Omas Senf: Die Unart mit den Zwischenmahlzeiten Snacks

Feste Essenszeiten ohne Snacks zwischendurch einzuhalten ist offenbar eine kaum schaffbare Hürde. Auf dem Spielplatz, beim Spazierengehen, beim Arzt: Jede Mutter, die halbwegs was auf sich hält hat heute Verpflegung dabei, die unseren Wanderrucksack für die Brotzeit auf dem Watzmann vor Neid erblassen lässt. Kekse in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen, in Herzform geschnittene Möhrchen, handliche Apfelspalten, Mini-Wiener und natürlich der Dauerbrenner Reiswaffel. Und beim Kinderturnen wird der Kleinen schnell noch ein Gummibärchen zwischen die Kiemen geschoben. Nicht, dass sie auf dem Reck noch vom Fleisch fällt.

Nicht mal zum Kinderarzt geht es ohne Snack

Beim Kinderarzt hängt jetzt sogar ein Schild, Kinder sollten bitte vor der Untersuchung im Wartezimmer und im  – Achtung: Behandlungszimmer (!) nichts essen, da sonst eine Untersuchung des Mundraums erschwert wird. Muss man das ehrlich betonen? Nie im Leben wäre ich darauf gekommen, essen mit zum Kinderarzt zu bringen. Scheinbar hat sich das geändert. Snacks sind heute offenbar immer und überall verfügbar. Der Snackindustrie mit Quetschies, Kringeln, Stängchen und kleinen Portiönchen sei Dank.

Ungesund und Verfall der Esskultur!

Dass diese Art der Ernährung sehr ungesund ist, muss ich glaub ich nicht betonen. Die arme Bauchspeicheldrüse – kommt nie zur Ruhe. Der Blutzuckerspiegel ist dauernd oben. Und zum Zweiten ist einmal mehr bewiesen worden, dass vieles, was wir unseren Kindern als Zwischensnack anbieten, gar nicht so gesund ist, wie wir denken. Beispiel Reiswaffel. Was genau daran das Problem ist, könnt Ihr hier nachlesen. Die Kinder greifen natürlich gerne zu und haben quasi ständig was zwischen den Zähnen. Dass die Kleinen dann zu den Hauptmahlzeiten keinen Hunger mehr haben, ist jetzt nicht gerade überraschend.

Lernen für´s Leben

Doch wenn die Kinder klein sind, wird doch auch eine Esskultur geprägt! Mal abgesehen vom gesunden Essen. Wir sitzen ordentlich zusammen am gedeckten Tisch, wir haben die Hände auf dem Tisch und sitzen gerade. Wir stehen auf, wenn alle fertig sind und unterhalten uns beim Essen. Wie sollen Kinder das Sitzfleisch haben und die Notwendigkeit empfinden, gemeinsam zu essen, wenn ihnen den ganzen Tag Essen angeboten wird? Ist doch kein Wunder, dass die Kleinen zu Hause und im Restaurant nach wenigen Minuten aufstehen – sind doch eh schon satt.

Warum sich Konsequenz und ein Leben ohne Snacks auszahlt

Es mag altmodisch sein, aber die Kinder tun sich später leichter, wenn sie frühzeitig an Rituale gewöhnt sind und vielleicht tun sie sich dann auch in anderen Situationen leichter, wenn sie frühzeitig wissen, dass es nicht nur um sie geht, sondern um die Gemeinschaft.  Und sie lernen, dass man ein bisschen Hunger auch mal aushalten kann. Denn das ist ein wunderbares Gefühl, wenn Du an einen gedeckten Tisch kommst und richtig Kohldampf hast – dann essen die Kinder plötzlich auch Gemüse. Muss ja keiner echten Hunger leiden. Man kann ja viermal am Tag essen – aber eben richtige Mahlzeiten und nicht dauernd ein Salzstängchen zwischendurch – 20 Mal am Tag. Auch wenn das hier Omas Senf ist – das wird bei uns seit Generationen so gemacht und zum Glück auch so weitergeführt.  Und bei Euch?

3 Gedanken zu “Omas Senf: Die Unart mit den Zwischenmahlzeiten Snacks

  1. Das sind so ziemlich die gleichen Ansichten die ich versuche meiner Mutter zu verklickern und irgendwann aufgegeben habe… meine zwei Kinder werden ständig gefüttert wenn sie bei Oma sind (jeden Tag, wohnt nebenan), sie werden mit ach so gesunden Aktimels gefüttert (3 TL Zucker sind da drin!!) aber ist ja egal das stärkt die Abwehr?!? Aha ja klar. Eis vor dem Mittagessen mit Honig weil die 3-jährige ja so wenig isst und Kekse ohne Ende, die sind ja nicht süß sondern salzig… Und ich soll sie doch mit dem Löffel füttern dann ist sie mehr… Folge. Ich lasse die Kinder eine Stunde vor den Malzeiten nicht rüber zu Oma, das ist traurig und ärgerlich. Und wenn kein Argument zieht (auch keine 3 TL Zucker auf dem Tisch) fange ich an zu schreien und dann ist Oma beleidigt. Ja und gelobt wird auch stääändig (zum anderen Beitrag)
    Und der andere Opa kauft Pommes zum Frühstück. 1.Frage wenn wir vorbei kommen “was kann ich den Kindern geben?” Großeltern sind anstrengend.

    • Ja, das stimmt leider. Aber die sind (in den meisten Fällen) für Kinder auch sehr bereichernd. Ich versuche zu erklären: “Das mit dem Essen ist mir wichtig. Es ist erwiesen, dass Kinder leichter an Diabetes erkranken, wenn sie zu viel süßes und vor allem zwischendurch essen. Ich will das beste für mein Kind. Ihr etwa nicht? Wenn ihr sie mit süßem vollstopft schadet ihr den Kindern. Wollt ihr das?” Darauf können Sie eigentlich nur “nein” sagen. Und wenn das nicht hilft, dann geht auch das: um Hilfe bitten. Also den Omas klar machen, dass man sie als Vorbild für die Kinder braucht, dass sie als Erwachsene, die im Leben der Kinder eine Rolle spielen, gebraucht werden und dass sie mithelfen müssen, die Kinder gesund zu ernähren. So kommt man aus der Spirale der Vorwürfe raus. An einem Strang ziehen ist da dann die Devise. Viel Glück!

  2. JA, auch wir haben Essen für unser Kind dabei. In der Anfangszeit mehr, jetzt nach 2einhalb Jahren hält er auch mal länger durch.
    Also da sehe ich nun wirklich kein Problem darin.

    Und die angeblich so tolle Esskultur, oder das was viele meiner Zeitgenossen darunter verstehen,
    hat oft weing mit gutem Essen und meist schon gar nichts mit Kultur zu tun. Es gleicht mehr eine Un-Kultur!

    Wie wenig Gedanken sich Menschen über Herkunft und Produktion von Lebensmitteln und wie wenig Mühe sie sich bei Zubereitung der Mahlzeiten, ist schon ein Trauerspiel.
    Mir wird übel, wenn ich sehe, was für „Müll“ im Supermarkt als sog. Convenience Food angeboten und auch noch gekauft wird.
    Wie soll ein Kind denn überhaupt verstehen, dass Lebensmittel etwas wertvolles sind, wenn es nie mitbekommt, wie gekocht (kochen und NICHT Essen warm machen!) wird.
    Anstatt das Auto noch ne Stunde saugen und polieren, lieber in der Küche mit dem Kind kochen zum Mitmach-Event umfunktionieren.
    Aber dafür braucht´s ja ein bisserl Hirn und Kreativität…

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