich weiter Sport mache und auf meine Ernährung achte. Sobald ich merke, dass ich die Kontrolle verliere, benutz ich wieder die App. Und Sport mach ich weiter, weil ich meine Erfolge auf keinen Fall wieder verlieren will. Das Training macht Spaß, wenn man mal ein gewisses Level erreicht hat.

Dem eigenen Körper etwas Gutes tun

Nach der Geburt und mit den Strapazen der Kleinkindzeit, sollten wir unserem Körper viel Gutes tun. Es ist wichtig sich zu pflegen. Doch ich habe dauerhaft die beste Selbstfürsorge geschafft, indem ich mich ein bisschen gequält habe. Zusätzlich ein Bad zu nehmen, ist ja nicht verboten:-)

Schreibe einen Kommentar

Medien lieber miteinander - eine Initiative von SCHAU HIN!