Mein Kind wurde gebissen: Was soll ich jetzt tun?

Wenn Kinder beißen ist das wirklich unangenehm. Für die, die gebissen wurden, aber auch für die Eltern des Beißers. Denn natürlich haben Eltern in der Regel ein schlechtes Gewissen und wollen die Beißattacken gerne abstellen. Doch das ist gar nicht so einfach. Glaub mir, als mein Sohn kleiner war, hat er auch gerne und oft zugebissen. Das Tückische: Die Beißattacken kommen häufig “aus dem Nichts”. Ohne Vorankündigung. Es gibt viele Gründe warum kleine Kinder beißen: weil sie sich mit Worten noch nicht wehren können, weil sie sich unverstanden fühlen, weil sie Kontakt aufnehmen wollen und einiges mehr. Aber eines sind beißende Kinder sicher nicht: hinterhältig und böse. Lies, wenn Du möchtest, den Rat einer Erziehungsexpertin an Eltern hier: Kinder, die beißen sind nicht böse.  Doch lass uns heute mal die Perspektive wechseln: hin zu den Eltern, deren Kinder gebissen werden.

Hilfe mein Kind wurde gebissen

Wenn das eigene Kind gebissen wird, steigen in Eltern oft zweierlei Gefühle hoch: etwas Schmerz und viel Wut. Schmerz, weil wir als hoffentlich empathische Menschen natürlich mit unseren Kindern mitfühlen. Und Wut, weil wir es als Löweneltern überhaupt nicht ertragen können, wenn jemand unseren Kindern weh tut. Das ist absolut verständlich. Aber wir als Erwachsene sollten dennoch unsere Gefühle kontrollieren können. Wir können ja zwei Beiß-Situationen unterscheiden:

  1. der Biss ist in der Tagesbetreuung passiert – ich als Elternteil war nicht anwesend
  2. ich war selbst beim Biss dabei

Das Kind ist im Kindergarten gebissen worden

Wenn Dein Kind im Kindergarten gebissen worden ist, solltest Du überprüfen, ob eine blutende Wunde entstanden ist. Die gilt es natürlich zu beobachten. Entzündungen können entstehen. Der Gang zum Kinderarzt kann durchaus Sinn machen. Ansonsten würde ich der Sache keine große Beachtung mehr schenken. Ich vertraue darauf, dass der Kindergarten die Situation direkt vor Ort sinnvoll gelöst hat. Ich lasse meine Kinder natürlich erzählen und beschreiben was passiert ist, um ihnen zu zeigen, dass ich sie ernst nehme. Ich nehme Anteil, falls es für sie noch ein Thema ist. Gleichzeitig stärke ich meine Kinder (siehe unten) damit sie mit zukünftigen Beißattacken gut umgehen können.

Mein Kind ist in meiner Anwesenheit gebissen worden

Beim Kinderturnen, auf dem Spielplatz oder sonstwo im öffentlichen Leben können wir Eltern unsere Kinder nicht mit Argusaugen überwachen. Das würde auch gar keinen Sinn machen. Kinder brauchen einen gewissen Freiraum. Weil eine Beißattacke aber so unfassbar schnell gehen kann und scheinbar aus dem Nichts kommt, kann es schnell passieren, dass die Eltern es nicht sehen.

Wird ein Kind von einem anderen gebissen und die Eltern sind dabei, dann fallen die Emotionen häufig heftig aus. Leider wenden sich viele Eltern an die Eltern des Beißers und machen ihnen Vorwürfe. Dabei nützt das gar nichts. Denn die Eltern des Beißers können eigentlich ja nichts dafür.

Kinder bis zu drei Jahren können nicht nachvollziehen, dass es einem anderen weh tut, wenn sie beißen. Das hat nichts mit schlechter Erziehung zu tun. Das ist Hirnforschung.

Was also tun, wenn mein Kind weint, weil ein Anderes es gebissen hat?

trösten

Dem eigenen Kind Worte geben für das was passiert ist und es bestärken: “Oh – das tut sicher weh. Der xy hat ja ganz schön zugebissen.”

eigenständige Konfliktlösung

Starke Kinder suchen Lösungen. Als Eltern sollten wir unseren Kindern den Rücken stärken und sie unterstützen. Wenn wir unseren Kindern zuhören, wissen sie oft ganz genau, wie sie weiter vorgehen wollen. Sie probieren damit verschiedene Verhaltensstrategien aus. Wir Eltern sollten uns, finde ich, da möglichst wenig einmischen. Kinder haben ihre eigene Persönlichkeit. Wir müssen ihnen nicht aufdrücken, was sie jetzt korrekt sagen oder machen müssen. Der Eine ist selbstbewusster und will vielleicht hingehen und sich die Schaufel zurückholen, die ihm der Beißer weggenommen hat, der Andere ist ausgleichender und holt sich lieber ein anderes Spielzeug. Kinder dürfen streiten und ihre eigenen Lösungen finden. Sie sollen es sogar.

Kinder stark machen

Ich bin stark ich sag laut nein: Richtig gut, wenn Kinder es schaffen, nicht panisch loszukreischen, wenn ein anderer zum Biss ansetzt, sondern entschieden und deutlich sagen: “Nein! Das will ich nicht!” und dem Beißer zum Beispiel die flache Hand abwehrend hinstrecken. Solche Verhaltensweisen können wir mit dem Kind einstudieren. Dass Kinder lernen sich selbst abzugrenzen: Das ist unfassbar wichtig fürs ganze Leben.

Wir Eltern sollten Konflikte stets beobachten und zumindest dann aktiv werden, wenn einer erkennbar das Opfer ist. Denn das darf natürlich nicht sein, dann sollten wir unseren Kinder helfen, ihre Konflikte zu lösen.

Konflikte unter Kindern lösen

Ich möchte gerne, dass meine Kinder lernen ihre Konflikte selbst zu lösen. Manchmal klappt das aber eben nicht. Dann sollten sich Eltern einmischen. Erwachsene sind Vorbild in Sachen Konfliktlösung. Es macht also Sinn, dass wir unsere Kinder dabei unterstützen, mit dem beißenden Kind in Kontakt zu treten. Als Eltern könnten wir gemeinsam mit dem eigenen Kind auf Augenhöhe mit dem beißenden Kind sprechen und versuchen den Konflikt ohne Schimpfen und ohne Vorwürfe zu klären. Dabei sollten wir immer wieder im Hinterkopf haben: das Beißen ist offenbar die einzige Ausdrucksart, die dem Kind in diesem Moment geblieben ist. Natürlich sollte auch klar zur Sprache kommen, dass es nicht ok ist zu beißen. Vielleicht ist auch eine Entschuldigung möglich. Gleichzeitig sollten wir aber immer alternative Lösungsstrategien mit auf den Weg geben: Was könnte das Kind tun statt zu beißen? Den Eltern bescheid sagen macht auch Sinn. Aber bitte: Ohne Vorwürfe zu machen.

Konflikte ohne Beißen regeln – auch unter Erwachsenen

Wenn Eltern Vorbild in Sachen Konfliktlösung sind, dann ist klar, dass auch das Gespräch unter den Eltern gesittet ablaufen sollte. Ich finde es macht durchaus Sinn, den Eltern des beißenden Kindes die Situation zu schildern. Ich als Mutter möchte schon wissen, wenn mein Kind einem anderen weh getan hat – auch wenn ich es nicht direkt gesehen habe. Aber es ist auch klar: Wie eine Furie hinzustürmen, ausfällig zu werden oder Vorwürfe zu machen ist völlig fehl am Platz. Ein solches Verhalten kann weder den Konflikt lösen, noch sendet es geeignete Signale. Denn wild gestikulieren und laut werden ist ja ganz einfach das erwachsene Pendant zum Beißen. Insofern: Zeigen wir unseren Kinder, wie wir Konflikte lösen: gehen wir aufeinander zu, gehen wir davon aus, dass die andere Mutter oder der andere Vater nicht böse ist, sondern auch ratlos. Finden wir Lösungen statt Vorwürfe zu machen. So sind wir Vorbild.

Und hier nochmal der Link, falls es Dein Kind ist, das regelmäßig beißt: So geht man souverän mit beißenden Kindern um

Und der Appell: Nicht aus beißenden Kleinkindern werden gewaltbereite Jugendliche, sondern aus Kindern, die Gewalt erfahren haben, werden (häufig) gewaltbereite Jugendliche. Das Beißen ist eine Phase, die wieder aufhört. Kinder empathisch begleiten ist für mich der beste Weg. Wenn Kinder über 3 Jahren immer noch beißen, macht es Sinn sich professionellen Rat zu holen.

Und zu welcher Kategorie gehören Deine Kinder? Eher Beißer? Oder werden sie gebissen? Wie gehst Du damit um? Ich bin sehr gespannt! Wenn Dir dieser Beitrag gefällt, dann teile ihn gerne mit Deinen Freunden! Ich freu mich drüber!

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