Olivenöl für Babys ungeeignet – Studienergebnisse lassen aufhorchen

Die Studienergebnisse aus London sind recht eindeutig: Olivenöl und Sonnenblumenöl sind nicht geeignet zur Pflege von Babys Haut. Ein bisschen hat mich das schon schockiert. Denn vor allem Olivenöl wird ja oft als hochwertiges Öl angepriesen. Als mein Sohn vor zwei Jahren ein Neugeborener war, habe ich ihn oft massiert. Wie schon bei seiner Schwester habe ich dafür hochwertige Öle von der Bahnhofsapotheke benutzt. Ins Badewasser habe ich nach Empfehlung der Hebamme und auch sonst der herrschenden Meinung Olivenöl gegeben. Jetzt stellt sich raus, dass das vielleicht schädlich war.

Die Studie: Olivenöl, Sonnenblumenöl oder kein Öl?

Im Fachjournal „Acta Dermato-Venerologica“ ist eine britische Studie veröffentlicht worden. Das Ergebnis: Olivenöl und Sonnenblumenöl kann die Entwicklung der natürlichen Hautbarriere behindern.

Die Begründung dafür, warum die Öle für Babys schlecht sind ist folgende: Die Haut des Babys ist anders aufgebaut als die Haut von Kindern und Erwachsenen. Die Haut ist um rund 20 Prozent dünner als die von Erwachsenen. Auch die Hornschicht hält noch nicht soviel aus und ist dünner. Gleiches gilt für die Elastinfasern und Kollagenfasern, die dünner und kürzer sind. Auch die Schweiß- und Talgdrüsen funktionieren noch nicht richtig. Der pH-Wert und Lipidgehalt der Haut schwankt stark und auch die Mikroflora ist noch nicht vollständig entwickelt. Kurz gesagt: Die Haut ist noch nicht richtig entwickelt und nun kommt das interessante Experiment:

Die Mediziner des Saint Mary’s Hospital und der Manchester University haben getestet, welche Auswirkungen Olivenöl und Sonnenblumenöl auf die Hautbeschaffenheit von Neugeborenen haben und ob sie mit der Entstehung von Hauterkrankungen zu tun haben können. Im Rahmen der Studie wurden 115 Neugeborene einen Monat lang zweimal täglich entweder mit Sonnenblumen- oder Olivenöl oder ausschließlich mit Wasser behandelt. Anschließend wurden Hautfeuchtigkeit und Struktur untersucht.

Die Ergebnisse: Auf Dauer geht es der Haut ohne Oliven- und Sonnenblumenöl besser

Die Ergebnisse zeigten: Babys, die Öl zur Hautpflege erhalten hatten, hatten zunächst eine bessere Durchfeuchtung der Haut als die Vergleichsgruppe. Aber: Die Entwicklung der Barrierefunktion der Haut war schlechter als die Haut der nur mit Wasser behandelten Babys. Die Struktur der Lipidlamellen war schlechter. Diese sollen die Haut vor Feuchtigkeitsverlust schützen und das Eindringen von Allergenen und die Entstehung von Infektionen verhindern.

Was die Studie nicht zeigt: Ob die Haut sich durch die Anwendung von Olivenöl und Sonnenblumenöl einfach langsamer entwickelt oder ob sie dadurch dauerhaft geschädigt wird. Dazu sind weitere Untersuchungen nötig. So oder so raten die Forscher vorerst davon ab Babys mit Sonnenblumen- oder Olivenöl zu behandeln.

Wie sollte Babys Haut also behandelt werden?

Europäische Haut- und Kinderärzte empfehlen in einem Konsenspapier für die Pflege gesunder Babyhaut vor allem regelmäßige Körperpflege mit Wasser.

Wir benutzen außerdem die waschies, das sind spezielle Waschlappen, mit denen man Dreck gut von der Haut bekommt – ohne Chemie. Für Neugeborene ist aber auch das sicherlich nicht notwendig. Richtig dreckig werden sie eh nicht.

Vom Kinderarzt haben wir übrigens Mandelöl fürs Badewasser bekommen, als die Neurodermitis-Erkrankung meines Sohnes sichtbar wurde. Hier kannst Du alle unsere Pflege-Erfahrungen für Neurodermitiker nochmal nachlesen. Für gesunde Babys würde ich aber vor allem nach dieser Studie auf nichts anderes als Wasser setzen.

4 Gedanken zu “Olivenöl für Babys ungeeignet – Studienergebnisse lassen aufhorchen

  1. Sehr interessanter Beitrag! Meine Menne ist Grieche und er wurde als Baby und Kind immer mit Olivenöl eingerieben-auch heute nutzt er das Öl noch zur Pflege. Seine Haut ist toll! Bei mir wurde immer Mandelöl verwendet und auch ich kann mich über meine Haut nicht beschweren. Bei unseren Kids kam und kommt immer ein Tröpfchen ins Badewasser… Hmm, manchmal sind so Studien echt verwirrend 🙂

  2. Die Studie zeigt doch nur, daß man Babys generell nicht “einfetten” soll, weil die Babyhaut so schlechter Eigenfett produziert.
    Hin und wieder zu Massagezwecken Öl zu benutzen- dagegen spricht gar nichts.

    • Inwieweit das ab und zu anwenden von Öl schadet, oder ob es überhaupt die Haut dauerhaft schädigt ist noch nicht bekannt. Auch ob es andere Öle als Olivenöl und Sonnenblumenöl betrifft, wurde nicht getestet. Ich habe meine Babys mindestens einmal am Tag massiert. Es gehört ja bei vielen zur Routine. Nach diesen Ergebnissen würde ich persönlich das Öl nach der Massage mit einem feuchten Lappen entfernen. Aber das ist nur meine bescheidene und persönliche Umsetzung.

  3. Danke für diese Infos! Ich habe meinen Wutzibutz in den ersten Wochen und Monaten immer wieder nach Frederic Leboyers “Indischer Babymassage” massiert. Auch hauptsächlich mit Olivenöl. Das interessante dabei: am Ende der Massage soll man das Baby in Wasser baden – ohne irgendwas anderes. Das Öl dient weniger zur Pflege als dafür, dass man gut massieren kann. Im Wasser und beim sanften Abrubbeln mit dem Handtuch geht vieles vom Öl wieder runter. Das Wasserbad hat für Leboyer bzw. die Inderinnen vor allem den Zweck, die Spannungen abzuwaschen – als “finish” der Massage. Aber vielleicht ist es eben auch zum Abwaschen des Öls gut…. Wer weiß. 🙂

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