Kind mit Neurodermitis eincremen – Tipps so klappt es ohne Gewalt

Wegen der Neurodermitis meines Sohnes hat uns dieses Thema natürlich schon eine Weile beschäftigt. Und aus der Erfahrung weiß ich, dass Kinder und Creme manchmal ein ganz schöner Kampf sein können. Mit ein paar Strategien ist es uns bisher gelungen, den Kampf einzudämmen und das Eincremen möglichst stressfrei zu gestalten. Dies sind unsere Tipps:

Entspannte Atmosphäre schaffen

Streicheln und Massieren ist etwas sehr Schönes. Das können wir nutzen. Ich versuche immer dann zu cremen, wenn mein Sohn ohnehin in Kuschelstimmung ist. Ich richte mich damit wann genau gecremt wird, nach ihm. Am besten geht das Cremen langsam und zärtlich. Gerade wenn die Haut angegriffen ist, kann ruppiges Cremen sehr schmerzhaft sein. Beim Eincremen geht es eben nicht nur um die Wirkstoffe und die Pflege in der Creme. Auch sanfte Berührungen tun der Haut gut. Wer in ruhiger Atmosphäre eincremt und das Eincremen als Akt der Zuwendung begreift, nimmt nicht nur Stress raus, sondern tut dem Kind auch gleich auf emotionaler Ebene etwas Gutes.

Creme selbst auftragen lassen

Wie auch sonst im Leben lieben es Kinder in der Regel, wenn sie etwas auch selbst machen dürfen. Wichtig ist dabei, dass das Selbst machen nicht die liebevolle Zuwendung aus Tipp Nummer 1 ersetzt;-) Mein Tipp daher: Dem Kind soviel Selbstständigkeit einzuräumen, wie es möchte. Das gilt vor allem auch, wenn es rund um die Privatsphäre des Kindes geht. Weiter unten gehen ich darauf nochmal ein.

Eincremen ist Routine

Eincremen gehört bei Kindern mit Neurodermitis genauso zur täglichen Routine wie das Zähne putzen. Das kann vor dem Einschlafen sein, zum Aufwach-Kuscheln oder wann auch immer. Wenn das Eincremen zur täglichen Routine wird, muss deutlich weniger darüber diskutiert werden. Im Gegensatz zum Zähne putzen lass ich das Eincremen aber auch mal ausfallen, wenn mein Kind nicht möchte. Auch dazu weiter unten mehr. Grundsätzlich gilt es aber zu unterscheiden zwischen Basispflege und der Behandlung von Ekzemen. Auf letzteres müssen wir eben bestehen und wir können es nicht einfach ausfallen lassen.

Hier erkläre ich den Unterschied nochmal genauer: welche Cremes gibt es bei Neurodermitis und wann wird welche angewendet?

Neurodermitis-Kinder beim Streicheln eincremen

Mein Sohn hatte schon Phasen, da wollte er überhaupt nicht gecremt werden. Er mochte das Gefühl auf der Haut einfach nicht. Ich hab dann meine Hand eingecremt und ihn zufällig gestreichelt. Oder ich habe die Creme auf meinen Finger und ihm gesagt dass ich puste und das Jucken “wegwischen” kann. Die Creme darf er natürlich dabei nicht sehen. So war er abgelenkt. Für sehr kleine Stellen geht diese Strategie durchaus auf.

Cremen beim Schlafen

Gerade im Sommer oder bei leicht zugänglichen Stellen ist das Cremen im Schlaf eine tolle Alternative, wenn ein Kind nicht eingecremt werden möchte, es aber wirklich nötig ist. Achte dabei aber unbedingt darauf, dass die Creme handwarm ist, damit das Kind nicht aufwacht.

Ablenkung hilft beim Eincremen von Kindern

So werden bei uns auch Haare geschnitten und Fingernägel gestutzt: Beim Fernsehen. Wenn einem Kind das Eincremen einfach zu langweilig ist und es nicht möchte, dann kann ein Youtube-Video Wunder bewirken….Oo. Mein Sohn ist davon so paralysiert, dass er nicht mal merkt, dass ich creme.

Probleme und Lösungen: Kinder gewaltfrei eincremen:

Kind will sich nicht anfassen lassen

Das ist natürlich ein Dilemma. Ein Kind einzucremen und damit ja auch intensiv anzufassen, obwohl es nicht angefasst werden möchte, ist äußerst übergriffig. Auch Kinder haben ein Recht auf Intimsphäre. Wo die ist, entscheiden Kinder selbst. Ich finde bis zu einem gewissen Grad ist die Wahrung der Intimsphäre wichtiger, als das Eincremen. Gewaltfreie Lösungen können sein:

  • Das Eincremen fällt ausnahmsweise mal aus.
  • Das Kind versucht sich selbst einzucremen.
  • Das Kind akzeptiert es von einer anderen Person eingecremt zu werden (Papa statt Mama, Babysitterin statt Papa usw.) oder
  • es ist einverstanden ein Hilfsmittel zu verwenden. Zum Beispiel einen Pinsel oder einen Lappen. Damit kann die Creme schließlich auch aufgetragen werden. Der Abstand zur eincremenden Person ist aber gewahrt.

Eltern sollten so eine abwehrende Haltung wirklich nicht persönlich nehmen. Mich hat es natürlich auch gekränkt als mein Sohn nicht mich, sondern unbedingt Papa zum Eincremen wollte. Aber jede Phase geht vorbei und oft hat es gar nichts mit Ablehnung zu tun, sondern schlicht mit dem Wunsch über den eigenen Körper selbst bestimmen zu dürfen. Das ist etwas sehr Gesundes.

Warum das sogar zur Prävention beiträgt und wir auf keinen Fall unerlaubt in die Intimsphäre von Kindern eindringen sollten, dazu kannst Du hier ein spannendes Interview lesen: Aufklärung im Kindergarten und warum wir Kinder vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen sollten.

Kind signalisiert, dass das Eincremen weh tut

Haut ist nicht gleich Haut. Auch und gerade bei Neurodermitis. Haut kann rissig sein, trocken, nässend, fettig und so weiter. Es gibt niemals die eine Creme, die für alle Hautstellen passt. Im schlimmsten Fall kann das Auftragen unangenehm sein oder sogar brennen. Manchmal ist das Auftragen trotzdem notwendig. Aber dennoch solltest Du, wenn Du den Verdacht hast, die Creme könnte weiter reizen, nochmal Rücksprache mit dem Arzt halten. Bei meinem Sohn hatten wir zum Beispiel mal eine Creme mit Harnstoff verordnet bekommen. Er hat gekreischt vor Schmerzen beim Auftragen. Wir haben die Creme gewechselt und auf eine ohne Harnstoff gesetzt. Und schon war das Eincremen wieder friedlicher.

Auch die Temperatur der Creme kann ein Problem sein und Schmerzen verursachen. Creme aus der Tube ist häufig sehr kalt. Kinder empfinden das durchaus als schmerzhaft. Verteile die Creme einfach vor dem Auftragen eine Weile in Deinen Händen und trage sie erst auf, wenn sie handwarm geworden ist.

Ein Gedanke zu „Kind mit Neurodermitis eincremen – Tipps so klappt es ohne Gewalt“

Schreibe einen Kommentar