Nachhaltiger Urlaub machen- Charis hat die besten Tipps für sanften Tourismus

Charis schreibt auf www.kinderleute.de über Nachhaltigkeit im Alltag. Übers unverpackt einkaufen, über nachhaltige Feste und heute über nachhaltigen Urlaub:

Liebe Katharina,

wie machst du denn so Urlaub?
Zweimal im Jahr mit dem Flieger in die Karibik jetten, dort den ganzen Tag an der All-inclusive-Bar Cocktails aus Plastikbechern schlürfen, während im Hotelzimmer die Kilmaanlage läuft und zweimal am Tag die weichspülerweichen Handtücher gewechselt werden?
So sehe ich dich ja nicht Urlaub machen….
Ist auch alles andere als nachhaltig. Vom Preis mal ganz abgesehen.
Wie kann man denn nun als Familie nachhaltig Urlaub machen?
Die wichtigsten Tipps hab ich hier zusammengestellt.

WIE können wir nachhaltig reisen? Die Anreise

Flugzeug

WIE man zum Urlaubsort kommt, hängt natürlich mit dem WO zusammen. Die Umweltbilanz eines Urlaubs hängt hauptsächlich von der Anreise ab. Wen es tatsächlich in die Ferne zieht, der wird um das Flugzeug nicht herumkommen. Flugreisen und Kreuzfahrten sind allerdings aus nachhaltiger Perspektive die am wenigsten geeignete Option. Die CO2 Emissionen einer solchen Reise kippen die Ökobilanz einer ansonsten vielleicht höchst nachhaltigen Reise komplett ins Negative.

Auto

Auch das eigene Auto steht in dieser Bilanz nicht gerade gut da. Für Viele überwiegen aber die Vorteile: Keine fremdbestimmten Zeiten, Platz um viel, für die ganze Familie, mitzunehmen.

Bahn

Die Alternativen kommen aber auch mit einigen guten Argumenten: Mit der Bahn steht man nirgends im Stau. Verspätungen gibt es immer mal wieder, aber so eine halbe Stunde bis Stunde Wartezeit ist doch nichts im Vergleich zu einem Superstau zur besten Ferienzeit mit nörgelnden Kindern auf dem Rücksitz. Apropos nörgelnde Kinder – Im Zug haben die Kids sozusagen etwas Auslauf. Sie müssen nicht über Stunden ruhig auf ihrem Hintern sitzen. Abwechslung gibt es auch. Mitreisende beobachten, die Kinderfahrkarte beim Schaffner/ der Schaffnerin abknipsen, alle Kinder im Zug zählen, die Malsachen auf dem Tisch ausbreiten, ja in manchen ICEs wird sogar in einem Abteil Kinderbetreuung angeboten.

Und der Satz „Ich muss mal“, der komischerweise genau eine halbe Stunde nach der letzten Pinkelpause von hinten erschallt, ist im Zug gleich weniger dramatisch und nervenzehrend.

Fahrrad

Mit dem Fahrrad als der umweltfreundlichsten Fortbewegungsvariante, beginnt der Urlaub und das Abenteuer gleich beim Verlassen der Haustür. Größte Herausforderung (neben der körperlichen natürlich) ist dabei das Packen. Um alles in den Fahrradtaschen unterzubringen, gilt es das Gepäck zu „entschlacken“ und die Kilos zu reduzieren… hm, das bezieht sich dann, mit all der Strampelei nicht nur auf das Gepäck 😉

WO und WAS? Ideen für den nachhaltigen Urlaub

Balkonien

Geht es wirklich nur um Erholung, Ausspannen, Nichtstun? Vielleicht sind dann ein paar Tage „Ferien auf Balkonien“ eine Idee. Im Ernst, manchmal ist die größte Entspannung in der gewohnten Umgebung, einfach mal nichts zu tun. An- und Abfahrt erübrigt sich. Es gibt keinen Stress mit unbekannten Situationen. Und die Kinder sind vielleicht auch mal froh, die eigenen Spielsachen/Spielplätze in Ruhe, ohne Kindergarten und Schule zu genießen … vielleicht! Das ist natürlich Typfrage. Und auf Dauer sicher zu langweilig. Aber mal ein paar Tage das eigene zu Hause genießen ist möglich. Vom eingesparten Geld wird einfach nett Essen gegangen. So muss niemand kochen. Und Zeit für Kino, Schwimmbad, Museum wäre auch.

Urlaub in der Region

Ein kurzer Anfahrtsweg spart Ressourcen, das ist klar. Also warum nicht mal Urlaub in der Heimat machen? In der eigenen Region, aber auch sonst in ganz Deutschland gibt es zahllose Orte, an denen man die Seele baumeln lassen oder Abenteuer erleben erleben kann. Von A wie alternativer Bauernhof bis Z wie Zumba am Fuß der Zugspitze – (fast) alles geht. Wir haben Seen, Berge, Strände, spannende Städte und Landschaften. Am besten Freunde und Bekannte aushorchen und eine Liste mit möglichen Zielen erstellen. Die kann man über die Jahre abarbeiten, äh aburlauben. Es lohnt sich! Tolle Ziele finden sich auch oft fast direkt vor der Haustür. Also, „warum in die Ferne schweifen…“

Familie besuchen

Mama und Papa oder die Geschwister besuchen klang früher nicht gerade nach einem spannenden Urlaub? Ja schon, aber ganz ehrlich, mit Kindern gibt es da den unschätzbaren Vorteil der Kinderbetreuung! Während die Kleinen mit Opa im Erdbeerfeld sind, oder mit Oma Lego bauen, sitzen wir bei einem Eiskaffee auf der Terrasse und können endlich mal wieder in Ruhe ein Buch lesen. Hat doch was, oder?

Sportlich und spannend

Alle wollen sich auspowern, was erleben, draußen sein? Dann sind Fahrrad und Zelt eine gute Option. Umweltschonender geht quasi kaum. Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten Lust auf dieses Abenteuer haben. Denn die komfortabelste Variante ist das sicher nicht.

Action für die Kids, Entspannung für die Erwachsenen

Der Klassiker: Am Wasser. Die Kinder haben Spaß beim Planschen, Buddeln, Toben, die Eltern dürfen auf der faulen Haut liegen. Geht übrigens auch in Deutschland.
Auch eine Überlegung wert: Ferien auf dem Bauernhof. Tiere füttern und streicheln, mal beim Ausmisten helfen, oder ausreiten – das ist ein Traum für viele Kinder. Und bei solch einem Unterhaltungsprogramm kommen Mama und Papa hoffentlich auch mal dazu die Füße hochzulegen.

Wo, wie, was – das muss natürlich jede Familie individuell entscheiden. Aber egal ob es das Hotel am französischen Atlantikstrand oder die Pension in der fränkischen Schweiz wird – ein paar generelle Tipps für nachhaltige Ferien kann man überall umsetzen.

Nachhaltiger reisen – was wir vor Ort tun können

Vorbereitungen vor dem nachhaltigen Urlaub

Stecker raus! Bevor das Haus verlassen wird, sollten wir sichergehen, dass wirklich alle Geräte aus sind. Das bedeutet nicht im Stand-by-Modus, sondern tatsächlich aus. Also einmal durch die Wohnung gehen und am Fernseher, am Drucker, am Router, am Boiler, an der elektrischen Zahnbürste… den Stecker ziehen.

Müll im Urlaub vermeiden

Dass wir keine Müllberge am Campingplatz oder an der Raststätte hinterlassen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Im Urlaub macht es außerdem Sinn immer eine Stofftasche und Flaschen zum Wiederauffüllen dabei zu haben. So lassen sich Brötchen und Obst ohne Plastik verstauen und der Durst wird günstig und ohne Müll gelöscht.

Lokale Unternehmen unterstützen

Vom All-inclusive-Urlaub profitieren die Einheimischen vor Ort relativ wenig. Da bleibt ein Großteil des Gewinns bei den großen Ketten. Also lieber bei kleinen lokalen Hotels und Pensionen absteigen.

Auch beim Essen gehen im Urlaub fördern wir nachhaltig die örtlichen Restaurants und Cafés, wenn wir um internationale Fast-Food-Ketten einen Bogen machen, und lieber die individuellen Varianten entdecken.

Die Urlaubsregion bietet besondere kulinarische Schmankerl? Dann auf und ohne schlechtes Gewissen genießen! Für ein gutes Stück Fleisch, Fisch oder Käse, vor Ort produziert, macht es Sinn ein paar Cent mehr zu zahlen.

Wer etwas nach Hause mitnehmen will, macht um billige Souvenirstände besser einen Bogen. Ganz ehrlich, den in China produzierten Plastikschlüsselanhänger finden wir doch in einem Jahr nicht mehr (schön). Kauft man stattdessen lokales Handwerk, fördert man die Menschen vor Ort und hat länger eine tolle Erinnerung. Die getöpferte Tasse, das handgewebte Tuch, der Honig von den Bienen, die mit uns am Frühstückstisch saßen – das sind doch wesentlich individuellere Mitbringsel als die zwölfte Schneekugel.

Öffentlicher Nahverkehr statt Taxi oder Mietwagen

Wenn möglich das Auto stehen lassen- sei es der eigene PKW, das Taxi, oder der Mietwagen. Viele Regionen, und gerade Städte, sind gut erschlossen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Als Familie nutzt man am Besten eine Familien- oder Gruppenkarte, die Kleinsten fahren fast immer kostenlos. Die lästige Parkplatzsuche erspart man sich damit auch. Und wenn die großen Kinder helfen dürfen beim Raussuchen der Linie und Haltestelle haben sie was erlebt und gelernt.

Siegel für sanften Tourismus

Es gibt Siegel, die nachhaltiges Reisen garantieren sollen. Das Problem ist nur, davon gibt es unglaublich viele. Um die 140 Öko-Labels werben mit umweltfreundlichem Urlaub. Manche Reiseveranstalter zertifizieren sich einfach selbst, da prüft dann keiner wirklich nach. Bei manchen Siegeln wird nur auf ökologische Aspekte geschaut. Dabei spielen soziale Gesichtspunkte, z.B. wie fair die Menschen vor Ort bezahlt werden, für Nachhaltigkeit auch eine große Rolle.

Sehr anerkannt ist das CSR Siegel der gemeinnützigen Organisation TourCert.
CSR bedeutet Corporate Social Responsibility – darunter versteht man die Umwelt-, und Sozialverträglichkeit von Reisen. Unabhängige Experten überprüfen u.a. folgende Fragen: Wie hoch ist der Anteil des Reisepreises, der wirklich ins Urlaubsland fließt? Wie viel CO₂ wird pro Gast verbraucht? Erhalten die Angestellten einen fairen Lohn?

Andere anerkannte Zertifikate sind z.B. viabono, green globe oder travelife.

In diesem Sinne – der nächste Urlaub kommt bestimmt! Hoffentlich bald!

Schöne Ferien,

wünscht Charis

 

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