Was unsere Kinder während dem Lockdown lernen

Die Kinder können grade nicht oder nur wenig in die Schule. Auch das mit dem Kindergarten ist grad mehr als überschaubar. Von Hobbies ganz zu schweigen. Trainingseinheiten fallen flach, genauso wie Musik, Kunst und vieles mehr. Ich weiß gar nicht wann wir das letzte Mal auf einer Veranstaltung waren. Auch meine eigene Veranstaltungsreihe Kinderkultur in Thurnau, die mir sehr am Herzen lag und liegt, fällt grade flach. Klar ist das traurig. Doch die Kinder sitzen in dieser Zeit des (teilweisen) Lockdown ja (hoffentlich) auch nicht nur vor der weißen Wand und starren vor sich hin. Sie lernen trotz Lockdown. Aber was eigentlich?

  • Warten. Das mussten meine Kinder wirklich oft. Wir haben ja schließlich seit Beginn der Pandemie mehr oder weniger komplett von zu Hause gearbeitet. Und da mussten die Kinder oft selbst Lösungen finden. Sie können eben nicht jederzeit wegen Lappalien zu uns kommen, sondern müssen noch mehr als sonst abwarten.
  • Sich selbst organisieren: Puh. Das war manchmal schwer für unser Schulkind. Außerhalb des festen Rhythmus von Schule und Nachmittagsbeschäftigungen hatte die Schule für uns schon eine Priorität auf die wir auch bestanden haben. Aber Gitarre üben und Sporteinheiten, Lesen und was eben noch so ansteht, musste sie selbst organisieren. Ohne dass man sich da an bestimmten von außen vorgegebenen Zeiten festhalten kann ist das gar nicht so einfach.
  • Argumentieren: Das ist bei uns grad großes Thema. Und viel Zeit zusammen bietet auch viel Zeit zum Diskutieren. UNd überhaupt zum Spielen und Entdecken.
  • Zusammen Sport machen: Wir Erwachsenen trainieren hier schon jeden zweiten Tag. Die Kinder haben das natürlich früher auch mitbekommen, aber jetzt hopsen sie immer mal gerne mit. Und auch wenn ein gemeinsames Training schwierig ist: Sie lernen am Beispiel, dass Bewegung normal ist.
  • Nettes für Andere tun: Dem Uropa ein Bild in den Briefkasten werfen, ein Video für jemanden aufnehmen, jemanden anrufen oder einen Brief schreiben. Wir nehmen uns dafür gerne Zeit. Und wir reden viel davon wie es anderen wohl grade geht.
  • Geschwisterliebe: Die beiden Geschwister sind hier definitiv im letzten Jahr extrem aneinander gewachsen. Am Anfang haben sie sich sehr genervt. Aber mittlerweile haben sie sich arrangiert. Andere Kinder sehen sie ja kaum. Sie reiben sich intensiv aneinander und streiten viel. Aber sie sind auch ein tolles Team geworden.
  • Was arbeiten Mama und Papa eigentlich? Klar wollten sie das vorher schon wissen, aber jetzt haben sie schon noch mehr mitgekriegt und uns über die Schulter geschaut. Und so kann auch der Kleine schon erklären, warum man Papa jetzt anderthalb Stunden auf keinen Fall stören darf.
  • Umgang mit technischen Geräten: Ich weiß schon: Es wird viel über den Medienkonsum der Kinder gejammert. Aber ehrlich? Ich seh vor allem wie sicher sie mit Handy und Tablet umgehen können, wie sie ganz natürlich ein Gefühl dafür entwickeln diese Geräte zu bedienen und auch wie sie lernen sich selbst zu regulieren. Es kommt schon immer mal vor, dass der Kleine nicht bereit ist, den Fernseher auszuschalten. Aber im Großen und Ganzen haben diese Geräte ihren besonderen Zauber verloren und sind einfach zu Alltagsgegenständen geworden, die man ganz natürlich bedient. Ich mag das.
  • Kochen, sauber machen, Wäsche waschen: Meine Kinder müssen nicht helfen. Aber seitdem wir drei Mahlzeiten pro Tag miteinander und auch sonst viel mehr gemeinsame Zeit haben, haben sie auch viel rund um die Hausarbeit mitbekommen. Ich bin wahrlich keine Vorzeigehausfrau. Aber bestimmte Sachen müssen halt getan werden. Wäsche einsammeln, Tisch decken, Gurken schnippeln und den Ofen anschüren: Während dem Lockdown haben wir da viel mehr miteinander gemacht, als vorher. Ist ja klar. Alle sind immer eh da.
  • Auf der Baustelle: Wir haben im vergangenen Jahr ziemlich viel zu Hause renoviert. Auch wenn die Kinder dem sehr aus dem Weg gehen und es ihnen viel weniger spannend ist, als ich vorher erwartet hätte, haben sie doch viel mitgekriegt: Wie funktioniert die Heizung eigentlich? Wie wird echter Beton angemischt und wie geht das mit dem Akkuschrauber nochmal? Das letzte Jahr hat uns da viele Gelegenheiten zum Lernen gegeben.
  • Miteinander reden und spielen. Nach Schule und Kindergarten sind die Kinder früher oft in ihren Zimmern verschwunden. Der Tag war einfach anstrengend und sie wollten sich zu Hause ausruhen. Heute im Lockdown wollen sie gefordert werden. Und das ist – auch wenn es anstrengend ist – auch wunderschön. Wir haben ausprobiert was brennt, haben Seifenblasen gemacht, Insekten in Lupengläsern beobachtet und vieles mehr. Das meisten davon haben sie ganz für sich allein gemacht, als ich grade ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich so wenig Zeit mit ihnen hatte. Und ein paar Dinge haben wir auch gemeinsam neu entdeckt. Da gibt es ja viele Ideen zum forschen und entdecken. Das ist anstrengend und fordernd. Aber auch schön.
  • Alleine spielen – das ist etwas, das meine Kinder auf jeden Fall im Lockdown gelernt haben. Sie waren darin schon immer nicht schlecht. Aber gerade mein Sohn hat zu Zeiten des Lockdowns diese Fähigkeit nochmal perfektioniert: Er denkt sich so viele Geschichten allein mit sich in seinem Zimmer aus. Er baut viel aus Lego und ist dabei völlig ungestört. Nachdem wir sowieso so gut wie nichts vorhaben, kann er das ganz nach seinem eigenen Rhythmus tun. Unsere Tochter dreht mittlerweile Filme mit ihren Schleichpferden. Sie kann sich damit Stunden beschäftigen. Im normalen Alltag wäre das kaum möglich gewesen.
  • Mehr Entspannung im Alltag: Schlafen und Aufwachen wie es einem passt. Spielen, toben und sich dabei nicht nach der Ort, sondern höchstens nacheinander richten. Wir genießen das ehrlich sehr und ich bin der Überzeugung, dass uns das wirklich gut tut.

In Summe will ich nicht so tun, als ob es für die Kinder so besser wäre, als in ihrem regulären Alltag zu sein. Meinen Kindern – und sicher auch allen anderen Kindern – fehlt es mit Gleichaltrigen zusammen zu sein, geregelte Abläufe zu haben und Zugang zu Angeboten zu bekommen. Mir selbst fehlt es richtig am Stück und konzentriert arbeiten zu können. Aber es nützt nichts. Dass unsere Kinder während dem Lockdown nichts gelernt hätten, kann man jedenfalls nicht behaupten.

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von Oceansapart

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